Trauer und Fassungslosigkeit in Münster: Stimmen zum Tod von Joachim Schledt

War seit 2020 mit sichtlicher Freude Bürgermeister: der am Donnerstag verstorbene Joachim Schledt. Sein Tod hat in Münster Trauer und Fassungslosigkeit ausgelöst. (Foto: jedö)

Die Nachricht vom Tod des Münsterer Bürgermeisters Joachim Schledt hat in der Gemeinde und darüber hinaus für Trauer und Fassungslosigkeit gesorgt. Der parteilose Verwaltungschef, den die Bürger erst Mitte März für eine zweite Amtszeit gewählt hatten, starb am Donnerstag (9.) völlig unerwartet im Alter von nur 57 Jahren. Der gebürtige Dieburger, der in Münster aufwuchs, zuletzt im Darmstädter Stadtteil Eberstadt wohnte und die Führungsposition im Rathaus seit 2020 innehatte, hinterlässt seine Ehefrau, seine zwei Söhne und seine Mutter. In ersten Stellungnahmen reagieren Wegbegleiter bestürzt.


“Exzellenter Analytiker mit Weitsicht”

Sein Dieburger Amtskollege Frank Haus, ebenfalls Bürgermeister ohne Parteizugehörigkeit, schwärmt von der Zusammenarbeit in den höchsten Tönen: „Mit Joachim Schledt hatte ich ein kollegial-freundschaftliches Verhältnis, das von Respekt und Wertschätzung geprägt war.“ Haus hatte Schledt am 15. März auch auf der Münsterer Wahlveranstaltung besucht und dort zu den ersten Gratulanten gezählt, als die Wiederwahl in trockenen Tüchern war. Haus nennt Schledt einen „exzellenten Analytiker mit Weitsicht, der sich mit aller Kraft für seine Gemeinde Münster engagiert hat“. Bei all dem habe für ihn aber „immer der Mensch im Mittelpunkt“ gestanden. „Ich werde seinen Rat, seine Professionalität und nicht zuletzt seinen bisweilen beißenden Humor sehr vermissen.“

„Tief betroffen“ ist auch der Eppertshäuser Bürgermeister Stephan Brockmann (CDU): „Bei meiner ersten Teilnahme in der Runde der Bürgermeister ist er gleich auf mich zugekommen, hat mich sehr herzlich begrüßt und mir den Platz an seiner Seite angeboten“, blickt er auf seinen Amtsbeginn im vergangenen Jahr zurück. „Von da an saßen wir beide bei solchen Anlässen oft nebeneinander. Dabei haben wir neben der Aussprache über aktuelle Themen immer auch Zeit für Scherze gehabt.“ Besonders in Erinnerung bleibe Brockmann der Moment, als Schledt und er bei der Wiedereröffnung des Münsterer DM-Marktes mit vielen Bürgern und dem Chor Da Capo spontan das Lied „An Tagen wie diesen“ gesungen hätten. „Er freute sich sehr über meine Mitwirkung und schickte mir zur Erinnerung ein Foto. Dieses Bild prägt nun meine Erinnerung an ihn.“

“Joachim war ein feiner Kerl, von dem man insbesondere noch so manche Werte lernen konnte”

Der Groß-Zimmerner Landesminister Manfred Pentz (CDU) wird „Achim“ (wie Joachim Schledt von Freunden meist gerufen wurde) „ob seiner fröhlichen Art immer in guter Erinnerung haben“. Pentz zeigt sich „schockiert, er hinterlässt eine große Lücke“. Für die Münsterer CDU sagt Thorsten Schrod: „Wir sind unendlich traurig und fassungslos. Die Kommunalpolitik und die dazugehörigen Meinungsverschiedenheiten treten urplötzlich zu Recht in den Hintergrund. Es zählt der Mensch. Joachim war ein feiner Kerl, von dem man insbesondere noch so manche Werte lernen konnte. Er war stets höchst vertraulich, verlässlich und respektvoll.“

Der ehemalige Vorsitzende der Gemeindevertretung Marcus Milligan, der für die CDU zunächst gegen Schledt kandidierte, ehe seine Partei ihn aus der Bürgermeister-Wahl zurückzog, nennt das Ereignis „tragisch. Ein Sohn, Ehemann und Vater ist aus dem Leben gerissen worden.“ Für die Münsterer SPD wählt Nina Zeitz das Wort „fassungslos“ und äußert „tiefe Trauer“. Schledt sei eine „unabhängige politische Größe“ gewesen und „jedem Menschen immer auf Augenhöhe und mit echter Empathie begegnet“. Der FDP-Ortsverband nennt den Verstorbenen „planvoll, humorvoll, fair, klar in der Sache und meist mit einem Schalk im Nacken“.

“Ein Bürgermeister, der stets das Gespräch suchte”

Claudia Weber (ALMA-Die Grünen) bezeichnet Schledt als einen „Bürgermeister, der stets das Gespräch suchte, Brücken baute und den Zusammenhalt in unserer Gemeinde nachhaltig geprägt hat. Gerade nach seiner Wiederwahl hätte eine Zeit beginnen können, in der vieles sichtbar wird, was er angestoßen und aufgebaut hat.“ Marco Stix (Wählergemeinschaft klar!) nennt Schledt einen „Bürgermeister der Herzen. Sein plötzlicher Tod hinterlässt eine große Lücke.“

Im Internet äußern ebenfalls Dutzende Bürger ihr Bestürzen und drücken Schledts Angehörigen ihr Beileid aus. In der Vereinslandschaft versetzt der Tod des leidenschaftlichen Fastnachters insbesondere der DJK Blau-Weiß Münster einen tiefen Stich: Dort wirkte Joachim Schledt von Kindesbeinen an der Narretei mit, war Büttenredner und leitete die DJK-Sitzungen zeitweise als Elferrats-Präsident. Auch Mitglied der Münsterer Stimmungsband „Die Siebenschläfer“, die 2025 ihren Abschied gab, war der Verstorbene. Die Gruppe veröffentlichte ein Foto von Joachim Schledt mit pinkem Bühnenoutfit, Sonnenbrille und Mikrofon: „Wir können es noch gar nicht glauben.“

(Text: jedö)

Münster nimmt Abschied: Platz für Trauer vor dem Rathaus

Viele haben bereits über die Kommentarfunktion online ihr Beileid und ihre Erschütterung zum Tod von Bürgermeister Joachim Schledt ausgedrückt.

Um den plötzlich verstorbenen Bürgermeister Joachim Schledt zu verabschieden, können Blumen vor dem Rathaus auf einer eigens dafür eingerichteten Fläche abgelegt werden. (Foto: GM/ Lena Brunn)

Um ihn zu würdigen und allen Menschen, die sich verabschieden möchten, einen Ort für deren Anteilnahme einzuräumen, wird ab sofort ein Platz vor dem Rathaus eingerichtet: Unterhalb des Fensters, von welchem der ehemalige Bürgermeister den Rathausplatz überblickte, vor seinem ehemaligen Arbeitplatz als Kulisse, soll eine Gedenkfläche entstehen, wo Blumen-Abschiedsgrüße von Trauernden abgelegt werden können.

Für alle, die sich in das Kondolenzbuch eintragen möchten, liegt dieses ab kommenden Montag im Rathausfoyer zu den Öffnungszeiten bis 30. April aus.

(Text: PM Gemeinde Münster/Hessen)