
480 Jahre Fischerzunft Seligenstadt – das ist nicht nur ein beeindruckendes Stück Vereinsgeschichte, sondern auch ein Grund für ein großes Fest. Am Wochenende feierte die älteste Zunft Seligenstadts, gegründet im Jahr 1546, ihr außergewöhnliches Jubiläum rund um das Palatium und direkt am Main. Hunderte Besucher erlebten zwei Tage voller Geschichte, Musik, Geselligkeit und Unterhaltung – und beim traditionellen Fischerstechen durfte natürlich auch eine gehörige Portion Spannung und Spritzwasser nicht fehlen.
Zum Auftakt gab es zunächst zahlreiche Glückwünsche aus Politik, Vereinen und Verbänden. Anschließend griff der Vorsitzende der Fischerzunft, Henrik Beyke, zum Zapfhahn und erledigte den Bieranstich ohne Probleme. Damit war das Fest offiziell eröffnet.
Wer mehr über die lange Geschichte der Mainfischer erfahren wollte, war im Palatium genau richtig. Eine Ausstellung mit historischen Dokumenten, Fotografien und Werkzeugen gab Einblicke in die Entwicklung der Zunft. Alte Reusen, Fischereigeräte, Schwarz-Weiß-Aufnahmen und jahrhundertealte Schriften machten deutlich, wie eng das Leben in Seligenstadt einst mit dem Main und der Fischerei verbunden war. Die Ausstellung stieß auf großes Interesse und wurde von zahlreichen Besuchern besichtigt. Der Höhepunkt des Jubiläumsfestes spielte sich allerdings direkt am Main ab.
Beim traditionellen Fischerstechen, ausgerichtet von den „Letzde Helde“, ging es für zehn Mannschaften um Balance, Geschicklichkeit und vor allem um die Frage: Wer bleibt am längsten stehen? Mehrere Hundert Zuschauer verfolgten am Samstagnachmittag die rund dreistündige Gaudi. Angetreten waren das Baugesindel Seligenstadt, „Die Zwett“ der TGS Handball, die DLRG Seligenstadt, die Fischerzunft Seligenstadt, die Gesellschaft der Freunde, die Helde-Kicker Seligenstadt, der Lauftreff am Friedhof Seligenstadt, das Marktplatzgesindel Seligenstadt, der Schifferverein Mainflingen und die Stadtkapelle Seligenstadt. In der Vorrunde traten die Teams in zwei Gruppen nach dem Modus „Jeder gegen jeden“ gegeneinander an. Die jeweils beiden besten Mannschaften zogen ins Halbfinale ein. Dann wurde es auf den Nachen ernst: Je ein Teilnehmer eines Teams mussten auf einer schmalen Planke am Bug stehen. Zwei von Fischern der Seligenstädter Fischerzunft gesteuerte Nachen bewegten sich langsam aufeinander zu. Mit gepolsterten Stangen versuchten die Kontrahenten, ihren Gegner aus dem Gleichgewicht zu bringen und ins Wasser zu befördern. Mut, Kraft, Geschick und eine gehörige Portion Standfestigkeit waren gefragt. Moderiert wurde das Spektakel von Michael Millitzer, Jürgen Zöller wertete die Ergebnisse aus. Zur Jury gehörten auch der Heimatbundvorsitzender Stefan Emge und Erster Stadtrat Oliver Steidl. Am Ende bewiesen „Die Zwett“ der TGS Handball die größte Standfestigkeit und holten sich den Sieg. Im Finale setzten sie sich gegen die Mannschaft der Fischerzunft durch. Den dritten Platz sicherte sich der Lauftreff am Friedhof Seligenstadt, Vierter wurde der Schifferverein Mainflingen.
Auch wer selbst einmal Fischerstecher sein wollte, musste nicht gleich unfreiwillig im Main baden. An Land warteten zwei wackelige Holzklötze. Ausgerüstet mit kleineren, gepolsterten Stangen konnten sich vor allem die Kinder darin versuchen, den jeweiligen Gegner vom Klotz zu stoßen. Das Angebot wurde mit Begeisterung angenommen.
Für die musikalische Begleitung des Jubiläums sorgten zwei Bands, das Orchester der Stadtkapelle sowie beim Sängerfrühschoppen die Chöre der TGM, der Gesellschaft der Freunde und der Germania 03. So wurde der 480. Geburtstag der Fischerzunft zu einem Fest, das Tradition und Gegenwart auf unterhaltsame Weise miteinander verband. Und der Main zeigte einmal mehr, dass er für die Seligenstädter nicht nur historisch von Bedeutung ist, sondern auch eine perfekte Kulisse für ein fröhliches Jubiläum bietet.
(Text: ah)

