Buch zur Münsterer Kerb ist fertig

Werner Ellermann hat sein zweites Buch zur Münsterer Lokalgeschichte fertiggestellt, das ab sofort in limitierter Auflage erhältlich ist. Titel: „Münsterer Kerbtradition: Katholische Kirchweih und buntes Volksfest“. (Foto: jedö)

„Münsterer Kerbtradition: Katholische Kirchweih und buntes Volksfest“: So hat Werner Ellermann sein zweites Buch zur Münsterer Lokalgeschichte betitelt. Darin geht es ganz um die Kerb, gleichwohl man fast nebenbei auch in andere historische Kontexte eintaucht. Nun ist das 160-Seiten-Werk erschienen, in einer Auflage von 200 Exemplaren zum Preis von 15 Euro pro Stück. Den Druck haben die Münsterer Bürgerstiftung und die Sparkassen-Stiftung vorfinanziert. Erhältlich ist das Buch direkt bei Werner Ellermann und kann telefonisch (06071/34994) oder per E-Mail (wernerellermann@arcor.de) bestellt werden.


Zu den ersten Lesern hat bereits Münsters Bürgermeister Joachim Schledt gehört, der selbst mal ein Buch mit dem Namen „Wem ist die Kerb?!“ verfasste, in dem er die Kerbsprüche von 1999 bis 2013 sammelte. Schledt adelt Ellermanns Veröffentlichung als „Meisterwerk“ und empfiehlt die Lektüre allen, die sich für die Münsterer Kerb sowohl in jüngerer als auch ferner Vergangenheit interessieren.

Tatsächlich reichen erste Hinweise auf die Tradition bis ins Jahr 1628 zurück. Die frühesten Indizien für den Bau einer neuen Kirche in Münster stammen aus dem Jahr 1786. Inwiefern in diesen Zusammenhängen aber tatsächlich Kerbfeierlichkeiten stattfanden, konnte Ellermann nicht sicher ermitteln. Im Zuge seiner seriösen Aufarbeitung macht der 76-Jährige dann auch immer wieder deutlich, wenn eine Quellenlage zwar Mutmaßungen dienen, aber nicht als sicherer Beleg hergenommen werden kann.

Sicher nachweisbar ist eine Kerbfeier in ähnlicher Manier wie heute erstmals im Jahr 1871. Der älteste Kerbspruch, den Ellermann ausfindig machen konnte, stammt aus dem Jahr 1925, „der war in Sütterlin geschrieben, ich kann das aber noch lesen“, lacht er. Unter anderem alte Ausgaben des „Starkenburger Provinzial-Anzeiger“ halfen ihm gerade beim Erkenntnisgewinn zu früheren Jahrzehnten. Etwa dem, dass es 1929 gleich sechs Kerbsprüche gab. „Ab diesem Jahr habe ich dazu auch Namen gefunden, wer sie gehalten hat“, sagt Ellermann.

Lesens- und ob seiner vielen Fotos (mitunter 100 Jahre alt) schlicht auch betrachtenswert ist das Buch zur Münsterer Kerb aus vielen Gründen. Die Entwicklung der Tradition im 20. Jahrhundert nimmt den Großteil der 160 Seiten ein, aber auch frühere Phasen und die Aktualität der vergangenen Jahre hat Werner Ellermann akribisch aufgearbeitet. So erzählt er etwa vom „Münsterer Bäckerkrieg“ im Jahr 1876, als die Frauen des Orts ihre Zwetschgen wie seit Schließung der öffentlichen Backhäuser üblich zum Backen großer Kuchen zu den Münsterer Bäckern brachten, diese den Service plötzlich aber nur noch dann übernehmen wollten, wenn zugleich auch das Mehl bei ihnen bezogen würde.

Selbstredend werden im Buch auch die Kolpingkerb, Persönlichkeiten wie Kerbvadder und -Burschen sowie die Insignien wie Kerbstrauß und -Puppe gewürdigt, dazu Kerblieder, Kerbfahne und natürlich ausgiebig die Kerbsprüche. Ob der Fülle des Stoffs versuchte Ellermann, exemplarisch oder zusammenfassend vorzugehen. „Es macht keinen Sinn, von jedem Kerbumzug Bilder abzudrucken“, findet er. Eine Fleißarbeit leistete er, indem er sämtliche Titelseiten der Münsterer Kerbzeitung abbildete.

Den Erlös aus dem Verkauf seines Buchs will Werner Ellermann übrigens „zum großen Teil für die Renovierung der Pfarrkirche spenden“. Den Rest will er der Bürgerstiftung zurückgeben, die nun schon bei seinem zweiten Buchprojekt in Vorleistung trat.

(Text: jedö)