Baumscheiben bepflanzen: Je wilder desto besser

(Foto: BUND)

Straßenbäume kühlen die Stadt und bieten Lebensraum für Vögel, Fledermäuse und Insekten. Doch Streusalz, Bauarbeiten, missglückte Einparkversuche, Urin von Hunden und Menschen, Hitze und auch Stürme machen Straßenbäumen zu schaffen – meist erreichen Stadtbäume daher nur etwa ein Drittel des Alters ihrer frei stehenden Artgenossen. Christian Hönig, Abteilungsleiter Biodiversität beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), erklärt, wie man den Stadtbäumen mit einer bepflanzten Baumscheibe etwas Gutes tun kann.


So finden Sie eine geeignete Baumscheibe

„Nicht jede Baumscheibe eignet sich zum Bepflanzen. Denn jede Baumart bildet eine andere Wurzelplatte aus und manche Bäume mögen es nicht, dass die Erde in Wurzelnähe bearbeitet wird. Fragen Sie deshalb beim Grünflächenamt beziehungsweise Gemeindeamt Ihres Ortes nach. Diese Ämter können Ihnen sagen, welche Bäume für eine Begrünung geeignet sind. Wichtig ist den Ämtern außerdem, dass Sie das Projekt längerfristig im Auge haben und das Wässern nicht zu kurz kommt“, erklärt Christian Hönig.

In einigen Städten laden Grünflächenämter die Bürger*innen dazu ein, durch Engagement die Stadt mit mehr Grün zu verschönern, wenn sie einige grundsätzliche Regeln beachten. Beispiel Berlin: Ob Sie einfach loslegen können, hängt hier vom Bezirk ab. Generell gilt, dass die Baumscheibe nicht zu klein sein sollte und die Wurzeln des Baumes nicht zu sehen sein sollten. Jungbäume, die mit Holzpfählen gestützt werden, sind noch nicht so weit – ihre Wurzeln sind noch zu fein und empfindlich.

Deshalb hilft eine Bepflanzung dem Straßenbaum

„Eine bepflanzte Baumscheibe ist wie eine Kur für den Baum: Er atmet auf – im wahrsten Sinne des Wortes – die Wurzeln der Begleitpflanzung verbessern die Durchlüftung des Bodens. Die Pflanzen beschatten die Erde und schützen sie vor Austrocknung. Die Erde ist auch lockerer, nimmt Wasser besser auf und ist damit zugänglicher für Nährstoffe“, so Hönig. Weitere Vorteile: Stressfaktoren für den Straßenbaum fallen weg – Fahrräder werden woanders abgestellt und im Idealfall werden auch Hunde an der Blütenpracht vorbeigeführt.

Schritt für Schritt: So bepflanzen und pflegen Sie eine Baumscheibe

1. Erde vorbereiten: Erde vorsichtig eine Handbreit (zehn Zentimeter) tief lockern und dabei keine Wurzeln verletzen. Halten Sie 30 Zentimeter Abstand zum Stamm ein, so bleiben Baumwurzeln frei. Wichtig: Das Beet muss tiefer als der Fußweg sein, damit der Baum genügend Regenwasser abbekommt. Von der Straße sollte das Baumbeet mindestens 50 Zentimeter entfernt sein; Zäune sind meist nicht erwünscht, weil sie Stolperfallen sein können. Bei stark nährstoffarmen Böden hilft eine dünne Schicht frischer Kompost. Zu viel Erde schadet eher und kann zu Fäulnis führen. Achten Sie dabei auf torffreie Erde – für Torf werden wertvolle, klimaschützende Moore abgebaggert.

2. Richtige Pflanzen wählen: Insektenfreundliche Frühjahrsblüher, Sommerblumen, Kräuter und flachwurzelnde Stauden passen je nach sonnigem oder schattigem Standort in das Baumbeet (max. Höhe 50 cm, damit die Sicht von Kindern und allen anderen Verkehrsteilnehmer*innen nicht beeinträchtigt wird). Dazu gehören bei den Frühjahrsblühern: Lungenkraut, Buschwindröschen, Krokusse, Schneeglöckchen, Märzenbecher, Tulpen und Narzissen. Bei Sommerblumen, Kräutern und Stauden können Sie zwischen diesen Sorten wählen: Margerite, Wilder Majoran, Wiesenstorchschnabel, Ringelblume, Färber-Kamille, Schafgarbe und viele mehr. Greifen Sie bei Wildblumenmischungen auf regionales Saatgut zurück.

3. Gemeinschaftsprojekt starten: Sprechen Sie sich mit Ihren Nachbar*innen ab, wer wann gießt! Gerade in Trockenperioden und in der Urlaubszeit kann es zu Engpässen kommen. Bei Hitze brauchen ausgewachsene Bäume einmal pro Woche etwa acht bis zehn Eimer Wasser (etwa 100 Liter). Wenn Sie die Erde erst etwas anfeuchten, nimmt sie das Wasser besser auf. Gießwasser können Sie auch durch angehäufte Ringe aus Erde um den Baum länger halten.

(Text: Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) e.V.)