Hessisches Landwirtschaftsministerium ruft zur weiteren konsequenten Umsetzung der Biosicherheitsmaßnahmen auf
Die Afrikanische Schweinepest (ASP) ist eine ansteckende Viruserkrankung von Haus- und Wildschweinen, die für infizierte Tiere in der Regel tödlich verläuft. Für den Menschen ist die ASP ungefährlich. Ein Ausbruch der ASP in einem Hausschweinebestand hat jedoch schwerwiegende Folgen: Neben großem Tierleid sind die wirtschaftlichen Auswirkungen für die betroffenen Betriebe erheblich und können existenzbedrohend sein.
Die hessische Landwirtschaft leistet bei der Bekämpfung der Afrikanischen Schweinepest einen wichtigen Beitrag. Landwirtinnen und Landwirte setzen die erforderlichen Biosicherheitsmaßnahmen mit großer Sorgfalt um und arbeiten eng sowie vertrauensvoll mit den zuständigen Behörden zusammen. Diese vorbildliche Kooperation ist ein wesentlicher Baustein für den Erfolg der ASP-Bekämpfung in Hessen.
Das ASP-Virus kann sowohl direkt von Tier zu Tier als auch indirekt über kontaminierte Materialien übertragen werden. Zu den bekannten Übertragungswegen zählen unter anderem Kleidung, Jagdutensilien, Fahrzeuge, Geräte, Futtermittel sowie Speiseabfälle. Als besonders effizienter Übertragungsweg gilt der Kontakt mit infektiösem Blut. Kadaver infizierter Wildschweine stellen daher eine bedeutende Infektionsquelle dar.
Biosicherheit ist entscheidender Schutzfaktor
Es gilt, die direkten Verbreitungswege, beispielsweise über Tierkontakte, und die indirekten Verbreitungswege über sogenannte unbelebte Vektoren (zum Beispiel Speiseabfälle, Futter, Geräte) der ASP zu unterbinden. Hierzu zählen für Schweinehalter in ASP-Restriktionsgebieten insbesondere die Vermeidung jeglichen Kontakts von Haus- und Wildschweinen, die sorgfältige Reinigung und Desinfektion von Geräten und Fahrzeugen sowie die Einhaltung betrieblicher Hygienekonzepte.
Untersuchungen in verschiedenen EU-Mitgliedsstaaten, die von der ASP betroffen sind, haben gezeigt, dass es in den Sommermonaten zu einer erhöhten Anzahl an ASP-Feststellungen kommt. Dabei wurden bis zu 50 Prozent der ASP-Ausbrüche in den Monaten Juli, August und September festgestellt.
Mögliche Rolle blutsaugender Insekten im Sommergeschehen
Es wird zunehmend darüber diskutiert, ob auch blutsaugende Arthropoden wie Fliegen, Gnitzen oder Bremsen bei der Verbreitung des ASP-Virus eine Rolle spielen könnten. Die epidemiologische Bedeutung dieses Übertragungsweges konnte bislang unter natürlichen Bedingungen nicht nachgewiesen werden. Arthropoden spielen im Vergleich zu den bekannten direkten und indirekten Übertragungswegen eine untergeordnete Rolle.
Der Anstieg von ASP-Ausbrüchen in Hausschweinebeständen wird auch im Zusammenhang mit der saisonal erhöhten Aktivität blutsaugender Insekten diskutiert. Vor diesem Hintergrund appelliert das Hessische Landwirtschaftsministerium an alle Schweinehalterinnen und Schweinehalter in ASP-Restriktionsgebieten, ihre Bestände insbesondere während der Sommermonate vorsorglich auch vor stechenden und blutsaugenden Insekten zu schützen. Daher ist im Rahmen der betrieblichen Möglichkeiten ein besonderes Augenmerk auf die Reduzierung der Brutstätten, die Minimierung der Eintragsquellen sowie die konsequente Bekämpfung mit geeigneten Maßnahmen zu legen.
Hintergrund
Studien haben gezeigt, dass die orale Aufnahme von ASP-Virus tragenden Wadenstechern (Stomoxys calcitrans) oder Bremsen (Tabanidae) bei Hausschweinen eine Infektion auslösen kann. Die Anzahl der im Labor verfütterten Insekten entspricht dabei nicht der bisher unter natürlichen Bedingungen mit ASP-Virus tragenden gefundenen Insekten. Voraussetzung hierfür ist, dass die Insekten zuvor Blut ASP-infizierter Haus- oder Wildschweine aufgenommen haben. Während Wadenstecher nur begrenzte Flugstrecken zurücklegen, sind Bremsen für deutlich größere Flugdistanzen bekannt. Sie werden daher als potenzielle Eintragsquelle für das ASP-Virus in Schweinehaltungen diskutiert.
Die Rolle der Lederzecke (Ornithodorus spp.) als biologischer Vektor der Afrikanischen Schweinepest ist wissenschaftlich belegt. Diese Zeckenart kommt jedoch in Mitteleuropa nicht vor und spielt daher für das ASP-Geschehen in Deutschland keine Rolle.
(Text: PM Hessisches Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt, Weinbau, Forsten, Jagd und Heimat)

