Pilze sind echte Delikatessen. Jahr für Jahr suchen hunderttausende natur- und pilzbegeisterte Sammler*innen in Wald und Wiese ihre „Schwammerl“. Was viele nicht wissen: Sie können Pilze auch im Garten anbauen. Corinna Hölzel, Gartenexpertin bei Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) erklärt, wie.
Anbau auf Stroh, Holz oder im Erdboden
„Pilze können im Garten auf drei verschiedene Arten von Nährboden angesiedelt werden: auf Stroh, auf Holz und im Erdboden. Der Anbau auf Stroh ist verhältnismäßig einfach und besonders für Einsteiger*innen geeignet. Am besten beginnen Sie im Frühjahr oder im Herbst mit der Anlage von Pilzkulturen“, erklärt Corinna Hölzel.
Kaufen Sie Stroh, dass goldgelb, gesund und trocken ist. Für den Anbau auf Holz eignen sich bis ein Meter lange Stammstücke und Äste. Welche Holzart Sie genau benötigen und wie dick das Holz sein sollte, hängt ab von dem Pilz, den sie anbauen wollen. Wichtig ist: Das Holz muss gesund, mindestens vier Wochen, aber höchstens sechs Monate abgelagert sein. Für Bodenpilze ist Pferdemist bestens geeignet.
Technik des Impfens
Die sogenannte Pilzbrut können Sie in gut sortierten Gartencentern oder im Baumarkt kaufen. Das Impfen von Stroh, Holz oder Kompost mit Pilzbrut ist nicht schwierig. Ein exaktes Vorgehen ist aber notwendig, um sicher Erfolg zu haben. Sie finden meistens genau Angaben zur Kultivierung auf den Produkten.
Schneller, bequemer, aber auch teurer wird es, wenn Sie fertig geimpfte Strohballen oder Hölzer kaufen.
Einen Pilzgarten Schritt-für-Schritt anlegen
„Bei der Planung eines Pilzgartens ist vor allem die Standortwahl wichtig. Sie müssen spezielle Schatten- und Feuchtigkeitsverhältnisse schaffen. Gleichmäßige Feuchtigkeit und keine großen Temperaturschwankungen sind wichtig. Ist der Platz knapp, siedeln Sie die Pilzkulturen unter vorhandenen Bäumen und Sträuchern an. Bei viel freier Fläche können Sie einen richtigen Pilzgarten anlegen“, so Hölzel. So gelingt das Schritt-für-Schritt:
• Im Mittelpunkt wird ein schwachwüchsiger Baum etwa Wildapfel, Holunder, Haselstrauch oder Eberesche gepflanzt.
• Rings um den Baum setzen Sie verschiedene Sträucher, wie Pfaffenhütchen, Schneeball, Buchsbaum oder Ilex. Achtung: Nicht zu dicht pflanzen, damit noch Sonne in Ihre Anlage hineingelangen kann.
• Im Schatten der Gehölze werden die beimpften Holzstücke eingegraben und die Strohballen ausgelegt. Sie können beimpftes Nährsubstrat für Bodenpilze zusätzlich in kleine Gruben einbringen.
• Noch vorhandene Zwischenräume lassen sich sehr schön mit Waldstauden, wie Haselwurz, Buschwindröschen, Maiglöckchen, Efeu, Sauerklee, Waldmeister und Immergrün gestalten. Dies macht die Anlage natürlicher und fördert das für Pilze notwendige Kleinklima mit hoher Luftfeuchtigkeit.
• Besonders in der Anwachsphase und bei warmem Wetter müssen Sie die Kulturen feucht halten.
Geeignete Pilze
Zwei Pilzarten sind für die Kultur auf Stroh empfehlenswert: Der (Stropharia rugosa – annulata) und der Austernseitling (Pleurotus ostre atus oder P. Saca). Für den Anbau auf Holz sind alle Pilze geeignet, die zu den heimischen, holzbewohnenden Waldpilzen zählen. Das sind zum Beispiel: Das Stockschwämmchen (Kuehnermyces mutabilis), der Samtfußrübling (Flammulina velutipes), der Austernseitling (Pleurotus), der Shii-Takepilz (Lentinus edodes). Auf organisch stark gedüngten Rasenflächen treffen wir oft den Schopf-Tintling (Coprinus comatus) und gelegentlich zwei Champignon-Arten (Psalliota edulis und P. Hortensis bzw. bispora) an, die auch gern auf Komposten und Mistbeeten wachsen. Eine weitere hübsche Art tritt gelegentlich in Gärten auf humoser Laub- und Nadelstreu auf: der violette Rötelritterling (Epista nuda). Alle vier sind ausgezeichnete Speisepilze, die sich erfolgreich auf Kompostsubstrat in Beeten oder Kästen kultivieren lassen.
(Text: PM Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) e.V.)


