
Wo Hollywood-Stars singen und Hawaii-Toasts fliegen
Begegnungen, die niemand vergisst, merkwürdige Künstlerwünsche oder improvisierte Backstage-Lösungen – seit fast 60 Jahren sammeln sich in der Stadthalle Offenbach Geschichten, die nie auf der Bühne stehen. Zum runden Geburtstag am 21. Mai 2026 gibt das Team persönliche Einblicke in seinen Arbeitsalltag und erzählt von Momenten, die den Mythos des Hauses mitgeprägt haben.
An ein Mega-Ereignis erinnern sich alle Mitarbeitenden genau: Hollywood-Superstar Johnny Depp trat im Juli 2022 gemeinsam mit Musiklegende Jeff Beck auf. An der Gitarre war der (im Januar 2023 verstorbene) Grammy-Preisträger Beck klar im Vorteil – das Publikum aber jubelte vor allem dem Schauspieler im rockigen Look zu, der auch viel Presse und TV anlockte. „So einen Medienrummel gibt es bei uns selten“, sagt Eventmanagerin Sabrina Grau.
Johnny Depp begeisterte Fans und Team
Anders als zuvor vom Tour-Management angekündigt, zeigte sich Johnny Depp überraschend nahbar: Er ging direkt zu den wartenden Fans, gab Autogramme und stand bereit für Selfies. „Diese Chance hat auch unser Kollege Enzo genutzt“, erinnert sich Sabrina. „Das ist bei uns im Team absolut unüblich und auch nicht gerne gesehen – aber danach habe ich mich geärgert, dass ich nicht auch ein Foto mit Johnny Depp gemacht habe.“ Ihre Kollegin, die kaufmännische Veranstaltungsleiterin und Prokuristin Silke Simon, schnappte sich kurzerhand das Gästebuch und ließ den Besuch aus Hollywood darin unterschreiben. „Prominente Schauspieler in dieser Größenordnung kommen selten zu uns. Das wollte ich einfach festhalten.“
Etwas ganz Besonderes war auch der kurzfristig anberaumte Auftritt der Ärzte: „Die Tour wurde erst zwei Wochen vorher angekündigt, der Termin bei uns am 1. September 2023 war sofort ausverkauft, und die Band spielte gut drei Stunden lang ohne Pause“, erzählt Silke. Die Punkrocker ließen die La Ola-Welle über rund 4.000 Leute schwappen, sie redeten und lachten mit ihren Fans, genossen die vergleichsweise intime Location. Oft genug haben die Ärzte eher eine anonyme Wand von Zehntausenden vor sich – etwa auf ihrer für 2027 angekündigten „Gänsehaut“-Tour, die jetzt schon weitgehend ausverkauft ist. Umso mehr freute sich Silke über den Abstecher in Offenbach: „Bei aller Begeisterung lassen wir unseren Gästen aber ihre Privatsphäre.“
Die Familie von Sabrina Grau steht vor allem auf Hard Rock und Heavy Metal: Daher durfte ihre Tochter Mila 2022 schon mit fünf Jahren (und Ohrenschutz) mit aufs Konzert der Electric Callboys. „Die Band war total nett und hätte auch ein Foto mit uns gemacht, aber dafür war die Kleine noch zu unsicher“, berichtet Sabrina. „Schön war auch zu sehen, wie dankbar die Gruppe für ihren Sold Out Award war.“
Techniker kümmern sich um spezielle Anliegen
Mit speziellen Herausforderungen haben es die Techniker zu tun. Ob Licht oder Ton, Bühnenhöhe oder Merchandise-Stände: „Die Produktion teilt uns mit, was und wie sie es gerne hätten, und wir versuchen das möglichst genau umzusetzen,“ erläutert der technische Leiter der Stadthalle, Philip Gartmann. Welche Verlängerungen brauchen die Stromquellen? Was hängt an welchen Lastenpunkten? Passt der Riesen-Wolfskopf von Kontra K (2019) auf die Bühne? Wie bringen wir einen Ananas-Toast zum Fliegen?
