Ausstellung „Mensch, dein Müll“ im Haus der Stadtgeschichte in Heusenstamm

Michael Giatas (v.l), Sibylle Möller, Undine Zimmer und Julia Weitzel bei der Ausstellungseröffnung. (Foto: ah)

Die Ausstellung „Mensch, dein Müll“ im Haus der Stadtgeschichte in Heusenstamm ist weit mehr als eine künstlerische Auseinandersetzung mit achtlos weggeworfenen Gegenständen. Sie ist das Ergebnis eines gemeinsamen Engagements der Initiativen „Naturengel“ Heusenstamm und „einfachBücken“ Obertshausen sowie der künstlerischen Arbeiten von Sibylle Möller und Michael Giatas.


Bereits in den Ansprachen zur Eröffnung wurde deutlich, wie stark Motivation, Zusammenarbeit und persönlicher Einsatz die Ausstellung geprägt haben. Julia Weitzel von den Naturengeln Heusenstamm, Initiatorin und Mitorganisatorin der Ausstellung, begrüßte die Gäste und zeichnete die Entstehungsgeschichte nach. Ihre Idee entstand bei einem Clean-Up im Naturschutzgebiet rund um Heusenstamm, bei dem sie „erschrocken über die achtlos weggeworfenen Konsumgüter“ war. Statt die Funde einfach zu entsorgen, wollte sie sie sichtbar machen. Gemeinsam mit dem Fotografen Michael Giatas entwickelte sie über zwei Jahre hinweg das Konzept, Müll wie ein Produkt zu inszenieren. Unterstützung erhielt sie dabei von Undine Zimmer, Gründerin der Initiative „einfachBücken“ Obertshausen, die als Mitorganisatorin maßgeblich beteiligt war. Undine Zimmer betonte in ihrer Ansprache die Bedeutung der Sichtbarkeit: „Man muss drüber sprechen, man muss es zeigen.“ Ihr Beitrag bestand vor allem in der Vernetzung, Organisation und inhaltlichen Mitgestaltung der Ausstellung. Zudem verwies sie auf die Unterstützung durch die Naturfreunde Obertshausen, die das Projekt finanziell gefördert haben.

Die Künstlerin und Umweltaktivistin Sibylle Möller brachte eine weitere Perspektive ein. Sie steuerte Fotografien bei, die direkt an den Fundorten des Mülls entstanden, kombiniert mit kurzen, haikuartigen Texten. Ihr Ansatz sei es, ohne erhobenen Zeigefinger zu arbeiten, sondern mit Humor und Nachdenklichkeit. Darüber hinaus leitete sie gemeinsam mit den Initiatoren einen zweitägigen Workshop mit Kindern und Jugendlichen des JUZ sowie des Kinder- und Jugendparlaments (KiJuPa). Die Kinder sammelten Müll und gestalteten daraus kreative Objekte, die ebenfalls Teil der Ausstellung sind.

Michael Giatas, ebenfalls Künstler und Fotograf, ergänzte die Ausstellung mit einer bewusst ironischen Bildsprache. Sein Beitrag bestand darin, Müll ästhetisch wie ein hochwertiges Produkt zu inszenieren, um einen bewussten Widerspruch zu erzeugen und die Wahrnehmung der Betrachter zu hinterfragen.

Auch weitere Personen trugen zur Ausstellung bei: Dr. Roland Krebs vom Heimat- und Geschichtsverein gestaltet einen nachhaltigen Stadtspaziergang als Begleitprogramm. Kinder und Jugendliche des JUZ und des KiJuPa wirkten kreativ an den Exponaten mit. Bettina Justus, Mitglied von „einfachBücken“, unterstützte die Initiative durch ihr Engagement. Für die musikalische Begleitung der Eröffnung sorgte das Trio „Simple turn“.

Die Bedeutung der Ausstellung wurde besonders in den Reden der beiden Bürgermeister hervorgehoben. Bürgermeister Steffen Ball lobte die Herangehensweise: Die Ausstellung funktioniere „nicht mit dem erhobenen Zeigefinger, sondern tatsächlich mit Humor und letztendlich aber auch mit Glamour“. Gleichzeitig machte er deutlich, wie drängend das Thema sei: Müll sei „ein echtes großes Problem in den Städten“. Die Ausstellung leiste daher einen wichtigen Beitrag, um in einem künstlerischen Rahmen Aufmerksamkeit zu schaffen.

Auch Bürgermeister Manuel Friedrich aus Obertshausen unterstrich den Wert der Ausstellung. Sie eröffne neue Perspektiven und rege zum Austausch an: Eine solche Präsentation ermögliche „einen eigenen Blick“ und bringe Menschen ins Gespräch. Zugleich würdigte er das ehrenamtliche Engagement aller Beteiligten und betonte, wie wichtig Umweltbewusstsein für kommende Generationen sei.

So wird „Mensch, dein Müll“ zu einer Ausstellung, die Kunst, Engagement und gesellschaftliche Verantwortung miteinander verbindet – getragen von vielen Beteiligten, die auf unterschiedliche Weise zum Gelingen beigetragen haben. Die Ausstellung ist bis zum 29. März zu sehen und wird auch durch andere Veranstaltungen begleitet. So am Freitag, 27. März, mit dem Filmabend „Plastic Fantastic“ im Haus der Stadtgeschichte ab 19 Uhr und am Sonntag, 29. März, mit dem „Nachhaltigen Stadtspaziergang“ mit Dr. Roland Krebs ab 14 Uhr, Treffpunkt Haus der Stadtgeschichte.

(Text: ah)