
Drei Modellquartiere mit städtebaulichen Unterschieden ausgewählt
Die Stadt Frankfurt entwickelt eine Fußverkehrsstrategie, damit alle Menschen in der „Stadt der kurzen Wege“ sicher und bequem zu Fuß unterwegs sein können. Nachdem in der ersten Phase die Ist-Situation in Frankfurt analysiert und Grundlagen für die Strategie erarbeitet wurden, startet das Mobilitätsdezernat mit dem Straßenverkehrsamt und dem Amt für Straßenbau und Erschließung nun die zweite Phase, in der die Fußverkehrsstrategie mithilfe von drei Stadtteilkonzepten konkretisiert werden soll. Dazu wurden drei Modellquartiere ausgewählt, für die individuelle Fußverkehrskonzepte entwickelt werden: Bonames, Niederrad Nord und Rödelheim Ost. Die Wahl fiel auf diese drei Stadtviertel, um die unterschiedlichen städtebaulichen, verkehrlichen und sozioökonomischen Bedingungen in Frankfurt abzubilden und daraus exemplarische Lösungen zu entwickeln, die sich auch auf andere Stadtviertel übertragen lassen.
„Eine funktionsfähige Fußverkehrsstrategie braucht nicht nur individuelle Lösungen für alle Altersgruppen und Fitnesslevel, sondern muss auch den individuellen Bedingungen in den Stadtvierteln gerecht werden“, sagt Mobilitätsdezernent Wolfgang Siefert. „Gerade in den Vierteln außerhalb der Innenstadt ist in Bezug auf die Qualität des Fußverkehrsinfrastruktur noch Luft nach oben. Deshalb beginnen wir mit lokalen Fußverkehrskonzepten für Rödelheim, Bonames und Niederrad – beliebte Wohnviertel mit regem Handel und lebendiger Gastronomie.“
Kriterien für die Auswahl der Modellquartiere
Ziel ist es, sich im Strategieprozess Schritt für Schritt umsetzbaren Lösungen zu nähern. „Wir haben für die ersten drei Modellquartiere drei für Frankfurt typische, aber möglichst unterschiedliche Ausgangssituationen ausgewählt, um ein breites Spektrum exemplarischer Herausforderungen im Frankfurter Fußverkehr zu erfassen“, sagt Siefert. „Für eine heterogene Stadt wie Frankfurt, deren Stadtviertel ganz unterschiedliche Charaktere aufweisen, ist die Entwicklung dieser quartiersspezifischen Fußverkehrskonzepte wesentlich.“
Bonames steht für einen Stadtteil mit kleinräumigem dörflichem Stadtkern und überwiegender Wohnnutzung. Hier leben viele Familien und Seniorinnen und Senioren. In dem Viertel zeigen sich typische Herausforderungen wie lückenhafte Gehweginfrastruktur und enge Straßenquerschnitte.
Niederrad Nord repräsentiert ein gemischt genutztes Quartier mit heterogenen architektonischen Strukturen – von großzügigen Gründerzeitvillen bis zu den kleinräumigen Blockstrukturen der Vorkriegsmoderne – und entsprechend unterschiedlicher Nutzungen. Zentrale Themen sind die Qualität öffentlicher Räume, die Anforderungen der lokalen Wirtschaft sowie die bessere Verknüpfung von Verkehr, Wohnen und Freiflächen. So ist beispielsweise die Anbindung des Viertels an den Main oder an den Rennbahnpark, die gegenwärtig durch verkehrliche Schneisen wie breite Straßen und Straßenbahntrassen getrennt sind, deutlich verbesserungsfähig.
Rödelheim Ost bildet einen dichten, urbanen Raum mit vielfältigen Nutzungen ab. Im Zentrum des Stadtteils steht eine belebte Geschäftsstraße, in der regelmäßig Nutzungskonflikte zwischen Anwohnenden, Handel und Gastronomie sowie deren Kund:innen entstehen. Auch hier erschweren infrastrukturelle Barrieren, etwa durch Bahntrassen, die Situation für den Fußverkehr.
