Was der LaDaDi für naturnahe Bäche tut

Renaturierter Bach. (Foto: LaDaDi, KI-generiert )

Damit Bäche wieder mehr Raum bekommen

Ein Bach ist weit mehr als Wasser, das durch die Landschaft fließt. Er ist Lebensraum für Tiere und Pflanzen, verbindet verschiedene Lebensräume, wie Wiesen und Wälder, und spielt eine wichtige Rolle für den Wasserhaushalt. Doch viele Gewässer wurden in der Vergangenheit begradigt, befestigt, verrohrt oder auf einen schmalen Lauf begrenzt. Dadurch fehlen häufig natürliche Strukturen, die für ein funktionierendes Gewässer wichtig sind.


Renaturierung setzt genau hier an. Ziel ist es, Bächen wieder Bedingungen zu geben, unter denen sie sich möglichst naturnah entwickeln können. Dadurch verbessern sich die Lebensbedingungen von beispielsweise Fischen. Zu einer Renaturierung gehören zum Beispiel ein abwechslungsreiches Gewässerbett, unterschiedliche Fließgeschwindigkeiten, Flachwasserbereiche und tiefere Stellen, bewachsene Ufer sowie ausreichend Raum für eine natürliche Entwicklung. Auch die sogenannte Durchgängigkeit spielt eine wichtige Rolle: Fische und andere Wasserlebewesen sollen sich möglichst ohne künstliche Hindernisse im Gewässer bewegen können.

Der Blick direkt vor Ort

Was ein Bach braucht, lässt sich nicht allein vom Schreibtisch aus beurteilen. Ein wichtiges Instrument des Landkreises sind deshalb die Gewässerschauen. Dabei betrachten Fachleute einzelne Gewässerabschnitte vor Ort. Sie prüfen beispielsweise, ob Ufer stark befestigt sind, künstliche Hindernisse den Bach unterbrechen, Unterhaltungsmaßnahmen notwendig sind oder Möglichkeiten für eine naturnähere Entwicklung bestehen.

Aus diesen Beobachtungen können konkrete Maßnahmen entstehen. Dabei müssen neben Gewässer- und Naturschutz unter anderem Hochwasserschutz, Landwirtschaft, Straßen und Wege, angrenzende Grundstücke und bestehende Nutzungen berücksichtigt werden.

Die Fachleute des Landkreises prüfen und begleiten entsprechende Vorhaben aus wasser- und naturschutzfachlicher Sicht. Je nach Art und Umfang einer Maßnahme arbeiten sie dabei mit Städten und Gemeinden, Wasserverbänden und dem Regierungspräsidium Darmstadt zusammen. Die Untere Naturschutzbehörde bringt insbesondere die Belange von Natur, Landschaft, Lebensräumen und Arten ein. Die Untere Wasserbehörde übernimmt die wasserrechtlichen Aufgaben, die in die Zuständigkeit des Landkreises fallen.

Nicht jede Verbesserung eines Gewässers erfordert dabei ein großes Bauprojekt. Manche Maßnahmen können auch im Rahmen der laufenden Gewässerunterhaltung umgesetzt werden.

Renaturierung direkt vor der Haustür

Wie unterschiedlich solche Maßnahmen aussehen können, zeigen Beispiele aus dem Landkreis. Am Katzengraben in Groß-Zimmern wurde am Katzengrabenwehr eine Fischaufstiegsanlage geschaffen. Sie ermöglicht Fischen und anderen Wasserlebewesen wieder den Wechsel zwischen Katzengraben und Gersprenz. Solche Bauwerke sind notwendig, wenn künstliche Höhenunterschiede im Gewässer für Tiere nicht oder nur schwer zu überwinden sind.

Auch der Erbsenbach, der unter anderem durch Roßdorf und Groß-Zimmern fließt, wurde in Groß-Zimmern renaturiert. In Roßdorf ist eine Verlegung des Erbsenbach vorgesehen.

Am Beerbach, der in Seeheim-Jugenheim entspringt und durch Nieder-Beerbach und Ober-Beerbach fließt, stand ebenfalls die Wiederherstellung der Durchgängigkeit im Mittelpunkt. Dort wurden Wanderhindernisse (künstliche Barrieren wie Wehre, Abstürze oder Rohre, die den Weg für Fische oder kleine Wassertiere versperren) beseitigt und es wurden weitere Maßnahmen umgesetzt, die den Bach ökologisch aufwerten.

Auch am Wembach in Reinheim wurden Abschnitte naturnäher gestaltet. Solche Maßnahmen können nicht nur neue Lebensräume schaffen. Wo ein Gewässer wieder mehr Raum erhält und sich natürlicher entwickeln kann, kann Wasser zudem länger in der Landschaft gehalten werden. Damit kann eine naturnahe Gewässerentwicklung auch zum natürlichen Hochwasserrückhalt beitragen.

Alle drei Bäche gehören zum hessischen Programm „100 Wilde Bäche“, das Kommunen bei der Umsetzung von Renaturierungsmaßnahmen unterstützt. Wer sich für die Bäche im Landkreis interessiert, kann das im Internet unter https://wildebaechehessen.de/ nachlesen.

Jeder Bach braucht eine eigene Lösung

Renaturierung folgt keinem festen Bauplan. In dicht bebauten Bereichen bestehen andere Möglichkeiten als auf freien Flächen. Manchmal können Hindernisse entfernt oder umgebaut werden, an anderer Stelle geht es darum, Uferbefestigungen zurückzunehmen, das Gewässerbett abwechslungsreicher zu gestalten oder dem Bach mehr Raum zu geben.

Welche Maßnahmen möglich und sinnvoll sind, muss deshalb für jeden Gewässerabschnitt einzeln geprüft werden. Genau hier liegt eine wichtige Aufgabe des Landkreises: Die Fachleute beurteilen die Situation vor Ort, begleiten Planungen fachlich und rechtlich und sorgen dafür, dass Gewässer- und Naturschutz bei den Vorhaben berücksichtigt werden.

Die Beispiele zeigen, was daraus entstehen kann: Bäche werden wieder durchgängiger, vielfältiger und als Lebensraum wertvoller. So wird Gewässerschutz ganz konkret vor Ort sichtbar.

(Text: PM Landkreis Darmstadt-Dieburg)