Landwirtschaft im LaDaDi: Was alles gefördert wird und wieso

Auch das Anlegen von Blühstreifen kann gefördert werden. (Foto: Pixabay)

„Unser Hof ist ein Ort, an dem Natur, Nachhaltigkeit und Gemeinschaft aufeinandertreffen. Wir sind stolz darauf, eine Vielzahl an Blumen, Getreide und frischem Gemüse anzubauen – regional und mit viel Liebe zum Detail“, ist auf der Homepage des Blumenhofs Bitsch aus Bickenbach zu lesen. Und es schließt sich ein Nachsatz an: „Dank staatlicher Förderungsprogramme sind wir in der Lage, all dies zu einem fairen Preis anzubieten.“ Damit ist schon viel darüber gesagt, was die Förderung der Landwirtschaft ausmacht und welchen Sinn sie hat. Und obwohl die Mittel für diese Förderung nicht vom Landkreis Darmstadt-Dieburg kommen, spielt er dennoch eine wichtige Rolle bei all dem: Der Kreis ist die Genehmigungsbehörde. Er berät und entscheidet darüber, was von EU, Bund und Land gefördert wird. Und er muss diese Entscheidungen auch verantworten – den Geldgebern gegenüber, aber auch den Landwirten gegenüber, die eventuell nicht von einer Förderung profitieren oder diese aberkannt bekommen.


„Das Förderangebot an landwirtschaftliche Betriebe basiert auf der Gemeinsamen Agrarpolitik – kurz GAP – der EU“, erklärt Rainer Schellbach, Fachgebietsleiter Landwirtschaft beim Landkreis. Diese ist grundsätzlich auf zwei Säulen aufgebaut: In der ersten Säule ist die Einkommensgrundstützung angesiedelt, die für jeden bewirtschafteten Hektar in gleicher Höhe gewährt wird. Hinzu kommt eine Umverteilungsprämie, mit der die ersten Hektare – bis 60 – zusätzlich gefördert werden, um bäuerliche Familienbetriebe zu unterstützen. Eine Förderung für Junglandwirte soll den Generationswechsel in den Betrieben unterstützen.

Von Blühstreifen bis zum Verzicht auf Chemie

Zusätzlich zu diesen Förderprogrammen können die landwirtschaftlichen Betriebe sich freiwillig verpflichten, verschiedene Ökoregeln in ihrem Betrieb umzusetzen, jeweils für ein Jahr. Die möglichen Ökoregeln reichen von Brachflächen auf Acker oder Dauergrünland über Blühflächen oder auch die Erweiterung der Fruchtfolge. Es können aber auch Agroforstsysteme – Flächen, auf denen Grünland oder Ackerboden mit Gehölzen kombiniert werden – gefördert werden. Aber auch der Verzicht auf chemischen Pflanzenschutz gehört zu den Möglichkeiten. Zusätzlich können Ökoregeln auch noch untereinander kombiniert werden. Eine der Aufgaben der Abteilung Landwirtschaft des Landkreises ist es hierbei, den landwirtschaftlichen Betrieben die erforderlichen Informationen zur Verfügung zu stellen.

„Es ist nun aber keineswegs so, dass die Zahlungen nur für die reine Bewirtschaftung gezahlt werden“, erklärt Rainer Schellbach: „Zusätzlich existieren Anforderungen an die Betriebsführung, die eingehalten werden müssen, um die beantragten Zahlungen zu erhalten.“ Deren Einhaltung wird unter anderem auch durch den Landkreis überprüft. „Dabei kommen auch Fernerkundungssatelliten zum Einsatz. Deren Bilder werden automatisiert und mit Unterstützung von KI ausgewertet. Bei festgestellten Verstößen erfolgt eine Kürzung oder Sanktionierung der Zahlungen“, sagt Schellbach, „dieser Teil unserer Tätigkeit kann auch mal zu Diskussionen führen.“ Etwa 800 Landwirte aus dem Dienstbezirk, der neben Darmstadt-Dieburg auch den Landkreis Groß-Gerau und die Stadt Darmstadt umfasst, erhalten derzeit Mittel zur Grundstützung oder als Umverteilungsprämie, als Junglandwirte, für die Einhaltung von Ökoregeln und verpflichten sich damit, Anforderungen an die Betriebsführung zu erfüllen.

Ökologischer Anbau wird gefördert

Die zweite Säule der Förderungen bietet den landwirtschaftlichen Betrieben die Möglichkeit, freiwillige Projekte nach dem Hessischen Programm für Agrarumwelt- und Landschaftspflege-Maßnahmen umzusetzen. Diese Maßnahmen sind in der Regel mehrjährig. Über dieses Programm erfolgt auch die Förderung des ökologischen Landbaus in Hessen. Allerdings gehören dazu nicht die Projekte als Teil der Ökomodell-Region Süd, die Modellcharakter hatte und Ende 2025 auslief. Darüber wurde beispielsweise der Kichererbsen-Anbau gefördert, etwa auf dem Kohlbacher Hof in Otzberg. Dort werden aber auch nach dem Ende der Ökomodell-Region in diesem Jahr wieder Kichererbsen angebaut.

Einen weiteren Schwerpunkt bei der Förderung bilden Investitionen von landwirtschaftlichen Betrieben, die mit bis zu 40 Prozent gefördert werden. Allerding muss der Mehrwert erkennbar sein. Ein gutes Beispiel sind mobile Legehennenställe. „Den ersten derartigen Stall haben wir in 2010 gefördert“, sagt Rainer Schellbach. In der Zwischenzeit existieren einige derartige Ställe in der Region. Als Nebeneffekt erfolgt die Vermarktung in der Regel direkt an den Endkunden. Gefördert wurde etwa der Schüttler-Hof in Modau, der einen Legehennenstall mit Eiersortierung und Nebengebäude errichtete. Der Aschwiesenhof in Lützelbach erhielt Förderungen für den Neubau von Schlacht-, Zerlege- und Produktionsräumen sowie für eine Bergehalle für Heu und Stroh.

Vor Ort produzierte Produkte rechnen sich auch für den Verbraucher

„Hier geht es nicht nur um den Erhalt der Landwirtschaft“, sagt Vize-Landrat Lutz Köhler, „es geht darum, sie nachhaltig zu entwickeln, zukunftsfest zu machen. Hierbei helfen wir gerne als Landkreis mit, denn vor Ort produzierte und verkaufte Produkte sind nicht nur ökologischer, am Ende rechnen sie sich auch für den Verbraucher. Auch die Aspekte des Naturschutzes spielen eine wichtige Rolle. Und damit die Landwirte auch neue Wege gehen können, gibt es die landwirtschaftlichen Förderungen.“

So, wie es der Blumenhof Bitsch auf seiner Homepage beschreibt.

(Text: PM Landkreis Darmstadt-Dieburg)