Zhovti Vody: Der Blick richtet sich auch in Kriegszeiten in die Zukunft

In der vergangenen Woche besuchte der Bürgermeister von Zhofti Vody, Dmytro Khanis, mit einer kleinen Delegation den Hochtaunuskreis. (Foto: Hochtaunuskreis)

Mittlerweile währt der Krieg in der Ukraine bereits mehr als vier Jahre. Für die Menschen dort ist das eine unvorstellbare Belastung. Unter schwierigsten Umständen versuchen die Behörden dort, das öffentliche Leben aufrechtzuerhalten und gleichzeitig nicht den Blick für die Zukunft zu verlieren, um vorbereitet zu sein, wenn irgendwann die Waffen schweigen. So auch in der ukrainischen Partnerstadt des Hochtaunuskreises in Zhofti Vody.


In der vergangenen Woche besuchte der Bürgermeister von Zhofti Vody, Dmytro Khanis, mit einer kleinen Delegation den Hochtaunuskreis. Auf dem Besuchsplan steht unter anderem ein Besuch auf der Deponie Brandholz im Usinger Land. Das kommt nicht von ungefähr, denn das Thema Recycling und Abfallentsorgung ist in der Ukraine drängend. Bislang wurden dort nur 3 bis 5 Prozent der Siedlungsabfälle recycelt. Dies soll sich aber jetzt rapide ändern. 2033 sollen bereits 70 Prozent der ungefährlichen Abfälle einer Wiederverwertung zugeführt werden. Dazu zählt auch der Bauschutt, der durch die Zerstörungen des Krieges angefallen ist.

Kein Wunder also, dass sich Khanis im Hochtaunuskreis informieren möchte, worauf bei einer funktionierenden Abfallwirtschaft besonders zu achten ist. Bei dem Besuch wurde er von Landrat Ulrich Krebs und Erstem Kreisbeigeordneten Thorsten Schorr begleitet. „Es ist wichtig, dass wir unserer ukrainischen Partnerstadt helfen, soweit dies in unseren Kräften steht. Deshalb haben wir gerne diesen Besuch ermöglich“, so Landrat Ulrich Krebs Und Erster Kreisbeigeordneter Thorsten Schorr ergänzt: „Wir hoffen, dass Zhofti Vody von unseren Erfahrungen in der komplexen Materie der Abfallwirtschaft profitieren kann.“

Bislang sei der Müll in Zhovti Vody nicht getrennt, sondern in Gruben verfüllt worden, doch das müsse sich ändern, so Khanis. Ihm sei es wichtig zu erfahren, wie man in Deutschland den Wandel von der Verkippung hin zu einer geordneten Abfallwirtschaft gestaltet habe. Wie sei die Akzeptanz der Bevölkerung anfangs gewesen? Wie habe man die Notwendigkeit des Recycelns den Menschen vermittelt? Wie wurde kommuniziert, dass dies für Bürger zunächst mit Kosten verbunden sei? Denn auf eine staatliche Unterstützung könne Zhovti Vody nicht rechnen. Natürlich habe es auch hier anfangs Widerstände gegeben, erklärte Beate Ibiß, Geschäftsführerin der Rhein-Main Deponie GmbH. Doch da damals viele privatwirtschaftliche Investoren auf den Markt gedrängt seien, hätten sich die Kosten im Rahmen gehalten. Das habe sicherlich dazu beigetragen, dass auch die Akzeptanz recht hoch gewesen sei. Dennoch sei es ein langer Weg gewesen, bis die Abläufe ineinandergriffen. Brandholz-Standortleiter Thomas Klinkig stellte dann im Anschluss die Deponie vor.

Ein anderes wichtiges Thema für Khanis ist die Gesundheitsversorgung in Zhofti Vody. Schon in der Vergangenheit hatte der Hochtaunuskreis die Stadt rund um die Gesundheitsfürsorge mit Spenden unterstützt. Diesmal wollte sich der Bürgermeister über den die Aufgaben und den Betrieb einer Reha-Klinik informieren. „In Zhofti Vody leben aktuell um die 500 Kriegsversehrte, und wir gehen davon aus, dass diese Zahl noch deutlich steigen wird. Wir haben die Pflicht, diese Menschen physisch und psychisch, aber auch juristisch zu betreuen und zu begleiten. Deshalb wollen wir ein Sozialzentrum in einem ehemaligen Kindergarten einrichten, um dort die betroffenen Menschen zu betreuen“, so Khanis. Der Besuch in der Reha-Klinik Dr. Baumstark in Bad Homburg diente dazu, die Strukturen einer Reha-Klinik kennenzulernen und Kontakte zu knüpfen, um sich im Zuge der Einrichtung des Zentrums bei Fragen austauschen zu können. „Wir haben natürlich Ideen entwickelt“ sagte Khanis, „aber wir wollen wissen, ob wir überhaupt auf dem richtigen Weg sind“ Von daher sei er für den Austausch sehr dankbar gewesen. Wie wichtig das Thema ist, zeigte auch die Tatsache, dass Borys Hunko, ein Kriegsinvalide, Dmytro Khanis im Hochtaunuskreis begleitet. „Er berät mich bei diesem Thema in allen Fragen. Denn er weiß, was diese Menschen brauchen und weiß, wie wir sie am besten in den Alltag integrieren können.“

Ein weiterer Punkt auf der Besuchs-Agenda des ukrainischen Bürgermeisters ist eine Vorstellung der dortigen Schulen, verknüpft mit der Hoffnung, dass, wenn Frieden eingekehrt wird, eine Schulpartnerschaft zwischen einer Schule aus seiner Stadt und einer Schule aus dem Hochtaunuskreis entstehen kann.

„Es ist beeindruckend, wie die Menschen in unserer Partnerstadt diesem Krieg mit seinen damit einhergehenden Ängsten und Entbehrungen trotzen und dabei nicht den Glauben an eine positive Zukunft verlieren. Wir sollten daher hier im Hochtaunuskreis alles in unseren Kräften Stehende tun, um diesen Menschen zu helfen. Schließlich verteidigen sie auch unser aller Freiheit“, warb Krebs abschließend für eine weitere Unterstützung der Partnerstadt. Wer dies tun möchte, kann dies mit einer Spende an die Ukrainehilfe-Taunus e. V. tun. Sie hat die Bankverbindung: Ukrainehilfe-Taunus, IBAN DE59 5125 0000 0000 0033 44, BIC HELADEF1TSK, Verwendungszweck: Ukrainehilfe.

(Text: PM Hochtaunuskreis)