
Drei Tage lang wurde in Rembrücken gefeiert, gelacht und die Gemeinschaft gepflegt. Am Montagabend ging die Kerb schließlich mit der traditionellen Beerdigung des Kerbborschen zu Ende. Noch einmal war der Dorfplatz gut gefüllt, bevor der Kerbborsch unter den Augen zahlreicher Besucherinnen und Besucher den Flammen übergeben wurde.
Das Motto „Unser Dorf hält zusammen“ war dabei nicht nur ein Spruch, sondern zog sich durch die gesamten Festtage. Bereits der Auftakt machte deutlich, was die Rembrücker Kerb ausmacht. Beim Festzug zum Dorfplatz wurde der Kerbbaum von den Alten Herren des TV Rembrücken getragen. Begleitet wurden sie von Kindern aus den Fußball- und Turnabteilungen, den Tenniskindern sowie Mitgliedern der Kinder- und Jugendfeuerwehr. Auch die Feuerwehrkapelle Rodgau und zahlreiche weitere Kerbfreunde schlossen sich dem Zug an. Gemeinsam ging es zum Dorfplatz, wo Bürgermeister Steffen Ball den traditionellen Bieranstich übernahm. Diesmal lief der Fassanstich erfreulich schnell und ohne Komplikationen. Ball zeigte sich entsprechend erleichtert – schließlich hatte er bei früheren Bieranstichen in Rembrücken schon so manche Erfahrung sammeln dürfen. Schnell waren die ersten Gläser gefüllt und das Freibier verteilt. Schon zu diesem Zeitpunkt war der Dorfplatz bestens besucht. Und der Zuspruch sollte während der gesamten Kerb anhalten. Auch Petrus spielte weitgehend mit. Nur am Sonntagmittag sorgte ein kräftiger Regenguss für eine kurze Unterbrechung. Ansonsten blieb das Wetter den Feiernden gewogen.
Für die musikalische Unterhaltung sorgten an den drei Tagen „Sandrock55“, die Feuerwehrkapelle Rodgau, Toni & Mimo sowie die Bläsergruppe „Doppel(s)Pass“. Auch die Chöre der Matthias-Claudius-Schule waren Teil des Programms. Zum Abschluss am Montagabend stand traditionell der Rückblick auf das vergangene Jahr an. Andreas Iserler und Reiner Gündling ließen dabei wieder so manche Begebenheit Revue passieren. Ein Dauerbrenner durfte natürlich nicht fehlen: das weiterhin sehnsüchtig erwartete Glasfaserkabel.
Für deutlich mehr Gesprächsstoff sorgte allerdings ein anderes Thema – der geplante Kerbmontag in Heusenstamm. Iserler nahm die Ankündigung mit typisch Rembrücker Selbstbewusstsein aufs Korn. „Die Rembrücker Kerb ist die Mutter der Heusestämmer Kerb“, stellte er fest. Nun wolle das „Kind“ plötzlich sogar den Kerbmontag übernehmen. Nach 50 Jahren gemeinsamer Geschichte von Heusenstamm und Rembrücken sei schließlich vieles geteilt worden – Rathaus, Verwaltung und Geld. „Aber irgendwo hört die Liebe auf“, lautete die klare Botschaft: Der Kerbmontag bleibe Rembrücker Kulturgut. Bei aller Frotzelei wurde aber auch deutlich, dass die Beziehung zwischen beiden Stadtteilen von Gemeinsamkeit geprägt ist. „Wir haben gestritten, gelacht und vor allem immer wieder mal zusammen gefeiert“, erinnerte Iserler. Was die Rembrücker dabei nie verloren hätten, sei ihr Selbstbewusstsein. Böse Zungen würden sogar behaupten, davon habe man mehr als Einwohner. Anschließend folgte die traditionelle Rembrücker Litanei. Für die Freunde aus Heusenstamm wurde um die Einsicht gebeten, dass man vieles kopieren könne, „aber ein echter Rembrücker Kerbmontag darf nicht“. Bürgermeister Steffen Ball erhielt den Wunsch nach einer ruhigen Hand beim nächsten Fassanstich – verbunden mit der unmissverständlichen Erinnerung, dass ein Bürgermeister, der wiedergewählt werden wolle, bei den Rembrückern besser nicht am Freibier sparen sollte. Auch die Stadtkasse, mögliche Bürgermeisterkandidaten und natürlich die Rembrücker selbst fanden ihren Platz in den Fürbitten. Bewahrt werden sollten vor allem Kerb, Gemeinschaft, Humor und das „gesunde Rembrücker Selbstbewusstsein“.
Und dann durfte natürlich die wichtigste Frage des Abends nicht fehlen: „Wem ist die Kerb?“ Die Antwort war auf dem Dorfplatz ohnehin längst klar. Bei der anschließenden Litanei wurde noch einmal augenzwinkernd sortiert, was „ebbes für uns“ und was „nichts für uns“ ist: gutes Wetter am Kerbmontag – eindeutig „ebbes für uns“, der Mittagsschlaf nach dem Frühschoppen ebenfalls. Lämmerspiel, Passfotos am Ortseingang oder Autofahrer, die hinter dem Blitzer Gas geben, dagegen ganz klar „nichts für uns“.
So verabschiedete sich Rembrücken nach drei ausgelassenen Tagen von seiner Kerb – mit Musik, Humor, viel Gemeinschaft und einer gehörigen Portion Selbstbewusstsein. Oder, wie es an diesem Abend immer wieder deutlich wurde: Die Rembrücker Kerb bleibt eben ein Stück ganz eigener Dorfkultur.
(Text: ah)

