Bayern forschen mit invasiven Hornissen aus Offenbach

Aus der Puteauxpromenade wurde von Wissenschaftlern ein Nest der invasiven Asiatischen Hornisse für ein Forschungsprojekt nach Bayern umgesiedelt. (Foto: Stadtwerke Offenbach)

Nestumsiedelung aus der Puteauxpromenade nach Veitshöchheim

Wer das Geschehen in einer Hecke der Puteauxpromenade aus der Ferne beobachtete, konnte entweder an Astronauten oder Tatortermittler denken. Tatsächlich waren es wissenschaftliche Mitarbeiter des Instituts für Bienenkunde und Imkerei in Veitshöchheim bei Würzburg, die in speziellen Schutzanzügen ein Nest der invasiven Asiatischen Hornisse Vespa velutina umsiedelten. Die darin lebenden Tiere können jetzt am Institutsstandort im Dienst der Forschung weiter schwirren und brummen. Ziel ist, die invasive Art besser zu verstehen, um heimische Bienenvölker vor ihnen schützen zu können.


Für die Offenbacher Asiatischen Hornissen ist das wissenschaftliche Interesse ein echter Glücksfall. Anders als bei den streng geschützten heimischen Hornissen darf ein Nest der invasiven Art ohne Genehmigung der Naturschutzbehörden entfernt werden. Auch der Stadtservice der Stadtwerke Offenbach ist bemüht, die weitere Verbreitung von Vespa velutina einzudämmen. Denn sie unterscheiden sich von den heimischen Arten in zwei Verhaltensweisen: Zunächst ist die Asiatische Hornisse sehr aggressiv, wenn sich Menschen auch unabsichtlich ihrem Nest nähern. Die Tiere stechen dann auch gerne mal zu. Dazu haben sie einen etwas längeren Stachel als ihre heimischen Artgenossen, was auch die speziellen Schutzanzüge der Institutsmitarbeiter erklärt. Noch übler gehen in der Regel Begegnungen für heimische Honigbienen aus: Die stehen auf dem Speiseplan der Asiatischen Hornisse ziemlich weit oben.

Unbekannte Art besser verstehen

„In der Imkerei kann die Asiatische Hornisse zu einem Problem werden“, sagt Dr. Ronald Jäger, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Bienenkunde, das der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau angegliedert ist. Er hat das Nest mit seiner Kollegin Maike Kümmerle und der Unterstützung durch den Mühlheimer Kollegen Christian Engel abgeholt. „Noch kennen wir die Art nicht besonders gut. Deshalb sammeln wir gut entwickelte Primärnester ein, um die Tiere zu erforschen und herauszufinden, welche Schäden sie am Bestand der Honigbienen auslösen können“, sagt Ronald Jäger. Primärnester oder auch Gründungsnester werden von den Königinnen nach der Überwinterung oft an geschützten Orten wie beispielsweise in Hecken etwa ein bis zwei Meter über dem Boden alleine gebaut. Dort legen sie die ersten Eier ab, aus denen Arbeiterinnen schlüpfen. Mehrere hundert Tiere können in so einem Primärnest leben. Später im Jahr ab August bauen diese dann gemeinsam ein sehr großes Sekundärnest, meist hoch oben in den Bäumen.

In diesem Jahr haben sich allerdings zumindest in Bayern kaum Nester gut entwickelt. Was gut ist für die Honigbiene, aber schlecht für die Forschung. „Wir haben die meist ehrenamtlichen Hornissenberaterinnen und -berater in Bayern und Südhessen informiert, dass wir auf der Suche nach solchen Nestern sind“, erzählt Ronald Jäger, „und der Kollege Christian Engel, der vom Stadtservice der Stadtwerke Offenbach zur Nestbeseitigung geholt wurde, hat uns angerufen.“ Und weil es in Bayern nichts Besseres gab, ist das Institutsteam bis nach Offenbach gefahren, um die Asiatischen Hornissen abzuholen.

Rund eine halbe Stunde hat es gedauert, bis die angriffslustigen Insekten In der Puteauxpromenade mit einem Spezialgerät vorsichtig in eine Box gesaugt waren. Dann wurde das Nest mit den Brutwaben eingepackt. Zurück in Veitshöchheim durften die erwachsenen Tiere wieder dazulaufen und die Population kann sich nun normal unter kontrollierten Bedingungen weiterentwickeln, verspricht Ronald Jäger. Die Offenbacher Asiatischen Hornissen sind mit bisher drei weiteren Nestern so untergebracht, dass niemand – außer den Institutsangestellten – mit ihnen in Kontakt kommt. Allerdings dürfen sie kontrolliert zu Bienenvölkern fliegen und werden genau beobachtet, wie sie dort auf Beutezug gehen. Daraus werden Rückschlüsse gezogen, wie man künftig Honigbienen am besten vor ihnen schützen kann.

Hintergrund

Nester von der heimischen Hornisse stehen unter besonderem Naturschutz und dürfen nicht gestört oder gar vernichtet werden. Die Asiatische Hornisse ist etwas kleiner als die heimische Europäische Hornisse. Sie hat einen dunklen, fast schwarzen Körper, gelbe Beine, und einen Hinterleib, der vorne dunkel und nur im letzten Drittel gelb-orange gefärbt ist. Wer den Verdacht hat, dass er ein Nest der invasiven Asiatischen Hornisse entdeckt hat, kann dieses auf der Meldeplattform der Seite des Hessischen Landesamtes für Naturschutz, Umwelt und Geologie unter www.hlnug.de/hornisse eintragen.

(Text: PM Offenbach)