
Auf Einladung des Ersten Kreisbeigeordneten Lutz Köhler kamen Vertreter des Stopp Cindy-S e.V. sowie politische Vertreter aus Messel und Erzhausen zusammen, um über die aktuelle Fluglärmsituation im Landkreis infolge der Flugroute CINDY-S zu sprechen. Im Mittelpunkt des breit gefächerten Gesprächs stand zunächst das Ausmaß der Neubelastung: Zehntausende Menschen sind durch die Flugroute CINDY-S in einem bislang nicht gekannten Ausmaß von Fluglärm betroffen. Darüber hinaus ging es um die Qualität und Verlässlichkeit der Daten, die diesen Entscheidungen zugrunde liegen, sowie um die Frage, wie Kommunen und betroffene Bürgerinnen und Bürger besser eingebunden werden können.
Die Teilnehmenden verwiesen auf die große Frustration vieler betroffener Anwohnerinnen und Anwohner angesichts der Flugroute CINDY-S, die sich weiterhin in der “Testphase” befindet, bevor im Herbst über ihre Bewertung entschieden werden soll. Seit ihrer Einführung im Juli 2025 habe die neue Route – so Analysten von Stopp Cindy-S e.V. – erhebliche, nicht beabsichtigte Auswirkungen gezeigt: Der Fluglärm wurde auf Kommunen wie Messel und Groß-Zimmern verlagert, wie es in dieser Form nie prognostiziert wurde, und Erzhausen ist heute deutlich stärker belastet, als die vormals entlasteten Gebiete Arheilgen und Kranichstein es je waren.
Die Teilnehmenden waren sich einig, dass Entscheidungen mit derart weitreichenden Folgen für Tausende von Anwohnerinnen und Anwohnern nur auf einer robusten, überprüfbaren Datengrundlage und unter Einbindung der gewählten kommunalen Vertretungen getroffen werden sollten.
Lutz Köhler, Erster Kreisbeigeordneter des Landkreises Darmstadt-Dieburg: „Entscheidungen, die das Leben so vieler Menschen in unserem Landkreis unmittelbar berühren, müssen auf einer Datenbasis stehen, die für alle Seiten nachvollziehbar und überprüfbar ist. Wo Zweifel an der Datengrundlage bestehen, müssen diese ernst genommen und ausgeräumt werden – das ist für mich eine Frage der Sorgfalt, die wir den Menschen in diesem Landkreis schulden. Ich sehe den anstehenden Herbstsitzungen von FLK und FFR mit Interesse entgegen – als Gelegenheit, alle Sichtweisen zu CINDY-S zu hören und die neuen Lärmdaten zu prüfen und zu bewerten, die vor der Testphase der Route noch nicht vorlagen.“
Martin Unverzagt, 1. Vorsitzender, Stopp Cindy-S e.V.: „An erster Stelle steht für uns, dass die Flugroute CINDY-S viele Tausend Menschen neu belastet und sie mit Fluglärm in einem bislang nie gekannten Ausmaß überzieht. Das ist die zentrale Realität, mit der Zehntausende Menschen in unserer Region seit über einem Jahr leben müssen. Zugleich muss, wer über die Zukunft so vieler Menschen entscheidet, sich auf Daten stützen können, die einer unabhängigen Prüfung standhalten. Unsere eigenen Auswertungen und die Messungen des DFLD zeigen erhebliche Widersprüche zu den Informationen und Daten, die die Fluglärmkommission (FLK) zur Begründung der CINDY-S-Entscheidung herangezogen hat. Diese Widersprüche müssen aufgeklärt werden, bevor weiter an einem Verfahren festgehalten wird, dessen Grundlage nun in Frage steht.“
Bürgermeisterin Claudia Lange, Gemeinde Erzhausen: „Erzhausen gehört zu den Kommunen, die die gravierenden Folgen der CINDY-S-Umsetzung am unmittelbarsten zu tragen haben. Wir akzeptieren nicht, Opfer einer reinen Lärmverlagerung zu sein. Wir sind für faire Lärmverteilung in der Region und wollen uns für echte Lärmminderungsmaßnahmen betreffend den Fluglärm in der Region einsetzen. Es kann nicht sein, dass die kleinen Kommunen und der ländliche Raum, wo die Menschen hinziehen, um Ruhe zu finden, systematisch allein den Fluglärm auffangen sollen.“
Bürgermeister Thorsten Buhrmester, Gemeinde Messel: „Als gewählter Bürgermeister trage ich Verantwortung gegenüber meinen Bürgerinnen und Bürgern. Das Wohlergehen und deren Gesundheit sind mir dabei ein besonderes Anliegen. Es gibt viele Personen, die auch wegen des Fluglärms aus dem Umland in der Vergangenheit bewusst nach Messel gezogen sind. Diese werden nun von „Cindy-S” schwer enttäuscht. Ich habe daher bereits im Forum Flughafen und Region (FFR) und beim Umwelt- und Nachbarschaftshaus (UNH) angeregt, die Abflugrouten sozialverträglich aufzuteilen, um die Region nicht zu spalten, denn wir alle leben auch vom Flughafen. Eine Lösung der Deutschen Flugsicherung (DFS) hinsichtlich alternierender Routen und ein Konsens dazu in der Fluglärmkommission (FLK) wäre mein starker Wunsch.“
Die Teilnehmenden vereinbarten, den offenen Austausch fortzusetzen und sich für eine demokratische, auf verlässlichen Daten beruhende Entscheidungsfindung einzusetzen.
Stopp Cindy-S e.V. veranstaltet am 8. Oktober 2026 im Erzhäuser Bürgerhaus ein Info-Event, um die Öffentlichkeit zu informieren und aktuelle Informationen zu CINDY-S zu teilen (weitere Details folgen in Kürze).
(Text: Gemeinsame Pressemitteilung des Landkreises Darmstadt-Dieburg und Stopp Cindy-S e.V.)

