Tumor in der Speiseröhre: Moderne Endoskopie kann große OP ersparen

Prof. Dr. Dominik Faust, Chefarzt der Klinik für Gastroenterologie der Asklepios Klinik Langen und Dr. S. Hayati, Oberärztin der Klinik für Gastroenterologie. (Fotos: Asklepios)

Jährlich erkranken in Deutschland knapp 10.000 Menschen an Speiseröhrenkrebs. Da die Erkrankung häufig lange kaum Beschwerden verursacht, wird sie oft erst in einem fortgeschrittenen Stadium entdeckt. Umso wichtiger ist es, Warnzeichen wie Schluckbeschwerden, Schmerzen beim Schlucken oder hinter dem Brustbein, häufiges Sodbrennen, Erbrechen oder ungewollten Gewichtsverlust ernst zu nehmen und ärztlich abklären zu lassen.


Wie entscheidend eine frühzeitige Diagnose sein kann und welche Möglichkeiten die moderne Endoskopie heute bietet, zeigt der Fall eines 80-jährigen Patienten der Asklepios Klinik Langen. Er stellte sich mit anhaltenden Bauchschmerzen vor. Eine Blutuntersuchung zeigte zunächst eine Blutarmut. Bei der anschließenden Magen- und Darmspiegelung entdeckten die Ärztinnen und Ärzte überraschend einen Tumor der Speiseröhre.
Die Diagnose war zugleich ein Glücksfall: Das Ösophaguskarzinom befand sich noch in einem sehr frühen Stadium und war auf die oberste Schleimhautschicht begrenzt. Der Tumor konnte deshalb mittels endoskopischer Submukosadissektion (ESD) vollständig und organerhaltend entfernt werden.

„Dass wir den Tumor in einem so frühen Stadium entdeckt haben, war für den Patienten ein großer Glücksfall“, sagt Prof. Dr. Dominik Faust, Chefarzt der Klinik für Gastroenterologie der Asklepios Klinik Langen. „Früh erkannte Ösophaguskarzinome haben nur ein sehr geringes Risiko für Lymphknotenmetastasen. In vielen Fällen können sie vollständig endoskopisch entfernt werden. Die Heilungschancen liegen dann bei 95 bis 100 Prozent.“
Bei der ESD wird der Tumor im Rahmen einer Magenspiegelung mit hochpräzisen Spezialinstrumenten millimetergenau aus der Schleimhaut gelöst und in einem Stück entfernt. Eine Entfernung der Speiseröhre ist bei solchen Frühkarzinomen in der Regel nicht notwendig.

„Die Möglichkeit, Frühkarzinome der Speiseröhre ohne große Operation und mit vollständigem Organerhalt zu behandeln, ist ein bedeutender Fortschritt“, erklärt Dr. S. Hayati, Oberärztin der Klinik für Gastroenterologie. „Für die Patientinnen und Patienten bedeutet das eine deutlich geringere körperliche Belastung, eine schnellere Erholung und meist einen kürzeren Krankenhausaufenthalt.“

Der Eingriff beim 80-jährigen Patienten erfolgte unter schonender Propofol-Sedierung. Bereits zwei Tage später konnte er die Klinik verlassen. Die ambulante Kontrolle vier Wochen nach dem Eingriff bestätigte einen komplikationslosen Heilungsverlauf.
Von der schonenden Behandlung profitieren insbesondere ältere Menschen oder Patientinnen und Patienten mit Begleiterkrankungen. „Operationswunden entfallen vollständig, und die Komplikationsrate ist geringer als nach einer offenen Operation“, so Dr. Hayati.

Entscheidend ist jedoch der Zeitpunkt der Diagnose. Wächst ein Tumor bereits tiefer in die Speiseröhrenwand ein oder hat er Lymphknoten oder andere Organe befallen, wird die Behandlung deutlich komplexer. „Mit zunehmendem Tumorstadium sinken die Heilungschancen deutlich“, betont Prof. Faust. „Deshalb ist die frühe Diagnosestellung entscheidend. Wer anhaltende Schluckbeschwerden oder andere Warnsymptome bemerkt, sollte diese zeitnah ärztlich abklären lassen.“

(Text: PM Asklepios Klinik Langen)