Leise Gefahr Bluthochdruck: Mit Blutdruck-Check vor Risiken schützen

Bluthochdruck ist keineswegs eine Bagatelle, sondern weltweit der häufigste und relevanteste Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. (Grafik: Deutsche Herzstiftung e.V.)

Herzschwäche, Vorhofflimmern, Schlaganfall: Ursache ist häufig ein über Jahre unbemerkter Bluthochdruck. Wer früh seinen Blutdruck misst und handelt, kann Herz und Hirn vor Komplikationen schützen

Über 20 Millionen Menschen haben in Deutschland einen hohen Blutdruck, das ist etwa jeder dritte Erwachsene. Und die Dunkelziffer ist hoch: Jeder Fünfte weiß nichts von seiner Erkrankung. Und zehn Prozent derer, die von ihrem hohen Blutdruck wissen, lassen ihn nicht behandeln. Dabei ist Bluthochdruck keineswegs eine Bagatelle, sondern weltweit der häufigste und relevanteste Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen (J Am Coll Cardiol. 2025 Dec 2;86(22):2167-2243. doi: 10.1016/j.jacc.2025.08.015. Epub 2025 Sep 24.). Ein dauerhaft unzureichend oder nicht behandelter Bluthochdruck kann zu Herzerkrankungen wie Herzschwäche (Herzinsuffizienz) und Vorhofflimmern oder zu schweren Komplikationen wie Schlaganfall (Hirnblutung/Hirninfarkt), Herzinfarkt oder Nierenversagen führen. „Hinzu kommt: Der hohe Blutdruck macht sich nicht unbedingt mit Beschwerden bemerkbar, obwohl Organe möglicherweise bereits geschädigt sind. Das macht ihn so tückisch“, warnt der Kardiologe Prof. Dr. Thomas Voigtländer, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung. Bei Personen mit dauerhaft erhöhtem Blutdruck kann sich der Körper sogar an den hohen Druck gewöhnen: „Man kann sich trotzdem gut fühlen und im Alltag mithalten“, erklärt Prof. Voigtländer. „Wenn sich Beschwerden wie Schwindel, Ohrensausen oder Kopfschmerzen bemerkbar machen, ist es leider meistens zu spät, weil Gefäße und Organe schon geschädigt sind.“


Um möglichst alle Menschen zu motivieren, ihren Blutdruck regelmäßig zu messen und frühzeitig Bluthochdruck zu erkennen, rufen die Deutsche Herzstiftung, der Bundesverband der Niedergelassenen Kardiologen (BNK) und die ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände zum Welthypertonietag am heutigen Sonntag, 17. Mai, zum Blutdruckmessen auf. Unter dem Motto „Lass‘ Dich checken!“ steht unter https://herzstiftung.de/welthypertonietag ein kostenfreies Infopaket rund um den Bluthochdruck zur Verfügung. Das Paket hilft Interessierten wie Betroffenen, selbst aktiv zu werden, ihren Blutdruck richtig zu messen und sich so optimal vor den Folgen der Volkskrankheit zu schützen.

Beste Vorsorge: Blutdruckmessen und richtig handeln

„Wer frühzeitig seine Herz-Risiken wie erhöhte Blutdruckwerte kennt, kann noch gut durch Lebensstilmaßnahmen und gegebenenfalls eine medikamentöse Therapie der gefäßschädigenden Wirkung des Bluthochdrucks gegensteuern“, bestätigt der Kardiologe Dr. Norbert Smetak, Bundesvorsitzender des BNK mit eigener kardiologischer Arztpraxis in Kirchheim Teck. „Das gilt genauso für weitere kardiovaskuläre Risikofaktoren wie erhöhte LDL-Cholesterin- und Blutzuckerwerte“, unterstreicht der BNK-Vorsitzende. Erhöhtes LDL-Cholesterin und Diabetes mellitus sind wie Bluthochdruck als leise Gefäßkiller besonders gefährlich und ebenso Hauptrisikofaktoren für Herzinfarkt und Schlaganfall. Dass es für Präventionsmaßnahmen nie zu spät ist, hat eine internationale Studie (World Health Organization (WHO), WHO Global report on hypertension 2025: high stakes: turning evidence into action) jüngst zeigen können: Wer im Alter von 50 Jahren einen normalen Blutdruck, normale Cholesterinwerte und ein gesundes Körpergewicht hat, nicht raucht und nicht an Diabetes erkrankt ist, bleibt im Vergleich zu Personen mit allen fünf Risikofaktoren länger von Herzkrankheiten verschont und lebt insgesamt länger. „Auch im mittleren Alter lohnt es sich noch immer, seine Risikofaktoren anzugehen und zu behandeln: medikamentös und – ebenso wichtig – mit Lebensstilmaßnahmen. Damit lassen sich mehr Lebensqualität und ein Plus an Lebensjahren gewinnen“, so der BNK-Vorsitzende Smetak.

