
Die Sacharbeit hat begonnen: Einen Monat nach seiner personellen Konstituierung hat sich der Altheimer Ortsbeirat Anfang Juni zu seiner ersten „richtigen“ Sitzung getroffen – und dabei einen bunten Themenmix besprochen. Vom Bau eines Bolzplatzes bis zur Schaffung einer regelmäßigen Sprechstunde des neu geschaffenen Ortsteil-Gremiums reichte der Reigen. Zudem nutzten einige der 30 Zuschauer die integrierte Bürgerfragerunde.
„Mit einem solchen Interesse hätten wir gerade an einem Brückentag nicht gerechnet“, sagte Ortsvorsteherin Regina Hermann von der Wählergemeinschaft klar! in einer Nachlese zur Sitzung am Freitagabend nach Fronleichnam im Gustav-Schoeltzke-Haus. Der Ort des Geschehens, der Sanierungsstau in der gemeindeeigenen Immobilie und ihre ungewisse Zukunft (neben einer millionenschweren Modernisierung des 121 Jahre alten, denkmalgeschützten Gebäudes steht als Alternative auch dessen Verkauf im Raum, obgleich es dafür keine politische Mehrheit in der Münsterer Gemeindevertretung geben dürfte) waren bereits Thema eines gesonderten Artikels und sollen hier deshalb nicht erneut ausgeführt werden. Wohl aber die weiteren Tagesordnungspunkte, über die gesprochen wurde.
Vorab zum besseren Verständnis: Der Ortsbeirat kann kaum eine Entscheidung selbst treffen, sondern braucht in der Regel das spätere Votum der Münsterer Gemeindevertretung oder zumindest des Gemeindevorstands, das dann für die Kommune – also die Rathaus-Mitarbeiter und den Bauhof – bindend ist. Auch über ein Budget zur Umsetzung von Vorhaben, die die Lebensqualität in Altheim steigern, verfügt das Gremium nicht.
Vielmehr haben die beiden klar!-Vertreter, die beiden Christdemokraten sowie der Sozialdemokrat, die den fünfköpfigen Ortsbeirat nach dessen Wahl Mitte März bilden, in erster Linie beratende Funktion. Sie sollen ihr Ohr besonders nah an den Menschen im Ortsteil und den spezifischen Belangen der Altheimer haben. Klar! und CDU sind dabei eine „strategische Partnerschaft“ eingegangen, die ein Bündnis sowohl im Ortsbeirat als auch in der Gemeindevertretung darstellt. Nach zwei Austritten aus diesen beiden Fraktionen hat das CDU-klar!-Bündnis allerdings nur noch in Altheim eine Mehrheit.
Welchen Umweg der Ortsbeirat schon bei Kleinigkeiten gehen muss, zeigte gleich der erste Antrag der ersten Arbeitssitzung. Die CDU sähe am Altheimer Feuerwehrplatz gern einen Briefkasten installiert, in dem gerade weniger digital-affine Bürger auf analogem Weg per Brief Anliegen, Anregungen und Beschwerden einreichen können sollen. Dies traf auf einhellige Zustimmung, doch kommt der Briefkasten deshalb nicht automatisch. Die Union hatte den Antrag gemäß der Gemeindeordnung so formuliert, dass die Münsterer Gemeindevertretung die Einführung „prüfen“ soll. Freilich käme es überraschend, sollten sich die Gemeindevertreter dieser Form der Bürgerbeteiligung im weiteren Verlauf entgegenstellen.
Klar! wiederum beantragte, dass der Münsterer Gemeindevorstand prüfen soll, „inwieweit die Begrünung und Pflege der Verkehrsinseln an den Ortseinfahrten von Altheim einer privaten Initiative engagierter Bürgerinnen übertragen werden kann“. Mehrere Frauen hätten „angeboten, die Pflanzung und Pflege von Blumen, Sträuchern und weiteren geeigneten Pflanzen zur Verschönerung der Ortseinfahrten zu übernehmen“. Diesbezüglich sollen zwei Altheimerinnen schon vergeblich im Münsterer Rathaus vorstellig gewesen sein. Das Thema wurde erstmal vertagt.
Der vielleicht markanteste Antrag des Abends stammte ebenfalls von klar! und war auf Anregung eines Altheimer Familienvaters formuliert worden. Er äußerte den Wunsch nach einem eingezäunten Bolzplatz im Ortsteil – in ähnlicher Aufmachung wie jener, der auf dem Gelände der Münsterer Aue-Schule entstanden ist. Im selben Zug kritisierte der Antrag Kritik am bestehenden Platz hinter der Regenbogenschule.
Der bietet zwei relativ weit auseinanderstehende Metall-Tore mit den Maßen von drei Metern Breite und zwei Metern Höhe (Handballtor-Größe), einen ungepflegten, löchrigen Rasen als Untergrund, staubige Erdflächen vor den Toren und keine Umzäunung. Dennoch wird er nach Schilderungen von Altheimer Familien nachmittags rege genutzt. SPD-Ortsbeiratsmitglied Cornelius Hecker lehnte den Antrag ab; er vermisste etwa die konkrete Benennung eines Standorts. Bei zwei Ja-Stimmen und einer Enthaltung (ein Ortsbeirats-Mitglied fehlte krankheitsbedingt) ging der Prüfauftrag an den Gemeindevorstand jedoch knapp durch.
Die SPD erinnerte im Ortsbeirat per Antrag daran, dass der vor zwei Jahren durchgeführte Glasfaser-Ausbau in Altheim nicht lückenlos erfolgt sei. Einer ersten Kennenlernrunde aller fünf Beiratsmitglieder entstammte derweil der (wenig überraschend dann auch einstimmig angenommene) Vorschlag, einmal im Monat eine Sprechstunde für Altheimer Bürger anzubieten, die im Wechsel von zwei Beiratsmitgliedern abgehalten werden könnte. „Wir möchten für den Bürger greifbar sein, nicht nur per E-Mail und vielleicht auch über den neuen Briefkasten“, erläuterte Regina Hermann das Ansinnen. Ort und Zeit sollen noch genauer festgelegt werden; wahrscheinlich dürfte die Sprechstunde Einzug ins Gustav-Schoeltzke-Haus halten, womöglich parallel zu den Öffnungszeiten der Altheimer Bücherei.
Die nächste Sitzung des Ortsbeirats ist noch nicht terminiert, wird aber erst nach den Sommerferien stattfinden. In einer Sache steht das kleine Gremium seiner großen Schwester, der Münsterer Gemeindevertretung, auf Anhieb in nichts nach: Die erste Arbeitssitzung wurde von gewissen Misstönen zwischen einzelnen Beiratsmitgliedern begleitet – samt nachfolgender Facebook-Debatte, immerhin aber auch mit öffentlich gelobter Besserung verschiedener Beteiligter.
(Text: jedö)

