
Beim ersten „TechDay“ von Videor steht der Schutz kritischer Infrastrukturen im Mittelpunkt
Auf dem Außengelände von Videor in der Carl-Zeiss-Straße waren unzählige Kameras aufgebaut. Roboterhunde liefen über die Wiese, später stiegen auch noch Drohnen auf. Beim ersten „TechDay“ des Unternehmens erlebten die Teilnehmer Sicherheitstechnik im Stresstest.
Spätestens seit dem Sabotageakt gegen das Berliner Stromnetz ist auch der breiten Öffentlichkeit klar geworden, dass Betreiber und Anlagen kritischer Infrastrukturen im Fadenkreuz verschiedener Tätergruppen stehen. Mittlerweile werden auch kleinere Versorgerbetriebe auf die strengeren Vorgaben zum sogenannten Kritis-Schutz verpflichtet. Dadurch erhöht sich die Zahl der regulierten Betriebe um mehrere Tausend kommunale und regionale Versorger. Das Kritis-Dachgesetz ist ein deutsches Bundesgesetz, das den Schutz kritischer Infrastrukturen (Kritis) wie Energie, Wasser, Gesundheit und Verkehr durch physische Sicherheitsmaßnahmen und Risikomanagement stärkt. Es verpflichtet Betreiber zu Risikoanalysen, Schutzmaßnahmen und Meldepflichten bei Störungen, um die Widerstandsfähigkeit gegen Sabotage, Naturgefahren und Ausfälle zu erhöhen. Kritis-Schutz rückt nun auch auf kommunaler Ebene in den Vordergrund. Dies war einer der Gründe, dass Videor den ersten „TechDay“ auf seinem Gelände veranstaltete. Das Unternehmen ist als Experte für professionelle Videoüberwachung und Sicherheitstechnik bekannt.
Beim Schutz kritischer Infrastrukturen würden gravierende Lücken klaffen, massive Investitionen seien unumgänglich. „Mit dieser Gesetzgebung, die nun zum ersten Mal statt der IT-Security und Cybersicherheit auch die physische Sicherheit in den Blick nimmt, entsteht für die Betreiber ein besonderer Handlungsbedarf“, sagte Daniel Lehmann, Marketing Manager bei Videor. „Die Betreiber haben erkannt, dass sie etwas tun müssen. Wir sind sehr gut besucht.“ Über 180 Anmeldungen gab es für den ersten „TechDay“. 15 Aussteller präsentierten ihre Produkte und Konzepte. Die meisten Teilnehmer kamen aus der Region, es gab aber auch Besucher von weiter her. „Das Ziel ist es, den Teilnehmern zu zeigen, was derzeit alles aktuell so geht im Bereich der Perimeterüberwachung“, berichtet Daniel Lehmann. Der Begriff bezeichnet die technische Absicherung der äußeren Grenze eines Grundstücks oder Gebäudes. „Es ist uns auch wichtig, dass die Bedeutung dieses Themas ein bisschen mehr in die breitere Öffentlichkeit gebracht wird.“
Es wurden im Laufe der Veranstaltung Angriffsszenarien simuliert, in denen man Kameras und Sensoren verschiedener Hersteller bei unterschiedlichen Bedingungen testete. Die Kameras hatten den Zaun auf dem Videor-Außengelände im Blick. Statisten bewegten sich am Zaun entlang, versuchten ihn zu übersteigen und warfen Gegenstände herüber. Sie sorgten unter anderem auch für künstliche Rauchentwicklung und erschienen in Kostümen. Es ging auch darum, ob die Systeme verändernde Formen erkennen können. Ältere System wurden früher bisweilen ausgetrickst, indem man Formen veränderte.
Die Veranstaltung dauerte bis in den Abend, damit die Besucher die Technik unter verschiedenen Bedingungen erleben konnten. „Wir wollen auch die Nachtsichtfähigkeit der Systeme testen“, sagte Daniel Lehmann. Auch eine Vorführung zur Drohnenerkennung bei Dunkelheit gehörte zum Programm.
Ein weiteres Beispiel: Die Firma „Security Robotics“ aus Leipzig betreibt unter anderem mit autonomen und ferngesteuerten Systemen Objektschutz. Roboterhunde, die es in verschiedenen Varianten gibt, oder Radroboter absolvieren automatisierte Kontrollgänge. Zustandserfassungen oder sicherheitsrelevante Aufgaben lassen sich so flexibel realisieren, auch in schwer zugänglichen oder gefährlichen Bereichen.
Auch ein Vortrag gehörte zum Veranstaltungsprogramm: Am Beispiel von Netz 33 (Ausbau von 33.000 Kilometern Glasfaser entlang der Schiene) wurde erläutert, wie Glasfasersensorik und intelligente Videotechnologie zu einem integrierten Sicherheitskonzept kombiniert werden können.
(Text: PS)

