Ökokonto im LaDaDi: Ein Sparbuch für die Natur

Straßenbegleitendes Grün mit heimischen Gehölzen und blütenreichen Säumen schafft wertvolle Lebensräume und stärkt die Artenvielfalt entlang von Verkehrswegen. (Foto: Landkreis Darmstadt-Dieburg)

Ob Neubaugebiet, Straße oder Gewerbefläche: Wo gebaut wird, werden Natur und Landschaft häufig verändert. Werden Gebäude und Straßen errichtet, wird Boden versiegelt. Regen und Schnee können nicht mehr versickern, Grundwasserneubildung und Kleinklima verändern sich. Zudem verlieren Pflanzen und Tiere ihren Lebensraum.


Solche Eingriffe in den Naturhaushalt müssen so gering wie möglich gehalten oder durch geeignete Maßnahmen ausgeglichen werden. Ein wichtiges Instrument dafür ist das sogenannte Ökokonto: Es ermöglicht, ökologische Verbesserungen bereits im Vorgriff auf ein späteres Bauvorhaben umzusetzen und so frühzeitig einen Ausgleich zu schaffen.

Das Prinzip ähnelt einem klassischen Sparbuch: Wer eine Fläche ökologisch aufwertet, kann diese Verbesserung nach fachlicher Prüfung als Ökopunkte anerkennen lassen. Solche Maßnahmen können zum Beispiel die Renaturierung eines Bachlaufs, die Entwicklung artenreicher Wiesen, die Anlage einer Streuobstwiese oder die naturnahe Entwicklung anderer geeigneter Flächen sein. Denkbar ist etwa, einen begradigten und verrohrten Bachabschnitt wieder in ein naturnahes, mäandrierendes Gewässerbett zurückzubauen, oder eine intensiv genutzte Ackerfläche in eine extensiv bewirtschaftete, artenreiche Wiese umzuwandeln. Die anerkannten Maßnahmen werden dokumentiert und in Ökopunkten bewertet: Je größer die ökologische Aufwertung einer Fläche, desto mehr Punkte werden ihr gutgeschrieben. Dieses Guthaben bleibt erhalten und kann später, wenn an anderer Stelle in Natur und Landschaft eingegriffen wird, ganz oder teilweise zur Kompensation herangezogen werden.

Naturschutz mit zeitlichem Vorlauf

Der große Vorteil liegt im zeitlichen Vorlauf. Ökologische Maßnahmen müssen nicht erst dann gesucht und begonnen werden, wenn ein Bauprojekt bereits konkret in der Planung ist. Stattdessen können sich neue Lebensräume über Jahre entwickeln. Das kommt der Natur zugute und kann zugleich die Planung für Kommunen und andere Vorhabenträger erleichtern. Gerade bei größeren Bauvorhaben mit langem Planungsvorlauf lassen sich passende Flächen so frühzeitig sichern und entwickeln, was spätere Genehmigungsverfahren erleichtert.

„Das Ökokonto ermöglicht es, Ausgleichsmaßnahmen vorausschauend zu planen. Gute Maßnahmen können sich bereits entwickeln, bevor an anderer Stelle ein Eingriff erfolgt“, sagt Matthias Kisling, Fachgebietsleiter Naturschutz und Landschaftspflege beim Landkreis Darmstadt-Dieburg.

Der Landkreis prüft und bewertet

Eine ökologische Aufwertung wird nicht automatisch zum Guthaben auf dem Ökokonto. Die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Darmstadt-Dieburg prüft, ob die geplante Maßnahme fachlich geeignet ist und nach Vollendung der Maßnahme, welche ökologische Verbesserung tatsächlich erreicht wurde. Anschließend wird die Maßnahme bewertet und entsprechend dokumentiert.

Kommt es später zu einem Eingriff in Natur und Landschaft, kann eine bereits anerkannte Maßnahme im jeweiligen Verfahren als Kompensation berücksichtigt werden. So entsteht ein nachvollziehbares System, das ökologische Aufwertung und bauliche Entwicklung miteinander verbindet: Die Ökopunkte machen messbar, in welchem Umfang eine Maßnahme zum Ausgleich eines Eingriffs beitragen kann, und schaffen damit eine verlässliche Grundlage für Vorhabenträger und Naturschutzbehörde gleichermaßen. Ein Beispiel verdeutlicht das Prinzip: Wird für den Bau eines Wohnhauses eine 100 Quadratmeter große Ackerfläche versiegelt, sind dafür 1.300 Ökopunkte auszugleichen. Dieser Ausgleich lässt sich etwa durch die Anlage von 40 Quadratmetern Auwald, 55 Quadratmetern heimischer Hecken, 60 Quadratmetern naturnaher Grünlandeinsaat und 77 Quadratmetern straßenbegleitendem Grün erreichen. Wie viele Punkte eine Maßnahme erhält, ist dabei keine Ermessensfrage: Grundlage ist eine landesweit einheitliche Biotopwertliste, die jedem Biotoptyp einen festen Wert je Quadratmeter zuweist – ökologisch besonders hochwertige Strukturen wie Auwald oder Hecken erzielen dabei deutlich höhere Werte als etwa extensives Grünland. Die Dauer des Prüfverfahrens hängt von Umfang und Komplexität der jeweiligen Maßnahme ab.

Auch für Privatpersonen interessant

Ein Ökokonto ist nicht nur für Städte, Gemeinden oder Unternehmen interessant. Grundsätzlich können auch Privatpersonen mit geeigneten Flächen Maßnahmen entwickeln, anerkennen lassen und später die Ökopunkte verkaufen. Voraussetzung ist, dass die Fläche naturschutzfachlich aufgewertet werden kann und die Maßnahme die rechtlichen und fachlichen Anforderungen erfüllt. Allerdings müssen diese Naturschutzmaßnahmen auch dauerhaft erhalten werden und benötigen regelmäßige Pflege. Diese dauerhafte Belastung sollten Privatpersonen einkalkulieren.

Für Bürgerinnen und Bürger wird das Prinzip vor allem dort sichtbar, wo neue Lebensräume entstehen: etwa an renaturierten Bachläufen, artenreichen Wiesen oder Streuobstbeständen. Solche Flächen stärken Natur und Landschaft und können gleichzeitig das unmittelbare Umfeld aufwerten.

Kommunen, Unternehmen und Privatpersonen können sich mit Fragen zum Ökokonto, zu geeigneten Maßnahmen und zum Verfahren an die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Darmstadt-Dieburg wenden.

(Text: PM Landkreis Darmstadt-Dieburg)