
Monika Grimm hat ihre Amtszeit beendet – und geht mit kritischen Worten
In Münster ist eins der wichtigsten und anspruchsvollsten Ehrenämter seit wenigen Wochen vakant: Mit der alten Kommunalwahl-Periode endete die Amtszeit der Behindertenbeauftragten der Gemeinde. Monika Grimm hatte die unentgeltliche Aufgabe nach deren Neueinführung 2020 übernommen und war nach der Wahl 2021 von der Gemeindevertretung für eine volle fünfjährige Amtszeit wiedergewählt worden. Parallel dazu engagierte sich Grimm auch als CDU-Gemeindevertreterin. Seit Mai gehört sie dem Gemeindevorstand an.
Im Zuge ihrer Abschiedsrede und letzten Bilanz stellte Grimm die Abgeordneten der fünf Fraktionen zunächst buchstäblich vor ein Rätsel: Sie fragte in die Runde, wie viele Menschen mit einem anerkannten Schwerbehinderten-Grad derzeit wohl in Münster leben würden. Aufschluss gibt hierzu eine Statistik der Regierungspräsidiums Gießen: 2.866 Münsterer, Altheimer und Breitefelder haben derzeit eine anerkannte Schwerbehinderung – ein Fünftel der Bevölkerung. Dies reicht von „leichter Behinderung“ (Grad der Behinderung zwischen 20 und 40) bis hin zu „schwerer Behinderung“ (50 bis 100). Allein den höchsten Grad der Behinderung von 100 besitzen in Münster derzeit 333 Personen. Schwerbehinderung ist in Münster zudem längst kein alleiniges Phänomen älterer Menschen: Fast die Hälfte der Betroffenen ist jünger als 65.
Auch Monika Grimm ist schwerbehindert, was wie in so manchem Fall zunächst niemanden auffällt, da es sich beispielsweise nicht um eine Geh- oder Sehbehinderung handelt. Kompetenz für ihre Aufgabe brachte sie aus ihren Tätigkeiten als ehrenamtliche Sozialrichterin am Sozialgericht in Darmstadt (zuständig für Schwerbehinderten-Angelegenheiten), als Jugendschöffin beim Amtsgericht Dieburg und aus der Deutschen Selbsthilfe für angeborene Immundefekte – auch hier speziell im Schwerbehindertenrecht – mit. Während ihrer beruflichen Laufbahn im gehobenen Dienst war die Münstererin für die Hessische Versorgungsverwaltung tätig, etwa das Versorgungsamt Darmstadt. Mehrere Jahre fungierte sie dabei als Teamleiterin im Schwerbehindertenbereich.
Zu den Schwerpunkten ihrer Beratungsgespräche hätten auch im letzten Amtsjahr Anfragen zu Anträgen nach dem Sozialgesetztbuch IX (Schwerbehindertenrecht) und Fragen zum Pflegegeldantrag gehört, bilanzierte Grimm vor dem Münsterer Parlament. Auch die Reduzierung von Barrieren im eigenen Wohnumfeld habe mehrmals eine Rolle gespielt. Manchmal habe sie auch „unberechtigte Forderungen gegenüber der Gemeinde abwehren“ müssen. „Manchmal ist die Erwartungshaltung gegenüber dem Staat oder der Gemeinde sehr groß bis überzogen“, konstatierte sie.
Im vergangenen Jahr hatte Grimm öffentlich um mehr Wertschätzung für ihre Arbeit gebeten. Dies habe „zu sehr vielen positiven Rückmeldungen aus der Bevölkerung geführt“, freute sie sich. Als weniger erfreulich empfand sie im Frühjahr die Kritik der Münsterer SPD-Fraktion am CDU-Fraktionsvorsitzenden Thorsten Schrod, der bei der Verabschiedung von Genossin Elke Müller bei den Standing Ovations sitzenblieb und dies mit zwei operierten Knien begründete. Daraufhin habe die SPD einen „Menschen mit Handicap in der Presse diffamiert“. Auf diesen Vorwurf antwortete die SPD nach der Sitzung mit einem scharf formulierten offenen Brief, in dem sie Grimm vorwarf, „selbst noch ein bisschen Wahlkampf zu machen oder nachzutreten“. Schließlich sei Schrod bei einem in selbiger Sitzung geehrten CDU-Vertreter zum Aufstehen in der Lage gewesen.
Wichtiger als solche Scharmützel wäre für die Menschen in der Gemeinde indes die Neubesetzung des freigewordenen Ehrenamts. Dafür kandidieren kann jeder Münsterer Bürger, wofür lediglich eine formlose Bewerbung im Rathaus abzugeben ist. Beim ersten Wahlversuch im Parlament stand noch niemand für Grimms Nachfolge bereit.
(Text: jedö)

