
Es wird das größte und teuerste Straßen- und Kanalbau-Projekt Münsters in den kommenden Jahren: Für voraussichtlich mehr als 10 Millionen Euro und über einen Gesamtzeitraum von sieben Jahren will die Gemeinde dem unterdimensionierten und hydraulisch überlasteten Kanalnetz im Gebiet südwestlich des Bürgerparks Herr werden.
Zwischen Berliner Straße, Egerlandstraße und Im Böhmann liegt nach Starkregen-Ereignissen, wie sie künftig noch häufiger drohen, einer der Hochwasser-Hotspots, wo es oft zu überfluteten Straßen und vollgelaufenen Kellern kommt. Allein dort musste die Münsterer Feuerwehr zwischen 2020 und 2023 – ehe das Rathaus das Großvorhaben anleierte – zu insgesamt 17 Einsätzen aufgrund von Starkregen-Folgen ausrücken. In ihrer ersten Sitzung nach der Sommerpause machten die Münsterer Gemeindevertreter nun den Weg für die ersten beiden Bauabschnitte frei.
Ursprünglich sollten sie 2025 beginnen. Nun wird der Baubeginn für 2027 angepeilt. Die Dauer der Bauarbeiten für die ersten beiden Abschnitte wird auf rund zwei Jahre geschätzt. Konkret gebaut wird in der Brandenburger Straße, der Egerlandstraße und im nördlichen, sich an den Bürgerpark anschmiegenden Teil der Straße Im Böhmann. Stichwort Bürgerpark: Einst wollte die Gemeinde dort ein Regenrückhaltebecken bauen, um die Situation im Viertel zu verbessern. Von dieser – wesentlich günstigeren, in Abstimmung mit einem externen Ingenieurbüro aber als weniger wirkungsvoll eingestuften – Idee kam man zugunsten der jetzt angestrebten Lösung wieder ab.
Sie sieht die Errichtung kaskadenförmiger Staukanäle in den genannten Straßen vor. Deren Oberflächen werden im Anschluss an die Kanalarbeiten ebenfalls neugestaltet. Die Egerlandstraße ist eine wichtige Route zur John-F.-Kennedy-Grundschule und soll in der baldigen Neugestaltung noch sicherer werden. Ehe die Gemeindevertreter am Montag die Planung sowie investive Mittel in Höhe von 2,7 Millionen Euro freigaben, wurde noch über die gewünschte Ausbau-Variante diskutiert.
Dabei ging der Graben zwischen der CDU auf der einen Seite sowie den Fraktionen von SPD, FDP, ALMA-Die Grünen und klar! (plus die zwei anwesenden der drei fraktionslosen Gemeindevertreter) auf der anderen. Die Union plädierte für eine Ausbau-Variante mit Rinnen auf beiden Seiten der Straße, wie sie etwa im Zuge der Neugestaltung der Mozartstraße angelegt worden war. Sie würden „eine sehr gut wahrnehmbare Begrenzung und somit mehr Sicherheit für Fußgänger bilden“, argumentierte Christdemokrat Harald Dorschner.
Diese Rinnen bildeten den wesentlichen Unterschied im Vergleich mit jener Variante, die die anderen Fraktionen favorisierten und letztlich auch beschlossen. In dieser Variante gibt es eine Mittelrinne. Gleich war beiden Varianten (die neben zwei weiteren standen, für die aber kein Gemeindevertreter stimmte), dass sie die Straße auch über Tiefbeete entwässern und Baumrigolen – Baumbeete, die das Wasser gezielt nach unten leiten – mit Überlauf in den Kanal vorsehen.
Wunder dürfen die Anwohner des Bürgerpark-Viertels nach der Umsetzung der ersten beiden Bauabschnitte indes noch nicht erwarten. Das Projekt soll seine volle Wirkung erst nach Abschluss aller fünf Bauabschnitte entfalten, was weitere Jahre und Millionen brauchen wird. Auf Antrag der Wählergemeinschaft klar! verpflichtete das Ortsparlament am Montag per einstimmigem Votum die Verwaltung, gegenüber den Anwohnern in Sachen individuell zu leistender Kosten frühzeitig Informationen preiszugeben. Der eigene Hausanschluss ans Kanalnetz wird schließlich nicht von der Allgemeinheit, sondern von den rund 100 Grundstücks-Eigentümer der betroffenen Straßen zu bezahlen sein. Auf diese dürften Kosten im mittleren vierstelligen Bereich zukommen. Für die Bauverwaltung teilte Katharina Thom mit, die Gemeinde werde den Betroffenen rund anderthalb Jahre vor dem Versand des Kostenbescheids Informationen über den zu erwartenden Betrag zustellen.
(Text: ah)

