Nach der akademischen Feier zum 150-jährigen Bestehen der Freiwillige Feuerwehr Heusenstamm stand nun die Geschichte der Wehr selbst im Mittelpunkt. Im Haus der Stadtgeschichte wurde die Jubiläumsausstellung eröffnet, die mit historischen Exponaten, Informationstafeln und zahlreichen Modellen einen eindrucksvollen Blick auf eineinhalb Jahrhunderte Feuerwehrgeschichte wirft.
Begrüßt wurden die Gäste vom Vorsitzenden des Heimat- und Geschichtsverein Heusenstamm, Dr. Roland Krebs, der sich schmunzelnd als den „Hausherrn“ bezeichnete, wie ihn Bürgermeister Steffen Ball gerne nenne. Besonders begrüßte Krebs die aktiven und ehemaligen Feuerwehrangehörigen aus Heusenstamm und Rembrücken sowie deren Familien. Schließlich gehe es bei der Ausstellung vor allem um die Menschen, die sich seit 150 Jahren ehrenamtlich für andere einsetzen. Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen nicht nur moderne Technik und historische Gerätschaften, sondern vor allem die Entwicklung der Feuerwehrarbeit über die Jahrzehnte hinweg. Ein besonderes Lieblingsstück von Krebs ist dabei ein alter Ledereimer aus dem 18. Jahrhundert. Er zeige eindrucksvoll, „mit welchen unsäglichen Mühen die Feuerwehrarbeit damals verbunden war“. Trotz aller technischen Fortschritte sei Feuerwehrarbeit bis heute mit großem persönlichem Einsatz und auch Gefahren verbunden.
Auch Wehrführer Marco Schmidtke betonte in seiner Ansprache, dass sich zwar Fahrzeuge, Technik und Ausrüstung grundlegend verändert hätten, der eigentliche Gedanke hinter der Feuerwehr aber seit 150 Jahren derselbe geblieben sei: „Menschen helfen Menschen.“ Die Ausstellung solle deshalb nicht nur historische Geräte zeigen, sondern auch Eindrücke aus dem Feuerwehralltag vergangener Zeiten vermitteln. Viele jüngere Besucher würden manches zum ersten Mal sehen, während ältere Feuerwehrmitglieder sich an frühere Zeiten erinnert fühlten.
Einen umfassenden Überblick über die Geschichte der Wehr gab anschließend Bürgermeister Steffen Ball, der selbst Mitglied der Feuerwehr ist. Er erinnerte an die Gründung der Feuerwehr im Februar 1876 nach einem verheerenden Brand im alten Ortskern während eines Wintergewitters. Engagierte Bürger hätten damals erkannt, dass man Bränden nicht länger hilflos gegenüberstehen dürfe. Danach wurde der Grundstein für eine Organisation gelegt, die bis heute tragfähig sei. Ball spannte den Bogen von den ersten Handdruckspritzen und Lederhelmen über prägende Ereignisse wie den Brand der Kirche St. Cäcilia bis hin zu den schwierigen Jahren während der NS-Zeit und des Zweiten Weltkriegs. Auch diese dunklen Kapitel gehörten zu einer ehrlichen Aufarbeitung der Geschichte dazu.
Nach Kriegsende habe die Feuerwehr praktisch bei Null anfangen müssen. Mit dem Wachstum Heusenstamms wuchs auch die Feuerwehr. Einen wichtigen Meilenstein stellte die Gründung der Jugendfeuerwehr 1964 dar. Heute sorgen Kinder- und Jugendfeuerwehr dafür, dass der Nachwuchs gesichert bleibt. Besonders stolz zeigte sich Ball darauf, dass Heusenstamm als erste Feuerwehr im Kreis Offenbach eine Wehrführerin hatte.
Auch die Zukunft spielte bei der Ausstellungseröffnung eine Rolle. Das Feuerwehrhaus an der Rembrücker Straße, 1976 zum 100-jährigen Jubiläum eröffnet, sei inzwischen zu klein und sanierungsbedürftig. Deshalb soll ein moderner Neubau entstehen. Die Ausstellung selbst ist ein Gemeinschaftswerk vieler Beteiligter. Zahlreiche historische Dokumente, Modelle und Tafeln wurden zusammengetragen, unter anderem mit Unterstützung des Modellsportclub Heusenstamm. Grundlage vieler Inhalte ist außerdem das neue Heusenstammer Heft „Wintergewitter“, das die Geschichte der Feuerwehr beleuchtet. Am Ende stand vor allem eines im Mittelpunkt: der Dank an die vielen Frauen und Männer, die seit 150 Jahren Verantwortung übernehmen und ihre Freizeit in den Dienst der Gemeinschaft stellen.
(Text: ah)


