Wasserverbrauch in Offenbach steigt in nie dagewesener Weise drastisch an

Symbolbild Gartenbewässerung (Foto: ThorstenF auf Pixabay)

Möglicher Wassernotstand auch in Offenbach

Die extrem hohen Temperaturen über einen langen Zeitraum haben zu einem historisch großen Verbrauch von Trinkwasser in Offenbach geführt. Seit Mittwoch, 24. Juni, hat sich die Lage weiter verschärft. An diesem Wochenende kann voraussichtlich nur noch drastisches Wassersparen Engpässe verhindern. Der Verbrauch ist aktuell doppelt so hoch wie zu Monatsbeginn und hat gestern ein Allzeithoch erreicht.


Das Allzeithoch übersteigt die Förderkapazität der technischen Anlagen des Wasserversorgers deutlich und kann nur mit Zukäufen in nie dagewesenem Ausmaß und Entnahmen – ebenfalls in bisher nicht gekanntem Ausmaß – aus den Wasserbehältern gepuffert werden.

„Bisher stand für die Stadt und den ZWO vor allem die Frage im Raum, ob angesichts sinkender Grundwasserstände dauerhaft ausreichend Wasser gefördert werden darf und kann.“ so Offenbachs Oberbürgermeister Dr. Felix Schwenke. „Wie öffentlich bekannt ist, ist dieses Thema angesichts des Klimawandels nicht abschließend bearbeitet, stellt aber nach bestem Wissen und Gewissen mindestens für die nächsten fünf Jahre kein Problem dar. An diesem Thema arbeitet der ZWO seit einiger Zeit in enger Abstimmung mit Stadt und Kreis Offenbach und er arbeitet auch weiter daran“, so ZWO Geschäftsführer Gerrit Kania.

Aktuell steht der ZWO vor der Herausforderung, dass noch nie so viel Wasser zum gleichen Zeitpunkt verbraucht wurde wie derzeit. Damit stoßen die Förderanlagen an ihre Kapazitätsgrenze – noch mehr Wasser können sie nicht für das Trinkwassernetz aufbereiten.

Der ZWO hat ein Krisenteam eingerichtet, das über das Wochenende die Wasserlieferung und die neu ergriffenen Maßnahmen zur Sicherung der Wasserversorgung überwacht. Offenbach ist gemeinsam mit Kreiskommunen Teil des Wassernetzwerks der ZWO. Der Verbrauch ist in allen Kommunen überdimensional gestiegen. Die Wasserknappheit trifft das gesamte Rhein-Main-Gebiet.

„Die Prognose, wie viel Wasser die Menschen in Offenbach pro Tag verbrauchen, ist derzeit extrem schwer. Der Spagat für uns politisch Verantwortliche besteht nun darin, einerseits Alarmismus zu vermeiden, andererseits die Ernsthaftigkeit der Situation deutlich zu machen.“ so OB Schwenke.

Die Schwierigkeit für die Prognose hat zahlreiche Ursachen. Die Hitzeperiode weist einmalige und erstmalige Besonderheiten auf. „Ein für die Spitzenverbrauchsmenge sehr relevanter Unterschied zu früheren Zeiten ist, dass die Hitzeperiode bisher vollständig außerhalb von Schulferien, in denen zahlreiche Offenbacherinnen und Offenbacher im Urlaub sind, liegt. Das beeinflusst den Wasserverbrauch stark“, so OB Schwenke zu einem der Hintergründe für den Rekordverbrauch am Donnerstag.

„Die Hitzewelle ist zudem zwar nicht die längste, aber eine besonders lange. Noch ist nicht klar ob sie die stärkste wird, aber es ist schon jetzt eine besonders starke. Und sie hat mit einer Nachttemperatur von über 26 Grad den höchsten Wert seit Beginn der Klimaaufzeichnung gebracht. Unklar ist derzeit der Einfluss der Luftfeuchtigkeit auf den Wasserverbrauch – klar ist aber, dass die Luftfeuchtigkeit einen Einfluss auf die Möglichkeiten zur Abkühlung des Körpers hat“, ergänzt Schwenke. Am heutigen Freitag tagte der Krisenstab Hitze daher erneut – neben den Expertinnen aus Umwelt- und Gesundheitsamt sowie den Experten des ZWO erstmals auch mit dem neuen Bürgermeister Andreas Bruszynski und der neuen Stadträtin Helena Wolf sowie natürlich mit Stadtkämmerer Martin Wilhelm.

„Wir haben die Situation zum Anlass genommen, intensiv den Aufbau eines Lagebilds anhand von Daten des DWD, des ZWO sowie mit Bezug zur Ferienzeit aufzubauen. Dies wird einen Moment in Anspruch nehmen – letztlich können wir aber froh sein, dass wir in Zeiten leben in denen es grundsätzlich möglich ist solche Daten zu verschneiden und damit Lagebilder zu erstellen, die unsere Prognosefähigkeit verbessern“, so OB Schwenke.

