Die jüngste Hitzewelle vom 20. bis 28. Juni hat alle Menschen vor eine große Herausforderung gestellt – und sie wird nicht die letzte gewesen sein. In Erwartung solcher Extremereignisse haben das Stadtgesundheitsamt Offenbach und das Amt für Umwelt und Klima bereits in der Vergangenheit entsprechende Vorkehrungen getroffen und einen Hitzeaktionsplan für genau solche Extremwitterungen erstellt. Als sich nach dem ersten Hitzewochenende der Wettertrend verfestigte, setzte die Stadt Offenbach umgehend Maßnahmen aus diesem Hitzeaktionsplan um und richtete gleichzeitig kurzfristig noch ein Angebot mit gekühlten und kühlen Orten für Menschen in Offenbach ein. Der Verwaltungsstab unter der Leitung von Oberbürgermeister Dr. Felix Schwenke tagte im Hinblick auf die angekündigten Temperaturen in dieser Zeit mehrfach und auch am zweiten Hitze-Wochenende – dem Höhepunkt der Hitzewelle –, um alle notwendigen Maßnahmen, auch bezogen auf den Wassernotstand, zu koordinieren. Aus der eigenen Arbeit heraus und auf Grundlage der Rückmeldungen aus der Bevölkerung sind für den Hitzeaktionsplan seither noch weitere Elemente angeregt worden, deren Umsetzung für künftige Hitzewellen nun in der Verwaltung geprüft werden.
Die Entscheidung, welche Maßnahmen und Warnmeldungen zu welchem Zeitpunkt einer Hitzewelle erfolgen, hängt maßgeblich von der prognostizierten Auswirkung auf die Menschen ab. Grundlage ist das Hitzewarnsystem des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Offenbach. Dieses System unterscheidet zwischen zwei Instrumenten: den Hitzewarnungen und den Hitzetrendmeldungen.
Hitzewarnungen
Hitzewarnungen blicken auf den aktuellen sowie den darauffolgenden Tag und werden in zwei Warnstufen ausgegeben. Die Warnstufe 1 tritt in Kraft, wenn die sogenannte „Gefühlte Temperatur” am frühen Nachmittag einen Wert von etwa 32 Grad Celsius erreicht. Die Warnstufe 2 wird herausgegeben, wenn dieser Wert auf etwa 38 Grad Celsius ansteigt. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Grund für diese Warnung tatsächlich eintrifft, liegt bei über 99 Prozent. Die Warnmeldungen des DWD bieten damit eine verlässliche Grundlage für konkrete Schutzmaßnahmen. Tritt die Hitze besonders früh im Jahr auf, sind Menschen noch weniger sensibilisiert und an höhere Temperaturen akklimatisiert – dann können Schwellenwerte früher erreicht werden.
„Die ‚Gefühlte Temperatur‘ wird vom DWD mithilfe des Modells des sogenannten ,Klima-Michel‘ berechnet. Dieses Modell bewertet den Wärmehaushalt des menschlichen Körpers und berücksichtigt neben der reinen Lufttemperatur auch weitere relevante Faktoren wie Luftfeuchtigkeit, Windverhältnisse und die nächtliche Temperaturabsenkung“, erläutert Bürgermeister Andreas Bruszynski.
Hitzetrendmeldungen
Hitzetrendmeldungen geben den voraussichtlichen Temperaturverlauf für die darauffolgenden vier Tage an – insgesamt also einen Prognosezeitraum von bis zu fünf Tagen. Eine seriöse Vorhersage über diesen Zeitraum hinaus ist nach Experteneinschätzung nicht möglich. Im Unterschied zu den Hitzewarnungen ist bei den Trendmeldungen die Eintrittswahrscheinlichkeit deutlich geringer, da Wetterlagen über mehrere Tage mit größeren Unsicherheiten behaftet sind.
„Das Stadtgesundheitsamt hat sich im Vorfeld und begleitend zu den Ereignissen eng mit Experten des Deutschen Wetterdienstes abgestimmt und auf dieser fachlichen Grundlage seine Entscheidungen getroffen“, so Bruszynski. Ein zentraler Faktor war die fehlende Nachtabkühlung. Während dieser Hitzewelle im Juni gab es sieben Nächte über 20 Grad – zum Vergleich: Während der bislang längsten Phase mit Hitzewarnungen in Deutschland im Jahr 2018 war es nur eine Nacht.
Kühle Orte in Offenbach
Im Hitzeaktionsplan sind kühle Orte aufgeführt, die von Natur aus kühler sind als Dachwohnungen oder die vom Wetter erhitzte Innenstadt. Dazu gehören unter anderem Grünanlagen. Zusätzlich gibt es eine geringe Zahl an gekühlten Orten. Die Stadt Offenbach hat auf die extreme Hitze reagiert und zusätzlich klimatisierte Orte zur Verfügung gestellt und zusätzliche Öffnungszeiten organisiert bei vorhandenen Räumen. Dazu zählt insbesondere der Else-Hermann-Saal.
