
Verbandsligist freut sich mit über 2000 Zuschauern trotz der Halbfinal-Niederlage gegen Wehen Wiesbaden über eine denkwürdige Pokalsaison
Klare Niederlagen bleiben bei Fußballern ja für gewöhnlich in negativer Erinnerung. Bei den Spielern von Verbandsligist Germania Ober-Roden ist das im Falle des Hessenpokal-Halbfinales gegen den SV Wehen Wiesbaden aber anders. Trotz des 0:4 (0:2) gegen den Drittligisten überwiegt bei der Germania die Freude über das Erreichte und die tolle Kulisse.
„Unfassbar, das ist auf jeden Fall das größte Erlebnis in meiner bisherigen Fußballer-Laufbahn“, sagte Jonas Dapp kurz nach Abpfiff, noch sichtlich beeindruckt von der überragenden Stimmung. „Das hätte man sich in den kühnsten Träumen nicht ausmalen können, dass wir hier auf dem Sportplatz mal vor 2000 Zuschauern spielen. Ein riesiges Dankeschön an alle, die da waren. Das war eine tolle Reise“, meinte der Offensivspieler. Dapps rein sportliche Analyse der 90 Minuten gegen den drei Ligen höher spielenden Gegner war kurz vor dem großen Lob an die Zuschauer etwas nüchterner ausgefallen: „Die Enttäuschung über das Ergebnis ist schon groß. Ich denke aber, nach ein, zwei Tagen werden wir eher stolz darauf sein, dass wir es so weit geschafft haben.“
Dass die Germania ihre Hessenpokal-Reise nicht auch noch bis zum Finale am 23. Mai auf dem Bieberer Berg in Offenbach fortsetzen darf, lag unter anderem am frühen 0:1. Bereits nach sieben Minuten ging Hessenpokal-Titelverteidiger Wehen Wiesbaden in Führung – ausgerechnet durch ein Ober-Röder Eigentor. Maik Neuendorf war der Unglücksrabe. Jordy Steven Gillekens ließ nach einer halben Stunde im Anschluss an einen Eckball den zweiten Wehener Treffer folgen.
Dennoch sei in der Halbzeit in der Germania-Kabine die Hoffnung durchaus noch vorhanden gewesen, das Spiel im zweiten Abschnitt zu drehen, berichtete Trainer Fabian Bäcker. Schließlich konnte Bäcker auf die enormen Comeback-Qualitäten verweisen, die sein Team in dieser Hessenpokal-Saison gezeigt hatte. In allen vier vorangegangenen Spielen machte die Germania einen Rückstand wett, im Achtelfinale lag der Verbandsligist gegen Regionalligist Gießen zur Pause ebenfalls mit 0:2 hinten. Diesmal war das favorisierte Gästeteam aber zu stark.
„Wir hatten direkt nach der Pause zwei Situationen, wo wir es nicht gut zu Ende spielen. Da wäre potenziell etwas drin gewesen“, meinte Bäcker. Jonas Dapp, der mit seinen beiden Toren im Achtelfinale gegen Gießen einen maßgeblichen Anteil am Pokal-Märchen der Germania hatte, und sein Teamkollege Hakan Firat sahen es ähnlich: „Wir hatten Möglichkeiten, das 1:2 zu machen. Nach dem 0:3 war es dann vorbei. Wir haben alles gegeben, es hat leider nicht gereicht“, meinte Firat. Milad Nejad (67.) und Ryan Nils Johansson (86.) sorgten für den 4:0-Endstand für den SV Wehen Wiesbaden, der sich noch Hoffnungen auf den Zweitligaaufstieg macht und in dieser Saison in der ersten DFB-Pokal-Runde beim 2:3 gegen Bayern München nur knapp eine Sensation verpasst hatte.
Auch Hakan Firat war von der Kulisse beeindruckt: „Mega. Das hat nochmal das Spiel gegen Kassel getoppt.“ Zum Viertelfinale gegen die Nordhessen waren vier Wochen zuvor 1.200 Zuschauer auf das Germania-Gelände gekommen. Auch wenn die ersten Gegentore unglücklich gewesen seien und das Spiel verloren ging, habe die Partie gegen den Drittligisten großen Spaß gemacht, sagte auch Torhüter Tim Bärwalde, der mehrfach stark hielt.
„Klar hatten wir uns etwas ausgerechnet, aber schlussendlich hat Wehen verdient gewonnen“, sagte Fabian Bäcker in seinem Fazit. Dem Hessischen Fußball-Verband droht nun auf dem Bieberer Berg ein Endspiel mit einem überschaubaren Zuschauerinteresse. Was hauptsächlich daran liegt, dass die Offenbacher Kickers im zweiten Halbfinale gegen Ligakonkurrent Fulda-Lehnerz nach Elfmeterschießen ausschieden. „Ich denke, wir hätten zum Finale in Offenbach nicht weniger Zuschauer als Wehen Wiesbaden mitgebracht“, meinte Fabian Bäcker angesichts des großen Zuspruchs beim Hessenpokal-Festtag. „Dass wir die Hürden Hummetroth, Gießen und Hessen Kassel genommen haben, ist ja schon eine Sensation an sich. Wir sind sehr stolz.“
(Text: PS)
