Mit dem Fahrrad durch Heusenstamm für sichere Wege

Vom Friedhof aus ging es quer durch das Stadtgebiet bis zum Adolf-Reichwein-Gymnasium und anschließend weiter zum Ballspielplatz an der Thurn-und-Taxis-Straße, wo der Korso seinen Abschluss fand. (Foto: ah)

Bunte Fahrräder, klingelnde Fahrradklingeln und jede Menge Kinderstimmen: Zahlreiche Familien haben beim Fahrrad-Korso durch Heusenstamm für bessere Bedingungen für Radfahrer demonstriert. Im Mittelpunkt standen dabei vor allem die jüngsten Verkehrsteilnehmer. Sie sollen sich mit dem Fahrrad sicher, selbstständig und frei durch ihre Stadt bewegen können.


Am Friedhof startete die gemeinsame Tour. Von dort ging es quer durch das Stadtgebiet bis zum Adolf-Reichwein-Gymnasium und anschließend weiter zum Ballspielplatz an der Thurn-und-Taxis-Straße, wo der Korso seinen Abschluss fand. Für die Kinder war die Fahrt dabei mehr als eine Demonstration: Für eine Weile gehörte die Straße ihnen. „Wir wollen, dass sich die Kinder und Jugendlichen sicher, selbstständig und frei bewegen können“, sagte Roland Heidl, ehrenamtlicher Radverkehrsbeauftragter der Stadt Heusenstamm, zum Auftakt. Er setzt sich für eine bessere Radinfrastruktur für Groß und Klein ein. Dabei sieht er durchaus Fortschritte: „Es hat sich schon viel getan in Heusenstamm“, lobte Heidl die Stadtverwaltung und dankte ihr für bereits umgesetzte Verbesserungen. Zugleich machte er deutlich, dass noch einiges zu tun sei.

Eine der Forderungen betrifft die Waldwege rund um Heusenstamm. Deren Oberfläche müsse an vielen Stellen verbessert werden, damit sie auch für Familien und Kinder mit dem Fahrrad besser nutzbar seien. Als konkretes Beispiel nannte Heidl einen Weg westlich hinter dem Gravenbrucher Weg. Auch weitere Bordsteinabsenkungen seien aus seiner Sicht notwendig. Besonderen Handlungsbedarf sieht der Radverkehrsbeauftragte zudem an größeren Kreuzungen. Als Beispiel nannte er die „Alte Linde“, die für Radfahrer sicherer und übersichtlicher gestaltet werden müsse. Hier sei allerdings Hessen Mobil als zuständiger Straßenbaulastträger gefragt.

Nach den Forderungen folgte der praktische Teil: die gemeinsame Fahrt durch Heusenstamm. „Jetzt wollen wir erstmal unsere Runde drehen. Wir wollen vor allem viel Spaß dabei haben, wenn uns die Straße gehört“, sagte Heidl. Damit die Fahrt sicher verlief, gab es vor dem Start noch klare Regeln. Die Teilnehmer sollten geschlossen auf der Straße fahren – ausdrücklich nicht auf dem Gehweg. „Wir fahren auf der Straße, alle zusammen und alle auch gerne nebeneinander“, erklärte Heidl. Der Korso wurde von der Polizei begleitet und abgesichert. Auch bei roten Ampeln sollte der Verband während der gesicherten Demonstrationsfahrt geschlossen weiterfahren. Eltern blieben für ihre Kinder verantwortlich, zugleich sollten alle den Anweisungen der Ordner folgen.

Am Adolf-Reichwein-Gymnasium wurde eine erste Pause eingelegt. Dort konnten sich die Teilnehmer von der bisherigen Strecke erholen, während Straßenmalkreide darauf wartete, von Kindern und Erwachsenen kreativ eingesetzt zu werden. Aus dem Straßenraum wurde so kurzerhand eine große bunte Malfläche.

Das eigentliche Finale wartete anschließend an der Thurn-und-Taxis-Straße. Dort konnten die Kinder den Nachmittag nach der gemeinsamen Tour mit Getränken, Kuchen, Äpfeln und verschiedenen Aktionen ausklingen lassen. Aufkleber und Tattoos waren ebenso begehrt wie der Fahrradparcours. Vor allem aber gab es viel Platz zum Spielen, Radfahren und für Gespräche.

Der Fahrradkorso machte damit auf ein Thema aufmerksam, das viele Familien unmittelbar betrifft: sichere Wege für Kinder. Denn wer möchte, dass Mädchen und Jungen selbstständig mit dem Fahrrad unterwegs sind, braucht sichere Straßen, gut ausgebaute Wege und eine Infrastruktur, die auch den Bedürfnissen der jüngsten Radfahrer gerecht wird. Die Botschaft der Teilnehmer war deshalb ebenso einfach wie deutlich: Heusenstamm hat bereits einiges erreicht – aber der Weg zu einer wirklich fahrradfreundlichen Stadt ist noch nicht zu Ende.

(Text: ah)