„Stadt und Stadtwerke haben in dieser Hitzewelle sehr gut zusammengearbeitet und schnelle Lösungen gefunden. Insbesondere für ältere Menschen konnten wir mit dem klimatisierten Seniorentreff Else-Herrmann-Saal und den weiteren gekühlten Orten Möglichkeiten für diese vulnerable Gruppe schaffen, für die die Hitze besonders belastend und gefährlich ist. Die engagierte und schnelle Zusammenarbeit war hier besonders wichtig und hat sehr gut funktioniert. Dafür möchte ich mich bei allen Beteiligten bedanken“, erklärt Stadtkämmerer und Sozialdezernent Martin Wilhelm.
Das Amt für Umwelt und Klima hatte schon im Vorfeld zusammen mit dem Vermessungsamt eine Karte mit kühlen Orten und Refill-Stationen erarbeitet, die in Kürze online geht. Die Karte zeigt Aufenthaltsmöglichkeiten in der Stadt, die bei Hitze für Abkühlung oder Schatten sorgen können, zum Beispiel Trinkwasserbrunnen, Wasserspiele, Kirchen, Grünflächen, aber auch öffentliche Gebäude. Diese sind nicht alle klimatisiert, schützen jedoch vor direkter Sonneneinstrahlung oder sind eine Alternative zur eigenen überhitzten Wohnung.
„Besonders ältere Menschen und Kinder haben wir im Blick. Beide leiden sehr unter Hitze. Sie können oft selbst die Auswirkungen auf den Körper nicht gut wahrnehmen und damit frühzeitig Maßnahmen zum Selbstschutz ergreifen. Die kühlen Orte sind ein wichtiger Anlaufpunkt für diese Personengruppen, deshalb wollen wir diese noch besser und zielgruppenspezifischer bewerben“, erläutert Umweltdezernentin Helena Wolf. Neben der Hitzebroschüre, mit der die Stadt seit Jahren in Senioreneinrichtungen und Seniorentreffs für das Thema Hitze sensibilisiert und die in Kürze neu aufgelegt wird, ist jetzt das Hitzetelefon in Zusammenarbeit mit dem Seniorenrat gestartet. Es bietet eine zusätzliche Möglichkeit für ältere und alleinstehende Menschen in Offenbach, sich über DWD-Warnungen zu informieren und sich zu schützen. Zudem stand das Stadtgesundheitsamt während der akuten Hitzewelle im ständigen Kontakt mit den Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen. „Wir beraten darüber hinaus intensiv, wie wir unsere Stadt und städtische Einrichtungen noch widerstandsfähiger gegen Extremhitzeereignisse gestalten können“, ergänzt Stadträtin Wolf.
Oberbürgermeister Dr. Felix Schwenke: „Selbstverständlich bereiten wir Dinge langfristig vor, die gut vorbereitet werden können und müssen. Und selbstverständlich gucken wir dabei auch kritisch auf das, was in den letzten Monaten passiert ist oder nicht passiert ist.“ Vor zu frühen Warnungen an die Bevölkerung rät er allerdings ab: „Sollten wir zu oft zu früh warnen, stumpfen die Menschen ab und nehmen die Warnung nicht mehr ernst. Es gilt immer abzuwägen, wann der richtige Zeitpunkt für eine Warnung gekommen ist. Dafür stimmen wir uns mit Experten ab. Umgekehrt müssen wir dann auch gut vorbereitet sein. Das hat dieses Mal schon gut funktioniert, aber natürlich lernen auch wir aus den Erfahrungen. Völlig klar ist: Unsere speziellen Angebote der gekühlten Orte können immer nur vergleichsweise sehr kurzfristig den Menschen zur Verfügung gestellt werden – je nach Verfügbarkeit. Natürlich werden wir aber auch dieses Vorgehen und das Angebot der gekühlten Orte in den kommenden Jahren an die Entwicklung anpassen, wo dies nötig und möglich ist.“
Hintergrund
Der Hitzeaktionsplan – kurz HAP – soll Krankheiten durch UV-Strahlen und Hitzeschäden für Menschen vorbeugen. Bei Hitzewarnungen des Deutschen Wetterdienstes in Offenbach ist eine starke Wärmebelastung für mindestens zwei Tage in Folge zu erwarten. Eine ausreichende nächtliche Auskühlung der Wohnräume kann nicht mehr gewährleistet werden. Das Amt für Umwelt und Klima koordiniert die Zusammenarbeit mit weiteren Behörden und Einrichtungen unterschiedlicher Zuständigkeiten.
Durch den Hitzeaktionsplan laufen zu Beginn des Sommers in jedem Jahr verschiedene Maßnahmen an. In diesem Jahr wurde bereits am 15. Juni auf die angekündigte Hitzewelle hingewiesen. Besonders informiert wurde zum richtigen Abkühlen von Räumen in diesem Jahr. Das richtige Verhalten bei Hitze ist in der schon mehrfach aufgelegten Hitzebroschüre sowie auf der Internetseite hinterlegt – in den Veröffentlichungen wird darauf hingewiesen. Die Broschüre kann beim Umweltamt angefordert werden. Sie steht auch als Download auf der Internetseite zur Verfügung.
Weiterführende Informationen
Informationen vom Hitzetelefon für Senioren – www.offenbach.de/hitzetelefon
Vorbereitung auf Krisen für Bürgerinnen und Bürger www.offenbach.de/krisenfit
Was tun bei extremer Hitze – www.offenbach.de/hitze
Informationen zu kühleren Orten unter www.offenbach.de/abkuehlung
Refill-Stationen: www.offenbach.de/refill
(Text: PM Stadt Offenbach)