Die sehr schwer kalkulierbare Phase ist nun an diesem Wochenende.

„Sollte der Verbrauch sinken weil zahlreiche Offenbacherinnen und Offenbacher in Urlaub fahren, was eine durchaus gut denkbare Variante ist, ist die Lage nach Einschätzung unserer Expertinnen und Experten gut beherrschbar. Andererseits kennen wir keine Daten zu Urlaubsbuchungen. Wir wissen aus Umfragen um eine Krisenstimmung in Deutschland und dass Menschen auch beim Thema Urlaub sparen. Sollten also deutlich weniger Menschen als sonst in Urlaub fahren und der Verbrauch nochmals steigen – was wiederum denkbar ist, weil wir ja auf den elften und zwölften Tag am Stück Hitze zulaufen und der zwölfte Tag möglicherweise sogar über 40 Grad werden soll – dann ist nicht auszuschließen, dass die Förderkapazitäten des ZWO nicht reichen und wir für einen kurzen Zeitraum kein Wasser mehr haben. Deshalb bitte ich rein vorsorglich eindringlich alle Menschen in Offenbach: Senken Sie bitte Ihren Wasserverbrauch an diesem Wochenende so sehr wie sie es nur können. Es handelt sich um eine akute Krisensituation zunächst bis einschließlich Sonntag. Gießen sie nach Möglichkeit nichts. Auch wir werden beispielsweise auch das Gießen der Sportplätze zumindest für 48 Stunden aussetzen. Alle können individuell mit ihrem Verhalten daran mitwirken, eine kurzfristige Notlage zu verhindern“, versucht OB Schwenke der Öffentlichkeit die komplizierte und nicht vorhersehbare Lage nachvollziehbar zu machen.

„Wir werden am Samstag, am Sonntag, am Montag und am Dienstag zunächst täglich in Abstimmung mit dem ZWO eine Einschätzung der Lage veröffentlichen“ kündigt OB Schwenke an.

„Für die Zukunft werden die neu gewählten Vertreterinnen und Vertreter von Stadt und Kreis Offenbach in den ZWO-Gremien gemeinsam mit der Geschäftsführung des ZWO einen Aktionsplan entwickeln müssen, wie nicht nur das Thema „dauerhafte Wasserförderrechte“, sondern auch das Thema „Förderkapazitäten für Spitzenverbrauch“ gelöst werden kann“, sagt OB Schwenke.

Bisheriger Verlauf: Am 23. Juni wurden 35 Prozent mehr Wasser verbraucht als am 16. Juni. Seitdem ist der Verbrauch in Offenbach sogar um 225 Prozent gestiegen. Am 25. Juni wurden über 25.000 Kubikmeter verbraucht. Am 25. Juni wurden im gesamten Netz des ZWO noch einmal 4000 Kubikmeter mehr verbraucht als am Vortag.

Weitere Hintergründe: Zu den Ursachen zählt, dass die derzeitige Hitzeperiode mit 12 Tagen am Stück deutlich früher liegt als in früheren Jahren und damit vor den Sommerferien, in denen der Verbrauch regelmäßig absinkt. Normalerweise liegen extrem hohe Temperaturen erst im Juli und August.

Die Stadt appelliert, das öffentliche Trinkwassernetz nur im absolut notwendigen Maß zu nutzen. Das bedeutet zum Trinken, für Toilettenspülung (hier kann auch Spülwasser genutzt oder diese verkürzt werden) sowie das Waschen und Zubereiten von Lebensmitteln.

Für folgende Zwecke sollte kein Trinkwasser benutzt werden:

· Trinkwasser aus dem öffentlichen Netz nicht nutzen für die Bewässerung und das Begießen von Pflanzen, Rasenflächen, privaten Bäumen, privaten Gemüsebeeten, mehrjährigen Stauden und Gehölzflächen;

· privates Waschen von Fahrzeugen aller Art, das Abspritzen von Terrassen, Wänden, Hof- und Wegflächen, Dächern und technische Anlagen

· Kein neues Befüllen von künstlichen Springbrunnen, Wasserspielanlagen, Wasserbecken und ähnliche Einrichtungen.

· Vollbad vermeiden, Duschzeit auf ein Minimum reduzieren.

Die Stadt selbst wird mindestens zwei Tage die Sportplätze nicht bewässern und die Bewässerung des ESO auf ein Mindestmaß drosseln, um die aktuelle Spitze im Verbrauch abzupuffern.

Infos: www.offenbach.de/wasser-sparen

(Text: PM Stadt Offenbach)