
Auch für Münster und Eppertshausen zuständig
„Ich bin ein Pfarrer für alle“, verspricht George Arul Jeganathan. Der volle, für hiesige Zungen etwas komplizierte Name des neuen Leitenden Pfarrers von „St. Christophorus, Dieburger Land“ sei an dieser frühen Stelle des Artikels schon letztmals erwähnt. „Nennen Sie mich Pater George!“, hat der 49-Jährige zu Beginn des Interviews vorgeschlagen. So wie er es allen 16.000 Katholiken in Dieburg, Münster, Eppertshausen, Babenhausen, Mosbach und Radheim anbietet, die sich zu Jahresbeginn zur neuen Ostkreis-Pfarrei zusammengeschlossen haben.
Für Dieburger ist Pater George freilich nicht „nur“ der oberste Geistliche innerhalb des neuen Konstrukts. Er ist auch „ihr“ neuer Pfarrer und Nachfolger des von vielen geschätzten (und erstmal vermissten) Alexander Vogl, der nach 20 Jahren in der Gersprenzstadt Anfang September die Leitung einer Gemeinde in Gießen übernommen hat. Gleichzeitig hat sein Nachfolger die Arbeit in Dieburg aufgenommen, wo er im Pfarrhaus Vogls bisheriges Apartment beziehen wird. Die formelle Amtseinführung steht in Kürze an: Im Rahmen eines Gottesdiensts am 20. September (14 Uhr) in der Dieburger Stadtpfarrkirche St. Peter und Paul erfolgt für Pater George praktisch der offizielle Startschuss.
Lernen wir den „Pfarrer für alle“ bis dahin schon ein wenig kennen. Pater George stammt aus einem Dorf in Südindien, „dort bin ich bis zur 8. Klasse groß geworden“, erzählt er in gutem Deutsch. Zeitweise lebten seine Eltern, die als Lehrer arbeiteten, als einzige Christen in einem hinduistisch geprägten Örtchen. Als er 13 war, bekam der von Kindesbeinen an mit dem Katholizismus vertraute Pater in spe die Einladung zu einem Priesterseminar. Vier Jahre später machte er sein Abitur, „danach hatte ich zwei Jahre Zeit für Spiritualität und um richtig Englisch zu lernen“, sagt er und lächelt, als er das Wort „richtig“ betont. In der südindischen Stadt Madurai schloss sich ein dreijähriges Philosophie-Studium am Jesuiten-Kolleg an.
Nochmals drei Jahre verbrachte Pater George anschließend im Nordosten des Subkontinents, wo er in einem Internat mit Schule ein ausgedehntes Praktikum absolvierte. Es folgten zwei Jahre Noviziat in einem anderen Bundesstaat, „da lernt man viel über die Gemeinschaft und die eigene Persönlichkeit“. Danach studierte er drei Jahre lang Theologie in der Millionenmetropole Bangalore. 2006 schlug er das nächste Kapitel auf.
„Ich wollte dann eigentlich in die USA gehen“, erzählt Pater George. Stattdessen sah die Kirche für ihn jedoch eine erste Station in Deutschland vor. „Ich wollte da eigentlich nicht hin“, gibt er im Rückblick zu, „ich konnte damals ja noch kein Deutsch“. Nach einem Jahr im gemeindlichen Dienst in der Kleinstadt Vallendar (nahe Koblenz) kehrte er im Oktober 2007 zunächst zu seiner Weihe nach Indien zurück.
Anschließend wurde der frisch gebackene Priester gefragt, ob er erneut in die Bundesrepublik wolle. Zwei Jahre war Pater George in Essen-Kray tätig, ehe er 2010 zurück ins indische Madurai ging. Dort fungierte er vier Jahre lang als Ehrenrektor für Seminaristen und Philosophie-Studenten, gab aber auch armen Kindern Nachhilfeunterricht. „Ich habe immer beides gemacht: geistliche Arbeit und soziale Arbeit.“
Ende 2015 sollte Deutschland aufs Neue Ort seiner Bestimmung werden: Über eine Vertretung im rheinhessischen Saulheim und eine Station in Schönstadt stieg er 2017 als Pfarrvikar in Lindenfels ein und war damit schon mal in der Nähe seines jetzigen Pfarreigebiets gelandet. Als 2020 ein Anlauf scheiterte, in den Vereinigten Staaten Pastoralpsychologie zu studieren, entschied sich Pater George für ein Vikariat im Bad Homburger Stadtteil Ober-Erlenbach. Parallel dazu widmete er die Hälfte seiner Zeit einem Pastoralpsychologie-Studium an der Philosophisch-Theologischen Hochschule St. Georgen. Das ist mittlerweile fast abgeschlossen, „ich muss nur noch eine mündliche Prüfung machen“.
Obwohl er sich in Ober-Erlenbach „gut eingelebt“ hatte, nahm Pater George das Angebot an, ab September die Leitung der Pfarrei St. Christophorus, Dieburger Land zu übernehmen. „Ich dachte, für die Weiterentwicklung ist das gut.“ Auch wenn die Aufgabe groß und vielfältig sei und er wieder neu beginnen müsse, gehe er doch mit einem guten Gefühl und viel Vertrauen ran: „Mit Gottes Hilfe geht das!“ Zumal er zuvor im Taunus ebenfalls eine Fusion wie die im hiesigen Ostkreis begleitet habe. „Nun wollen wir zusammenwachsen“, schaut er auf die weitere Annäherung der bis Dezember 2025 eigenständigen Gemeinden in Dieburg, Münster, Eppertshausen, Babenhausen, Mosbach und Radheim voraus.
Seinen persönlichen Beitrag dazu will Pater George durch kommunikative Nahbarkeit leisten: „Ich bin ein offener Mensch und eine gute Mischung aus allem“, ist er überzeugt. „Ich bin fröhlich und möchte den Menschen Freude bringen. Wenn Jesus gekommen ist, ist das ja eine frohe Botschaft!“ Er wolle „den Menschen begegnen, zuhören und mit ihnen etwas entwickeln“. Ganz wichtig für den neuen Leitenden Pfarrer: „Kirche soll ein Ort sein, an dem sich alle wohlfühlen!“
(Text: jedö)

