Amprion stellt Netzausbau-Pläne im Eppertshäuser Süden vor

Blick über das Bauerwartungsland südlich der Babenhäuser Straße. Im Hintergrund zu sehen sind Eppertshäuser Wohnhäuser nahe dem Failisch-Kreisel. Im Süden der Gemarkung will der Netzbetreiber Amprion bis 2035 eine Höchstspannungsleitung bauen. Der voraussichtliche Abstand dürfte ein potenzielles Neubaugebiet nicht gefährden, zumal das Regierungspräsidium der Gemeinde eine Reduzierung auf einen Mindestabstand von nur noch 200 Metern in Aussicht gestellt hat. (Foto: jedö)

Höchstspannungsleitung wohl mehr als 400 Meter weg

Ja, letztlich kommt der Strom aus der Steckdose. Bis er dort angelangt ist, hat er vom Ort seiner Erzeugung mitunter aber Hunderte Kilometer zurückgelegt. In Deutschland geschieht dies selten über Gleichstrom-Erdkabel und viel öfter über Freistromleitungen, die die Wechselstrom-Technologie nutzen. Dabei sorgen Transformatoren für den verlustarmen Transport auf sehr hohen Spannungen. Im Höchstspannungsnetz reichen diese bis zu 380.000 Volt.


Eine Trasse für eine genau solche Leitung mit zwei 380-Kilovolt-Stromkreisen soll bis 2035 durch die südliche Eppertshäuser Gemarkung führen. Dort existieren aktuell nur zwei Leitungen mit einer Spannung von 110 Kilovolt. Die neue Passage soll Teil des Netzausbaus zwischen den Umspannwerken in Urberach und Aschaffenburg werden und könnte rund 500 Meter südlich der ersten Häuser vorbeiführen. Am Dienstagabend stellte die mit dem Ausbau beauftragte Firma Amprion das Vorhaben im Eppertshäuser Bau-, Planungs- und Umweltausschuss vor.

Amprion ist einer von bundesweit vier Übertragungsnetzbetreibern und deckt unter anderem einen Teil von Niedersachsen, das komplette Nordrhein-Westfalen, Saarland und Rheinland-Pfalz sowie einen Teil von Hessen ab. Das Rhein-Main-Gebiet ist dabei eine Art „Grenzgebiet“, wo auch schon der Betreiber Tennet tätig ist und mit Amprion stellenweise gemeinsam Projekte realisiert. Im Amprion-Gebiet leben 29 Millionen Menschen. Dort soll das Netz auf 9.300 Kilometer ausgebaut werden. In 19 Umspannungsleitungen will Amprion binnen fünf Jahren 1,3 Milliarden Euro investieren.

Weil in der aktuellen Energielandschaft beispielsweise Offshore-Windkraftanlagen in der Nordsee viel Strom erzeugen, der auch im Süden der Republik gebraucht wird, muss das Netz entsprechende Kapazitäten bieten. Für den besseren Stromtransport zwischen Hessen und Bayern kommt auch dem Abschnitt zwischen Urberach und Aschaffenburg (wo in separaten Verfahren auch die jeweiligen Umspannwerke erneuert werden müssen) eine wichtige Rolle zu. Nach Prüfung diverser denkbarer Trassenkorridore, die die unterschiedlichsten Belange von lokalen Bauleitplanungen über die Zugrouten von Vögeln bis hin zu Jagd und Tourismus begutachtete, hat Amprion der Bundesnetzagentur im Mai eine bestimmte Route für die neue Höchstspannungsleitung vorgeschlagen.

Kein Hindernis für Baugebiet südlich der Babenhäuser Straße

In der Eppertshäuser Gemarkung verläuft sie voraussichtlich größtenteils im Bereich der heutigen 110-Kilovolt-Leitungen. Noch nicht final sind zum Beispiel die exakten Standorte der Masten, die meist im Abstand von 450 Metern zueinander aufgestellt werden und gerade im Wald besonders hoch werden können, um Bäume zu überragen und Rodungen in den Zwischenabschnitten zu vermeiden. Mindestens 400, eher 500 Meter von der bestehenden Wohnbebauung im Eppertshäuser Süden entfernt dürfte die neue Leitung aber bleiben. Ihr Bau wird aktuell für den Zeitraum zwischen 2031 und 2035 angestrebt. Vorausgehen wird zwischen 2027 und 2031 das Planfeststellungsverfahren, das innerhalb des kürzlich vorgeschlagenen Korridors dann die exakte Trasse festlegen wird.

Die Lärmbelastung durch die Höchstspannungsleitung wurde zwischenzeitlich mittels Musterspannfeldern simuliert. Laut den Amprion-Vertretern im Ausschuss hält auch die elektromagnetische Spannung schon weniger Meter von der Leitung entfernt wieder die Grenzwerte ein. Auch deshalb tut sich das Land Hessen leicht damit, eine bisherige Vorgabe zu reduzieren: Galt bislang ein 400-Meter-Mindestabstand zwischen Höchstspannungsleitungen und neuen Wohnbaugebieten, so hat das Regierungspräsidium Darmstadt der Gemeinde Eppertshausen nun eine Verringerung auf 200 Meter in Aussicht gestellt. Was deshalb von Relevanz sein könnte, weil die Gemeinde eines Tages – wohl frühestens in 15 Jahren – das Bauerwartungsland südlich der Babenhäuser Straße zum Wohngebiet entwickeln könnte. Wobei nach den Amprion-Plänen und dem dargestellten Korridor auch die 400 Meter Abstand zum südlichsten Bereich des Baugebiets in spe eingehalten würden.

Dies geht konform mit dem Bestreben des Netzbetreibers, derlei infrastrukturelle Großprojekte möglichst konfliktarm durchzuführen. Ganz vermeiden lassen sich manche Folgen der baulichen Eingriffe jedoch nicht. Gerade rund um Eppertshausen gibt es einige Naturschutzgebiete mit entsprechenden Tierpopulationen. Auf manche Vogelart könnte die neue Leitung negative Auswirkungen haben. Aus Sicht der Amprion-Vertreter gefährdet dies das Vorhaben aber nicht grundsätzlich, weil die Probleme über Ausnahmegenehmigungen lösbar sein sollen.

(Text: jedö)