Eppertshausen: Warum Kalac gegen Helfmanns Ehrung stimmte

Ernes Erko Kalac (SPD), selbst Träger des Bundesverdienstkreuzes und seit wenigen Monaten Gemeindevertreter, war im Eppertshäuser Parlament als Einziger dagegen, dass Carsten Helfmann (CDU) zum Ehrenbürgermeister ernannt wird. Fraktionskollegin Annika Schmid stimmte als Einzige SPD-Vertreterin dafür. Vier Genossen enthielten sich. (Foto: jedö)

Im August berichteten wir über die Entscheidung der Eppertshäuser Gemeindevertretung, Carsten Helfmann zum Ehrenbürgermeister zu ernennen. Der Christdemokrat war 22 Jahre lang Verwaltungschef der 6.500-Einwohner-Kommune und ist seit März 2025 Geschäftsführer des Zweckverbands Abfall- und Wertstoffeinsammlung (ZAW).


Während das Parlament für sämtliche andere Ehrenbezeichnungen (so die Ernennung von Ehrenbeigeordneten und Ehrengemeindevertretern aus Reihen der CDU und der SPD) einstimmige Beschlüsse fasste, waren die Sozialdemokraten in der Causa Helfmann gespalten. Nur Annika Schmid votierte für die Auszeichnung, vier Genossen enthielten sich. Einer lehnte es ausdrücklich ab, dass Helfmann im Rahmen eines Parlamentarischen Abends am 5. November in der Bürgerhalle zum Ehrenbürgermeister ernannt wird: Ernes Erko Kalac. In der Sitzung selbst begründete er sein Votum nicht; im Nachhinein hat er es dem Autor dieser Zeilen erläutert.

Kalac sitzt seit den Hessischen Kommunalwahlen im März und der Konstituierung der Eppertshäuser Gemeindevertretung neu für die SPD im Parlament. Im Ort ist er freilich vielen schon viel länger ein Begriff – insbesondere als nimmermüder Gründer und bis heute Vorsitzender des Gesundheits- und Karatevereins Lotus Eppertshausen. Neben den sportlichen Angeboten steht der Verein stets auch für umfassendes soziales Engagement. Dies war einer der Gründe, weshalb Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier dem einstigen montenegrinischen Kriegsflüchtling und Weltklasse-Karateka 2021 das Bundesverdienstkreuz verlieh.

Die Verleihung der Ehrenbürgermeister-Würde an Carsten Helfmann findet der 62-jährige Eppertshäuser aber falsch. Ihm sei „wichtig, dass meine Haltung dabei nicht als persönliche Kritik verstanden wird, sondern als eine politische und demokratische Abwägung“, betont Kalac eingangs. Dann führt er aus: „Ich sehe einen Unterschied zwischen einem hauptamtlichen Bürgermeister, der für seine Tätigkeit entsprechend vergütet wurde, und Menschen, die sich über viele Jahre ehrenamtlich für die Bürgerinnen und Bürger und unsere Gemeinde eingesetzt haben.“

Dieser Unterschied sollte sich aus Kalacs Sicht „auch bei der Bewertung von Ehrungen“ niederschlagen. Gemeindevertreter oder Beigeordnete engagieren sich in Eppertshausen (mit Ausnahme niedriger Sitzungsgelder) unentgeltlich. Hier findet Kalac die Auszeichnungen richtig und zeigte das in der jüngsten Parlamentssitzung auch mit seinem Abstimmungsverhalten.

Gleichzeitig stellt er heraus, er erkenne „selbstverständlich an, dass ein ehemaliger Bürgermeister während seiner Amtszeit große Verantwortung getragen und Leistungen für Eppertshausen erbracht hat“. Diese Verantwortung sei „jedoch Bestandteil seines Hauptamtes“. Für ihn folge daraus „nicht automatisch, dass nach dem Ausscheiden aus dem Amt zusätzlich die Ernennung zum Ehrenbürgermeister erfolgen sollte.“

Bei seiner persönlichen Bewertung spiele außerdem eine Rolle, dass Helfmann während seiner laufenden Amtszeit in Eppertshausen für das Bürgermeisteramt in Rödermark kandidierte, sagt Kalac. „Über seine persönlichen Beweggründe möchte ich nicht spekulieren. Politisch habe ich diese Entscheidung jedoch kritisch gesehen, weil die Bürgerinnen und Bürger von Eppertshausen ihm zuvor ihr Vertrauen für das Bürgermeisteramt ausgesprochen hatten.“ Nach verlorener Wahl in Rödermark setzte Helfmann seine Tätigkeit als Epperzshäuser Bürgermeister fort.

(Text: jedö)