„Manche Anliegen sind schon sehr ungewöhnlich“, sagt Gartmann – doch nach 20 Jahren Berufserfahrung in der Stadthalle kann ihn wenig überraschen. Gleich zu Anfang hatte er es mit Schockrockern zu tun: 2007 verlangte Marilyn Manson in Offenbach schwarz verkleidete Wände und bereit gestellte Sauerstoffflaschen. Ein Jahr später ging es bei der maskierten Metalband Slipknot darum, ein drei Tonnen schweres Schlagzeuger-Podest in die Halle zu wuchten: „Darauf schnallte sich der Drummer in einen Sportsitz. Das hydraulisch fahrbare Teil kippte sich zu 90 Grad in Richtung Publikum und drehte sich dabei, während die Sticks im Solo nur so wirbelten“, erinnert sich der Meister der Veranstaltungstechnik.
Der Entertainer Alexander Marcus ließ 2024 zu seinem „Hawaii Toast Song“ genau diesen Snack als Flugobjekt durch die Halle schweben. „Das war eine Art Zeppelin mit Antriebspropeller“, erklärt Gartmann. „Da galt es, zu entscheiden, ob das fürs Publikum sicher ist oder nicht. Tatsächlich konnten wir den Toast so fliegen lassen. Eine Drohne hätten wir nicht genehmigt, da sie abstürzen kann.“
Basketballkörbe zum Warmspielen
Sein Technik-Kollege Luca Jochen hat ebenfalls schon Seltsames erlebt – etwa die Spaßvögel vom Rap-Duo 257 („Ich und mein Holz“) vor ihrem Auftritt 2018: „Während die Crew alles fürs Konzert aufbaute, schlidderten die Jungs für einen Youtube-Clip mit Neoprenanzügen und Gummimatten durch den Saal.“ Auch andere Stars haben ihre eigene Definition vom Warmspielen: Sie bringen beispielsweise Tischtennisplatte und Basketballkörbe mit in die Stadthalle, während helfende Hände im Hintergrund schuften.
Der plötzliche Stillstand durch die Corona-Pandemie ab Februar 2020 führte in der Stadthalle zu einer völligen Planänderung: In der Multifunktionshalle wurde ein Impfzentrum eingerichtet und von Februar bis September 2021 betrieben. Die 2- bis 3 G-Auflagen danach stellten nicht nur das gesamte Team vor große Herausforderungen. „Die ganze Anspannung löste sich im April 2022 beim ausverkauften Cro-Konzert: Alle haben erstmals wieder ausgelassen und befreit miteinander gefeiert, das war besonders schön“, erinnert sich Silke Simon.
Der Rapper ist ein gutes Beispiel dafür, wie sich der Erfolg von Musikerinnen und Musikern über die Jahre auch in Offenbach verfolgen lässt. So trat Cro im Januar 2012 noch im Vorprogramm der damaligen ESC-Gewinner Jedward im Offenbacher Capitol, dem deutlich kleineren Schwesternhaus der Stadthalle unter dem Dach der Stadtwerke Offenbach, auf. Johannes Oerdings Auftritt an der Waldstraße war 2015 nur mäßig gebucht – später erreichten zwei seiner Alben die Nummer eins in Deutschland, und als Gastgeber der VOX-Erfolgssendung „Sing meinen Song“ wurde Oerding seit 2021 noch populärer. In der aktuellen Staffel des Tauschkonzerts wirkt erstmals „Deine Cousine“ mit. Diesen Flow nutzt die Rocksängerin, um am 17. Oktober 2026 ihre Live-Qualitäten in der Stadthalle Offenbach zu beweisen. Sabrina ist nach den bisherigen Erfahrungen gespannt: „Mal schauen, wie sich ihre Karriere noch entwickelt.“
Alle künftigen Veranstaltungen finden sich unter www.stadthalle-offenbach.de.
(Text: PM Stadthalle Offenbach)
