
Die Wählerinnen und Wähler aus Münster werden am 30. August in einer Stichwahl über die Nachfolge des im April verstorbenen Bürgermeisters Joachim Schledt entscheiden. Der erste Wahlgang am Sonntag brachte keine Entscheidung, weil sämtliche Kandidatinnen und Kandidaten weit von der absoluten Mehrheit entfernt blieben. Schon eine Stunde nach Schließung der sechs Wahllokale – sowie Öffnung der Wahlzettel aus den sechs Briefwahl-Bezirken – stand das vorläufige Ergebnis fest: Marcus Milligan (37, parteilos) ging mit 35,5 Prozent der abgegebenen und gültigen Stimmen als Erstplatzierter des ersten Wahlgangs hervor. Ihm folgt Jörg Schroeter (66, FDP) in den Showdown in drei Wochen. Auf ihn entfielen 26,4 Prozent der Stimmen.
Die Wahlbeteiligung lag bei 56,6 Prozent. 43,3 Prozent der 10.883 Wahlberechtigten war es also egal, wer in den nächsten sechs Jahren ihr Verwaltungschef wird – die mit Abstand größte Gruppe. Zum Vergleich: Milligan versammelte in absoluter Zahl 2.173 Personen hinter sich, Schroeter 1.618. Immerhin: Von den abgegebenen Stimmen waren fast alle gültig. Nur 36 Wahlzettel waren ungültig, schmale 0,6 Prozent.
Schroeter lag in absoluter Zahl 339 Stimmen vor Denise Hast. Die Erste Beigeordnete der CDU hat Schledts Amt qua Funktion seit dessen Tod inne. Die 44-Jährige konnte aber offenbar weder von dieser Art „Amtsbonus“ profitieren noch davon, dass sie mit der Union jene Partei im Rücken hatte, die bei der Kommunalwahl im März in Münster mit Abstand die meisten Stimmen sammelte.
Dem Sieger des ersten Wahlgangs, Marcus Milligan, schadete es hingegen nicht, dass er bis Ende 2025 noch CDU-Mitglied gewesen und von seiner ehemaligen Partei mitten im Wahlkampf mit Joachim Schledt zurückgezogen worden war. „Ich möchte schon jetzt dazu aufrufen, am 30.08. noch mal zur Wahlurne zu gehen“, richtete Milligan den Blick am Sonntagabend direkt wieder nach vorn. Er wolle „dieses tolle Ergebnis festigen und die Wahl dann tatsächlich gewinnen“. Erstmal sei „die Erleichterung da. Ich bin froh auf die Leistung, die wir in den letzten Wochen als Team erbracht haben.“
Jörg Schroeter freute sich „riesig, dass ich in die Stichwahl gekommen bin“. Nun solle „der Bessere gewinnen“. Er habe „das Gefühl gehabt, dass diese Bürgermeister-Wahl ganz viele bewegt und mobilisiert hat“. Nach mehr als 4.000 Hausbesuchen sei er positiv gestimmt gewesen. Der FDP-Faktor habe nur eine geringe Rolle gespielt, „es hat nicht wirklich geschadet. Mir haben viele Leute gesagt, dass sie zum ersten Mal einen FDP-Mann wählen.“ In den nächsten Wochen werde er seinen Haustür-Wahlkampf fortsetzen, es in Sachen Plakatierung weiterhin „nicht übertreiben“ und einige Social-Media-Videos veröffentlichen.
Mitfavoritin Denise Hast erhielt 20,9 Prozent der abgegebenen, gültigen Stimmen. „Aktuell bin ich erstmal froh, dass der Wahlkampf zu Ende ist. Er war in den letzten vier Tagen so unterirdisch geworden.“ Unter anderem seien aus dem Umfeld eines Mitbewerbers noch in der Nacht vor dem Wahl-Sonntag Aufkleber auf Mülleimern im Ortsgebiet angebracht worden, die (in Anspielung auf ihren Lebensgefährten, CDU-Fraktionschef Thorsten Schrod) Stimmung gegen eine „Bürgermeisterin Schrod“ hätten. Hast sprach von „vulgären“ Angriffen und von „Hetze“.
Mit nur halb so viel Stimmen wie Hast war Grünen-Kandidatin Claudia Weber derweil besser gelaunt und bezeichnete sich strahlend als „Bürgermeisterin der Herzen“. Weber holte 10,4 Prozent. Der mittlerweile parteilose Ex-Sozialdemokrat Jürgen Kreher erhielt 5,9 Prozent, der ebenfalls unabhängige Sven Diehl 0,9 Prozent.
Alle vier unterlegenen Kandidaten sprachen bereits kurz nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses ihre Empfehlungen für die Stichwahl aus. Hast, Weber und Kreher wollen Jörg Schroeter unterstützen. Sven Diehl wird am 30. August für Marcus Milligan votieren. Für die Münsterer SPD sagte Nina Zeitz, man werde sich in den nächsten Tagen zusammensetzen und über eine mögliche Wahlempfehlung sprechen. Ebenso werde es die Wählergemeinschaft klar! halten, teilte Marco Stix mit. Erwin Vogl, der vor ein paar Wochen seinen Austritt bei klar! verkündet hatte, zunächst ebenfalls unabhängiger Bewerber ums Bürgermeister-Amt werden wollte, dies dann aber doch sein ließ, sagte am Wochenende, er werde am 30. August für Marcus Milligan stimmen.
(Text: jedö)

