Wandel und Konstanz auf der Thomashütte bei Eppertshausen

Die Biergarten-Saison auf dem Gutshof Thomashütte nahe Eppertshausen nimmt in den nächsten Wochen wieder Fahrt auf. Dort gibt es eine Karte mit hessischen Gerichten. Im Restaurant heißt es inzwischen: „Orient trifft Okzident“. (Foto: jedö)

Auf der Thomashütte herrscht in diesen Wochen eine Mischung aus Wandel und Konstanz: Zum Jahreswechsel hat sich einer der beiden Eigentümer des bekannten Gutshofs an der Kreisstraße zwischen Eppertshausen und Messel verabschiedet; sein Geschäftspartner ist dort weiterhin aktiv. Das Restaurant verfolgt inzwischen ein neues Konzept, während es im Biergarten noch traditionell zugeht. Keine Änderung zeichnet sich indes in Sachen Großveranstaltungen ab.


„Die hätten wir gerade nach der Corona-Zeit bitter nötig gehabt“, blickt Jens Kleiner zurück. Für ihn, der die 325 Jahre alte Location mit Gaststätte, Pavillon, Eventscheune und weiteren Anbauten samt einer drei Hektar großen Fläche Anfang 2020 zusammen mit Ilhan Erdogan vom vorherigen Eigentümer Peter Possmann erworben hatte, ist es das Abschiedsgespräch: Kleiner hat sich zum Jahreswechsel aus dem Projekt zurückgezogen. „Herr Erdogan führt die Thomashütte nun mit einem anderen Partner“, sagt er.

In sachlicher Manier, aber auch mit kritischen Tönen lässt der gelernte Architekt sein Thomashütten-Kapitel Revue passieren. Der Start sei praktisch direkt mit dem Ausbruch der Pandemie zusammengefallen. Schuld an diesem Umstand waren Erdogan und er nicht, trotzdem torpedierte die Krisensituation ihr Vorhaben wesentlich: „Wir wollten damals eigentlich ein Hotel kaufen, um dieses Geld in die Thomashütte zu investieren“, sagt Kleiner. Bei diesem Unterfangen habe Corona „einen Strich durch die Rechnung“ gemacht. Den massiven Investitionsstau auf dem Gutshof konnten sie dementsprechend nicht im geplanten Umfang auflösen.

Trotzdem glaubten beide an das Potenzial der Location. „Mit Veranstaltungen ist das ein gutes Konzept“, weiß Kleiner vor allem aus den vergangenen vier Jahren nach der Pandemie. So sei die Eventscheune des Gutshofs bei Hochzeitsgesellschaften gefragt. Doch schon hier gebe es infrastrukturelle Einschränkungen: „Die Scheune ist ungedämmt und im Winter zu kalt. Das funktioniert ab November nicht mehr.“ Der Biergarten-Betrieb sei naturgemäß stark vom Wetter abhängig. An Feiertagen mit Sonnenschein zieht die Thomashütte regelrechte Massen an Ausflüglern an. Eher die Regel sind im wechselhaften deutschen Sommer gleichwohl die schwächeren Tage.

Vor allem aber erinnert Jens Kleiner daran, dass die fehlende Genehmigung für Großveranstaltungen auf dem weitläufigen Thomashütten-Gelände auskömmliche Geschäfte deutlich erschwert habe. Noch einmal tritt das angespannte Verhältnis zwischen den Betreibern und dem ehemaligen Eppertshäuser Bürgermeister Carsten Helfmann zutage. Doch auch unter seinem Nachfolger Stephan Brockmann sind riesige Events, wie sie etwa der frühere Gutshof-Betreiber Alex Ramien mit Oldtimer-Treffen, Zirkusshows, Halloween-Spektakel und ganzen Schlagerfestivals durchgeführt hatte, passé. „An der Rechtslage hat sich nichts geändert“, sagt auch Brockmann selbst. Nach dem gültigen Regionalplan seien Großveranstaltungen im Außenbereich etwa aus Naturschutzgründen „generell eine kritische Geschichte“.

Zumindest den Biergarten können die Besucher der Thomashütte bei hessischen Gerichten unter freiem Himmel genießen. Die Saison ist eröffnet, auch draußen wird bedient – und bei großem Andrang zusätzlich ein Selbstbedienungsbereich geöffnet. Drinnen heißt das Motto des neuen Restaurants „Lê Mardin“ nun „Orient trifft Okzident“ und setzt dabei auf Grillspezialitäten, Steak-Döner, Dürüm und Pide, aber auch auf Fisch und Salate.

(Text: jedö)