Trotz Behandlung keine guten Werte – was tun?

Je nach Höhe des Blutdrucks, kann zunächst versucht werden, nur durch Änderungen des Lebensstils – Verzicht aufs Rauchen, mehr Bewegung und gegebenenfalls Gewichtsreduktion – die Werte ausreichend zu senken. Vor allem bei Patienten mit erhöhten Werten im Bereich von 120-139/70-89 mmHg ist zunächst eine Änderung des Lebensstils als alleinige Maßnahme angezeigt. Doch häufig ist es nicht möglich, durch eine gesunde Lebensweise auf die Einnahme von Blutdrucksenkern zu verzichten. Dann komme es beim Bluthochdruck – wie auch bei anderen Herz-Risikofaktoren –, so Kardiologe Smetak, auf eine konsequente Therapie an.

Und trotzdem erreicht jeder zweite Hochdruckpatient trotz Behandlung keine guten Blutdruckwerte (World Health Organization (WHO), WHO Global report on hypertension 2025: high stakes: turning evidence into action). Wie kann das sein? „Wer die Diagnose Bluthochdruck hat, sollte zunächst einmal seine Medikamente auch regelmäßig einnehmen und parallel dazu sein Risikoprofil mit Hilfe von Lebensstiländerungen anpassen. Kommt es zum Beispiel zu unerwünschten Wirkungen der Medikamente, dann sollten Patienten keinesfalls den Blutdrucksenker eigenhändig absetzen, sondern diese mit dem Hausarzt besprechen“, rät der Kardiologe. Die Arzt-Patienten-Kommunikation bei Therapieproblemen sei für den Erfolg der Behandlung besonders wichtig. Ursache von Nebenwirkungen können zum Beispiel Wechselwirkungen mit anderen Arzneien sein. Fehler bei der Medikamenteneinnahme wie die falsche Dosis oder andere lebensstilbedingte Faktoren wie eine zu hohe Salzzufuhr könnten wiederum manchmal erklären, warum der Blutdruck weiterhin zu hoch sei. Infos: https://herzstiftung.de/blutdrucksenker.

Blutdruck messen und Herz-Risiko senken

ABDA-Präsident Thomas Preis betont, dass Apotheken „einen wichtigen Beitrag leisten, Patientinnen und Patienten mit erhöhten Blutdruckwerten zu identifizieren und ihnen eine zeitnahe ärztliche Untersuchung anzuraten“. Seiner Ansicht nach sind Apotheken auch eine ideale Brücke hin zum behandelnden Arzt, wenn Betroffene zwar in Behandlung wegen ihres Bluthochdrucks sind, aber nicht merken, dass ihre Werte nicht gut eingestellt sind. Die Überprüfung der Blutdruckeinstellung können Apotheken im Rahmen der pharmazeutischen Dienstleistung ,Standardisierte Risikoerfassung hoher Blutdruck‘ einmal pro Jahr bei Hochdruckpatientinnen und -patienten mit einer Beratung in Abhängigkeit der gemessenen Blutdruckwerte anbieten. Die altersabhängigen Empfehlungen zur Bewertung der gemessenen Blutdruckwerte in der Apotheke wurden gemeinsam von der ABDA, der Bundesapothekerkammer und der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung (DGK) entwickelt. Infos unter https://www.abda.de/pharmazeutische-dienstleistungen/bluthochdruck/.

„Bei erhöhten Blutdruckwerten kommt es entscheidend auf eine gute Verzahnung an: Die Apotheke identifiziert auffällige Werte und stößt die weitere ärztliche Abklärung beim Hausarzt oder gegebenenfalls Kardiologen an“, betont der Herzstiftungs-Vorsitzende Prof. Voigtländer.

Blutdruck messen: Wann, wie häufig?

Nach den Leitlinien der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) aus dem Jahr 2024 wird dazu geraten, dass Erwachsene unter 40 Jahren alle drei Jahre ihren Blutdruck checken lassen sollten. Ab 40 Jahren – vor allem bei Vorliegen von Risikofaktoren für Bluthochdruck oder Herzerkrankungen – sollte der Blutdruck einmal pro Jahr überprüft werden. Sollten bei einer Messung bereits leicht erhöhte Werte (120-139/70-89 mmHg) auffallen, ist die regelmäßige Kontrolle umso wichtiger. „Denn mit dem Alter wächst das Risiko für Bluthochdruck. Das trifft zum Beispiel Frauen nach den Wechseljahren oft ganz unbemerkt, obwohl zuvor ihre Werte stets in Ordnung waren“, erklärt der Herzstiftungs-Vorsitzende Prof. Voigtländer. Der Herzspezialist informiert unter https://herzstiftung.de/blutdruck-messen, worauf bei der Blutdruckmessung etwa beim Selbstmessen zu Hause genau zu achten ist.

(Text: PM Deutsche Herzstiftung e.V.)