Diese Unterschiede sind entscheidend: Sie ermöglichen es der Stadt Frankfurt am Main, Lösungen für verschiedene Stadttypen zu entwickeln – von ruhigen Wohngebieten über eher dörfliche geprägte Quartiere bis hin zu Unterzentren, in denen alle Lebensbereiche wie Arbeiten, Wohnen, Einkaufen und Behördengänge auf kleinem Raum stattfinden, bis hin zu komplexen innerstädtischen Lagen. Außerdem sind Themen wie Querungsmöglichkeiten sowie Barrierefreiheit zentrale Aspekte, die in den drei Quartieren verbessert werden sollen.
Die Auswahl beruht auf fachlichen Kriterien und einer datenbasierten Analyse, welche die Stadt Frankfurt im Zuge der ersten Phase der Fußverkehrsstrategie erstellt hat. Berücksichtigt wurden darin unter anderem städtebauliche Eigenheiten und Defizite, Nutzungskonflikte, bauliche Strukturen, soziale Faktoren sowie laufende städtebauliche und verkehrliche Projektplanungen im Stadtgebiet. Zudem sollten Stadtviertel betrachtet werden, die in den letzten Jahren seltener im Zentrum der städtischen Planungen standen.
Was beinhaltet die zweite Phase der Fußverkehrsstrategie?
In dieser Phase, die bis Ende 2026 geplant ist, führt das Mobilitätsdezernat mit dem Straßenverkehrsamt und dem Amt für Straßenbau und Erschließung gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürger sowie lokalen Akteurinnen und Akteuren Stadtteilspaziergänge in den drei Quartieren durch, um gemeinsam konkrete Verbesserungsmaßnahmen zu entwickeln.
Das städtische Team Fußverkehr wird lokale Stakeholder – Ortsbeiräte, Vertreterinnen und Vertreter von Interessensverbänden und Quartiersmanagementgruppen, Kinderbeauftragte und dergleichen – in den nächsten Wochen zum Dialog einladen. Nach diesem grundlegenden Austausch schließen sich von Juni bis August 2026 für jedes Quartier drei Stadtteilspaziergänge mit unterschiedlichen Nutzergruppen wie mobilitätseingeschränkten Menschen, Senior:innen, Kindern und Jugendlichen an.
Auf Basis der lokalen Bestandsanalysen und der Erfahrungen aus den Stadtteilspaziergängen wird das Team Fußverkehr mit Unterstützung der beiden beauftragten Ingenieurbüros PB Consult und ifok quartiersspezifische Maßnahmen erarbeiten und den lokalen Stakeholdern vorstellen. Im Fokus steht die Verbesserung der Situation des Fußverkehrs hinsichtlich Sicherheit, Komfort, Barrierefreiheit und Aufenthaltsqualität. Aus diesen Maßnahmen werden dann strukturierte Quartierskonzepte erarbeitet, die Aufschluss darüber geben, welche Maßnahmen umsetzbar sind, welche Finanzmittel dafür benötigt werden und welche Zeitvorläufe zu erwarten sind.
Ausblick
Die drei Modellquartiere dienen als Erprobungsräume. Die Erkenntnisse daraus bilden die Grundlage für Fußverkehrsmaßnahmen in weiteren Stadtteilen. Die drei ersten Quartierskonzepte werden voraussichtlich Ende 2026 abgeschlossen sein und anschließend der Öffentlichkeit vorgestellt. Eine bauliche Umsetzung kann erst nach weiteren Schritten erfolgen, etwa der Bereitstellung finanzieller Mittel sowie vertiefenden Planungs- und Genehmigungsverfahren. Die Realisierung ist schrittweise über einen längeren Zeitraum geplant. Parallel dazu werden die Ergebnisse der ersten Projektphase derzeit in einem Sachstandsbericht aufbereitet und im Spätsommer 2026 veröffentlicht.
(Text: PM Stadt Frankfurt)
