Seit heutigen Montag, 31. August, heißt die bisherige Heinrich-Pette-Straße in Bierstadt nun offiziell Hans-Joachim-Jentsch-Straße. Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende hat das neue Straßennamensschild gemeinsam mit dem Ortsbeirat in Anwesenheit von Frau Dr. Doris Jentsch, der Witwe des 2021 verstorbenen Alt-Oberbürgermeisters, feierlich enthüllt.
„Mit der Umbenennung in Hans-Joachim-Jentsch-Straße setzen wir ein Zeichen für eine Stadt, die bewusst Menschen ehrt, die für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit stehen. Hans-Joachim Jentsch war ein herausragender Jurist, Wiesbadener Oberbürgermeister und Ehrenbürger, dessen Wirken uns auch heute noch Vorbild sein kann“, sagt Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende.
Der promovierte Jurist und CDU-Politiker Hans-Joachim Jentsch (1937-2021) war von 1976 bis 1982 Abgeordneter des Deutschen Bundestag, von 1982 bis 1985 Oberbürgermeister von Wiesbaden und von 1987 bis 1990 Mitglied des Hessischen Landtages. Nach der Wiedervereinigung wurde er von 1990 bis 1994 Justizminister im Freistaat Thüringen. 1996 bis 2005 war Richter am Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe. Jentsch war Träger des Großen Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland und Ehrenbürger der Landeshauptstadt Wiesbaden.
Ferner werden folgende sechs Straßen im Wiesbadener Stadtgebiet aktuell umbenannt:
* Christian-Bücher-Straße in Hafenstraße (Schierstein)
* Gerhardt-Katsch-Straße in Anna-von-Doemming-Straße (Bierstadt)
* Heinrich-Pette-Straße in Hans-Joachim-Jentsch-Straße (Bierstadt)
* Jonas-Schmidt-Straße in Am Hof Geisberg (Nordost)
* Elmendorffstraße in Elisabeth-Schwarzhaupt-Straße (Südost)
* Viktoria-Luise-Straße in Eva-Hesse-Straße (Südost)
Zwei Straßen bleiben in ihrem Namen erhalten, erhalten jedoch eine neue Zuordnung des Namensgebers:
* Kronprinzenstraße (Mitte): Der Name wird nicht mehr Kronprinz Wilhelm von Preußen zugeordnet, sondern steht allgemein für das Amt des Kronprinzen.
* Overbeckstraße (Südost): Der Name bezieht sich künftig auf den Maler Johann Friedrich Overbeck (1789–1869) statt auf Friedrich Theodor Overbeck (1897–1972), der die NS-Propaganda in Wiesbaden leitete.
Nachdem das Umbenennungs- und Umwidmungsverfahren erfolgreich abgeschlossen wurde, sind die neuen Straßennamen nun bestandskräftig. Die Anbringung der neuen Schilder findet am Montag, 31. August, und Dienstag, 1. September, statt.
Die Anwohner der betroffenen Straßen wurden schriftlich informiert. Das Bürgerbüro versendete Adressaufkleber für Personalausweise und Fahrzeugscheine; die Kosten hierfür übernimmt die Stadt.
Im Dezember 2020 hatte die Stadtverordnetenversammlung der Landeshauptstadt Wiesbaden die Einsetzung einer Historischen Fachkommission beschlossen, um die Biografien von Namensgeberinnen und Namensgeber Wiesbadener Straßen, Gebäude und Einrichtungen auf ihre Verstrickungen in nationalsozialistisches Unrecht zu überprüfen. Zwischen 2021 und 2023 untersuchte die Kommission, die sich aus Vertreterinnen und Vertretern der Fachwissenschaft, der Stadtpolitik und der Stadtverwaltung zusammensetzte, 71 Biografien und empfahl für 18 Personen eine Umbenennung oder Umwidmung. Die Empfehlungen wurden den Ortsbeiräten zur Diskussion vorgelegt, die ihnen in zwölf Fällen folgten. Für alle anderen Fälle beschlossen sie eine Kontextualisierung.
Die Ergebnisse der Kommissionarbeit und des politischen Prozesses hat das Stadtarchiv Wiesbaden, das als zuständige Fachdienststelle der Verwaltung mit der Betreuung der Historischen Fachkommission beauftragt war, im digitalen Wiesbadener Stadtlexikon festgehalten. Es entwickelte außerdem in Kooperation mit dem Tiefbau- und Vermessungsamt eine interaktive Applikation, die die Ergebnisse in einem Stadtplan visualisiert.
Weitere Informationen unter www.wiesbaden.de/kultur/stadtgeschichte/strassennamen zur Verfügung.
(Text: PM Landeshauptstadt Wiesbaden)


