
Grüne Idylle als Ausgleich für das Baugebiet
Der Kuckuck ruft, Grillen zirpen, Bäume treiben aus, kleine Falter flattern über die Blüten von Wiesenblumen wie Klee, Salbei, Labkraut, Mohn, Karthäusernelke und – allein des Namens wegen muss er aufgezählt werden: Zottiger Klappertopf. Das Idyll auf der Streuobstwiese nahe der Pumpstation Bieber Nord wird von den Gärtnerinnen und Gärtnern des Stadtservices der Stadtwerke Offenbach betreut.
„Die Streuobstwiese ist eine von sechs solcher Wiesen im städtischen Besitz und gehört zu den insgesamt 15 Ausgleichsflächen in Offenbach“, sagt Stadtkämmerer und zuständiger Dezernent Martin Wilhelm. „Der Stadtservice ist mit der Pflege beauftragt. Die ältesten Ausgleichsflächen wurden bereits vor 30 Jahren angelegt, die jüngsten vor zwei Jahren.“ Ausgleichsflächen werden angelegt, um den ökologischen Verlust auszugleichen, der durch ein Baugebiet entsteht. Hier sollen neue, gleichwertige Lebensräume für Tiere und Pflanzen entstehen. Die gesetzliche Grundlage dazu ist im Bundesnaturschutzgesetz und den jeweiligen Landesnaturschutzgesetzen geregelt.
Die Wiese an der Pumpstation ist die Ausgleichsfläche für das nahegelegene Neubaugebiet Bieber Nord. Vorher lag das Gelände brach, 2016 wurden hier die ersten jungen Obstbäume gesetzt. Zwei Jahre später begann die Reihe sehr trockener und heißer Sommer, die einen Teil der Setzlinge verdorren ließen. „Der Stadtservice hat daraus in Abstimmung mit der Stadt Konsequenzen gezogen“, sagt Benjamin Drews aus der Abteilung Grünwesen des Stadtservices der Stadtwerke Offenbach, der vor allem für die Bäume im Stadtgebiet und Außenbereich zuständig ist, „bis dahin hatten wir junge, neu gepflanzte Bäume drei Jahre lang bewässert. In diesem Zeitraum hatten sie in der Vergangenheit ausreichend Wurzeln ausgebildet, um genügend Wasser aufzunehmen. Nach den langen Trockenzeiten der vergangenen Jahre bewässern wir junge Bäume jetzt fünf Jahre nach der Pflanzung, damit sie überleben und die Wurzeln stark genug werden, um auch tiefere Bodenschichten zu erreichen. Das gilt für Stadtbäume genauso wie für die Streuobstwiesen hier draußen.“
Auf der rund 24.000 Quadratmeter großen Fläche stehen knapp 200 Obstbäume. Schon Namen wie „Kaiser Wilhelm“ oder „Geheimrat Oldenburg“ verraten, dass es sich um alte, heimische Sorten handelt. Diese bieten auch den Insekten und Vögeln Nahrung und befördern die Artenvielfalt. Vorwiegend stehen hier Apfel- und Birnbäume, aber auch Kirsch- und Nussbäume. Das Gelände ist eingezäunt, um Verbiss von Reh- oder Damwild an den jungen Stämmen zu verhindern. Da die Natur weitgehend ungestört ist, kommen viele Vögel vorbei, Kleinsäuger wie Igel sind hier aktiv und für Eidechsen wurden Flächen geschaffen mit großen Steinen, die sich in der Sonne aufwärmen, Totholzhaufen als Versteck und Sandlinsen, auf denen die Tiere ihre Eier ablegen können.
Neben dem Wässern gibt es auf den Streuobstwiesen für die Gärtnerinnen und Gärtner nicht allzu viel zu tun. „Wir mähen aus ökologischen Gründen nur zweimal im Jahr und schneiden vor der Brut- und Setzzeit im Februar die Äste, damit sie nicht wild austreiben und um perspektivisch hier auch Obst ernten zu können“, sagt Benjamin Drews. Da die meisten Bäume noch jung sind, ist der bisherige Ertrag so gering, dass er den Vögeln und das Fallobst den Igeln und anderen Tieren überlassen wird. Wer die Früchte bekommt, wenn sich das Pflücken wirklich lohnt, ist noch nicht entschieden.
(Text: PM Stadtwerke Offenbach)
