
RP teilt Gemeinde Wegfall des 400-Meter-Abstands zur Höchstspannungsleitung in spe mit
Zwei große Bautätigkeiten sollen perspektivisch im Eppertshäuser Süden stattfinden – eine in mittlerer und eine in fernerer Zukunft. Zunächst plant der Übertragungsnetzbetreiber Amprion im Zuge des Stromnetz-Ausbaus zwischen den Umspannwerken in Urberach und Aschaffenburg eine Trasse für eine Höchstspannungsleitung mit zwei 380-Kilovolt-Stromkreisen. Ihr Bau wird aktuell für den Zeitraum zwischen 2031 und 2035 angestrebt, 2027 soll das zugehörige Planfeststellungsverfahren beginnen.
Später, vielleicht in 15 oder 20 Jahren, könnte südlich der Babenhäuser Straße das nächste Wohnbaugebiet der Gemeinde entstehen. Bislang verringerte das Amprion-Vorhaben die potenzielle Siedlungsfläche zwischen dem Wohngebiet „Auf der Wilze“ im Westen und dem Gewerbegebiet „Im weißen Holz“ im Osten. Wie schon vor den Sommerferien im Bau-, Planungs- und Umweltausschuss der Gemeindevertretung und allgemein von Befürwortern eines möglichst großen Baugebiets erhofft, hat das Regierungspräsidium Darmstadt der Kommune jetzt auch offiziell eine wegweisende Entscheidung mitgeteilt.
Zunächst zum Konflikt: Höchstspannungs-Freistromleitungen wie jene, die aus dem nordwestlich gelegenen Urberach kommen, südlich an Eppertshausen vorbei- und dann über Babenhausen bis nach Aschaffenburg weiterführen soll, nutzen die Wechselstrom-Technologie und erzeugen Spannungen von bis zu 380.000 Volt. Zum Vergleich: Die zwei Leitungen, die Eppertshausen im Süden aktuell passieren, haben eine Spannung von 110.000 Volt, also 110 Kilovolt.
Weil in der aktuellen Energielandschaft beispielsweise Offshore-Windkraftanlagen in der Nordsee viel Strom erzeugen, der auch im Süden der Republik gebraucht wird, muss das Netz entsprechende Kapazitäten bieten. Für den besseren Stromtransport zwischen Hessen und Bayern kommt auch dem Abschnitt zwischen Urberach und Aschaffenburg (wo in separaten Verfahren auch die jeweiligen Umspannwerke erneuert werden müssen) eine wichtige Rolle zu. Die wahrscheinliche Trasse der neuen Leitungen wird jener der bestehenden Leitungen ähneln, könnte im östlichen Bereuch aber etwas weiter nördlich und damit relativ nah am Wohnbaugebiet in spe vorbeiführen.
Das schon bestehende Baugebiet „Auf der Wilze“ dürften die neuen Leitungen in 400 bis 500 Meter Entfernung passieren. Die exakte Trasse steht noch nicht fest, ihr Korridor zeichnet sich aber schon ziemlich klar ab. Weil die neue Höchstspannungsleitung laut Amprion weder lärm- noch spannungstechnisch eine signifikante Belastung künftiger Bewohner des noch unbebauten Siedlungsgebiets (derzeit Felder und Wiesen) darstellen würde, stellte das Land Hessen über sein Regierungspräsidium schon in der ersten Jahreshälfte die Streichung einer bisher begrenzenden Regelung in Aussicht: den 400-Meter-Mindestabstand zwischen Höchstspannungsleitungen und neuen Wohnbaugebieten.
Dies hat die Gemeinde in den Sommerferien vom RP schwarz auf weiß bekommen, was die Verwaltung in der ersten Sitzung der Gemeindevertretung nach der zweimonatigen Gremienpause nun auch den Kommunalpolitikern weitergab. Konkret wird eine Ziffer im Landesentwicklungsplan geändert, wodurch der bisher festgesetzte Mindestabstand zu Höchstspannungsfreileitungen von 400 Metern ersatzlos gestrichen wird. Auf die im Flächennutzungsplan festgelegte Siedlungsfläche im Eppertshäuser Süden hat das die Auswirkung, dass für ein neues Wohngebiet 20 bis 30 Prozent mehr Fläche genutzt werden dürften. Bisher beschnitt die Regelung die Siedlungsfläche um rund ein Drittel. Anders als beispielsweise Garagen oder Schrebergärten hätten Wohnhäuser bislang nicht in näherer Umgebung der geplanten Leitungen errichtet werden dürfen.
Die Eppertshäuser Gemeindevertreter nahmen die größeren Möglichkeiten für das Gebiet südlich der Babenhäuser Straße zur Kenntnis. In diesen Tagen endet zudem die Offenlegung des über Amprion realisierten Vorhabens der Bundesnetzagentur. Das Rathaus hat sich die Planunterlagen näher angesehen und festgestellt, dass diese mit den Informationen übereinstimmen, die Ende Juni zwei Amprion-Vertreter im Bauausschuss präsentierten. Bei den eingereichten Unterlagen handelte es sich vorrangig um Angaben zum Trassenkorridor und zur Abwägung der „umwelterheblichen Belange“.
Die Gemeindevertreter durften nun zur Kenntnis nehmen, dass die Eppertshäuser Verwaltung zum jetzigen Zeitpunkt des Beteiligungsverfahrens keine Anregungen oder Hinweise vorgenommen hat. Mit dem Neubau der Leitung in der mutmaßlichen Trasse könnte Eppertshausen wohl gut leben – und mit mehr optionaler Siedlungsfläche im Süden ohnehin.
(Text: jedö)

