Sonne satt bei der Orwischer Kerb

Die Kerbpuppe wurde bei einem kleinen Umzug mit dem Musikverein 06 und der Schützengesellschaft durch den Ort getragen. (Foto: PS)

Die Orwischer Nationalfeiertage erwiesen sich einmal mehr als ein echter Besuchermagnet. Bei der Urberacher Kerb herrschte auf der Festmeile vier Tage lang Hochbetrieb – vom Auftakt am Freitag bis zum ganz langen Frühschoppen am Montag.


Dabei ist der offizielle Kerbauftakt immer erst am Samstag. Dort lautete das Motto diesmal „Was nicht gleich passt, wird mit viel Phantasie passend gemacht.“ Der Name der Kerbpuppe, die Jahr für Jahr mit Hilfe der Feuerwehr ihren Panoramaplatz hoch über dem Dalles erreicht, wird nämlich streng nach der Reihenfolge des Alphabets ausgewählt. Da war diesmal „P“ an der Reihe, die Kerbmacher wollten aber unbedingt Pfarrer Klaus Gaebler würdigen, der am Jahresende als Pfarrer in Rödermark aufhört und in den Ruhestand geht. Mit dem Namen „Pater Klaus“ wurde diese Klippe gekonnt umschifft. Nachdem die Kerbpuppe bei einem kleinen Umzug mit dem Musikverein 06 und der Schützengesellschaft durch den Ort getragen und am Kerbbaum hochgezogen wurde, meisterten Bürgermeister Jörg Rotter und die Erste Stadträtin Andrea Schülner den obligatorischen Bier- und Ebbelwoianstich souverän mit wenigen Hammerschlägen.

Der im Jahresverlauf kalendarisch gut einsortierte Urberacher Kerbtermin bewährte sich einmal mehr. Bestes Spätsommerwetter bestätigte die örtliche Volksweisheit „Petrus muss ein Orwischer sein!“ Schon beim Start am Freitag war die Festmeile sehr gut gefüllt, zwischen Gallusplatz und dem Stand der Offenen Arbeit standen die Besucher dicht gedrängt, zahlreiche Vereine machten wieder mit. Dies wiederholte sich an den folgenden Tagen.

Beispielsweise am Sonntag, als der Kerbkalender ein zweites Herzstück in Sachen Tradition parat hatte. Kerbvadder Victor Gruhl, der gemeinsam mit 30 weiteren Borsche und Meedsche den 26er-Jahrgang der Strohhut- und Schärpenträger bildete, sparte bei der Kerbspruchverlesung nicht mit Seitenhieben auf die Kommunalpolitik. Die Finanzprobleme der Stadtverwaltung und einschneidende Strukturreformen bei den Kirchengemeinden – das waren zwei zentrale Themen, die zur Sprache kamen. Tenor der dialektsicher, launig-stilvoll und manchmal auch mit nachdenklichen Untertönen vorgetragenen Rede: „Leute, wir leben in einer unruhig gewordenen Zeit…“

Reichlich Lob gab es an den Tischen der großen Open-Air-Festmeile zwischen Dalles und Sparkasse für alle, die sich solch ein Dankeschön redlich verdient hatten: ehrenamtlich engagierte

Vereinsvertreter in großer Zahl, die von Thomas Herrmann angeführte Kerbkommission, Moderator Werner Popp sowie viele helfende Hände aus den Reihen der Stadtverwaltung, die von B wie Betriebshof bis O wie Ordnungsamt wieder logistische und sicherheitstechnische Unterstützung in bewährt umfangreicher Bandbreite garantierte.

(Text: PS)