
Eins ist Sabine Behling ganz wichtig: Dieser Artikel soll sich um ihr Jubiläum drehen und noch nicht um ihren baldigen Ruhestand. Seit nunmehr genau 25 Jahren leitet sie die Münsterer Schule auf der Aue – und geht im Januar 2027 in Pension. Dass sie das verbleibende Halbjahr noch mit vollem Engagement bestreiten wird, daran lässt Behling keinen Zweifel. Was sie mit einer Überzeugungskraft formuliert, die fraglos eins ihrer Markenzeichen ist.
Denn die gebürtige Gelsenkirchenerin, die Mitte Juli 66 wird, weiß seit Jahrzehnten genau, was sie beruflich will – und trotzt dabei auch Rückschlägen. Schon zu Beginn ihrer Karriere war das so: Nachdem die Gymnasial-Studienrätin für Deutsch und evangelische Religion ihr Studium in Bochum und Frankfurt absolviert und dann von 1984 bis 1986 ihr Referendariat an der Claus-von-Stauffenberg-Schule in Dudenhofen gemeistert hatte, stand sie erstmal vor dem Nichts. „1986 war das Jahr, in dem in Hessen keine Lehrer eingestellt wurden“, blickt Behling zurück. Als sie keinen Job bekam, absolvierte sie kurzerhand noch eine IHK-Ausbildung als Fachkauffrau für Marketing. Sechs Jahre lang arbeitete Behling, die in Groß-Zimmern wohnt, in der Software-Branche. Wobei das Schulcomeback immer ihr Ziel blieb.
1993 war es soweit: An der Gerhart-Hauptmann-Schule in Griesheim bekam Sabine Behling ihren ersten Vertrag. Nach einem Intermezzo andernorts kehrte sie 1996 nach Griesheim zurück und übernahm die Leitung des Gymnasialzweigs. 1998 wurde sie Pädagogische Leiterin der Geschwister-Scholl-Schule in Hainhausen. 2001 begann ihre Ära als Schulleiterin an der Münsterer Aue-Schule. Dies sei „der folgerichtige Schritt“ gewesen, findet Behling. „Ich habe immer gern gestaltet.“ Sie habe zwar auch gern unterrichtet, bis vor wenigen Jahren zum Beispiel Deutsch als Zweitsprache. Zugleich habe es sie aber immer um- und angetrieben, „mit Empathie, Struktur und Zielen die Rahmenbedingungen zu verbessern“.
In Münster ist in den vergangenen zweieinhalb Dekaden vieles davon konkret geworden. Nichts davon möchte sich Behling jedoch ausschließlich auf die eigene Fahne schreiben, sondern hebt stets das Teamwork hervor: Sie habe „ein wunderbares Lehrerkollegium, ich bin in der glücklichen Situation, dass ich fast alle Leute, die heute hier arbeiten, selbst eingestellt habe“. Auch aufs Sekretariat, die Hausmeister, die derzeit vier Sozialpädagoginnen, den Elternbeirat (mit der nach fünf Jahren ausscheidenden Vorsitzenden Sandra Seibel), ihren Stellvertreter Matthias Beyer und die 1.150 Fünft- bis Zehntklässler weitet sie dies aus.
Die Höhepunkte ihrer Ägide – der neue Schulleiter für die Zeit ab Anfang 2027 steht noch nicht fest – würden den Rahmen dieses Artikels sprengen. Mit Vehemenz, Penetranz und klarer Kante, auch gegenüber Landkreis und Schulamt, ist der fast komplette Neubau der Aue-Schule der wohl größte Erfolg unter Behlings Schulleitung – auch wenn es nicht zum letzten Bauabschnitt und damit einem neuen Verwaltungstrakt plus zwei weiteren Lernlandschaften kam und die neue Schule ohne die vom Kreis dauerhaft überlassene „mobi:skul“ schon wieder unterdimensioniert wäre. Auch auf die „gesundheitsfördernde Schule“, den Musikschwerpunkt und das 2025 eröffnete, ostkreisweit erste MINT-Zentrum ist Sabine Behling stolz. „Ich bin sehr dankbar“, betont sie, zumal sie kürzlich gesundheitlich bedingt ein Jahr lang ausgefallen war. Es passt zu Behling, dass sie sich erneut zurückgekämpft hat.
(Text: jedö)
