Stadtverordnetenversammlung Rödermark steigt aus dem Vertrag mit der Musikschule aus

Vor der Sitzung der Stadtverordnetenversammlung protestierten Unterstützer der Musikschule für deren Erhalt. (Foto: PS)

Wie erwartet, hat die Stadtverordnetenversammlung in Rödermark beschlossen, den Vertrag mit der Musikschule zum nächstmöglichen Termin zu kündigen. Nach jetzigem Stand fließt somit im kommenden Jahr letztmals ein Zuschuss in Höhe von 120.000 Euro aus dem städtischen Haushalt an die Musikschule. Mehrere Redner betonten in der jüngsten Sitzung jedoch, dass die Kündigung nur vorsorglich ist, damit eine Frist nicht verstreicht. Gemeinsam mit den Verantwortlichen der Musikschule soll nun ein Konzept entwickelt werden, um die Einrichtung zukunftssicher aufzustellen.


Vor der Sitzung hatten sich Unterstützer der Musikschule vor der Kulturhalle versammelt, um gegen die Kündigung des Vertrags zu protestieren. „Musik bleibt“, „Farbe bekennen für kulturelle Bildung“ und „Rettet die Musikschule“ war auf den Plakaten unter anderem zu lesen. Der Großteil der Gruppe verfolgte auch die anschließende Sitzung der Stadtverordnetenversammlung. Nina Wolff, die früher selbst die Musikschule besuchte und deren Tochter dort heute unterrichtet wird, hatte am 30. August auf der Plattform change.org die Petition „Rettet die Musikschule Rödermark!“ gestartet. Die Petition hat mittlerweile über 2.200 Unterschriften. „Ich war selbst bei den Anfängen der Musikschule dabei, habe damals zwei Instrumente gelernt. Auch heute noch bin ich der Musikschule verbunden“, erklärte Nina Wolff ihre Motivation zu der Petition. „Die Musikschule war für mich immer so ein bisschen wie ein Nachhausekommen, weil das einfach ein toller Ort ist. Es geht nicht nur ums Instrumente lernen, sondern auch um Gemeinschaft und Erlebnisse“, sagte Wolff vor der Kulturhalle. Die Musikschule verschaffe Kindern, auch durch Kooperationen, auf verschiedenen Wegen Zugang zur Musik. Musikschulleiter Michael Kaufmann und Reinhard Betz, der Vorsitzende des Trägervereins, hatten im Vorfeld auf die existenzbedrohende Situation aufmerksam gemacht. Unter anderem wiesen sie darauf hin, dass die Schule bereits mit dem derzeitigen Zuschuss an der finanziellen Grenze arbeite und man schon diverse Einsparmöglichkeiten umgesetzt habe.

Nina Wolff überreichte die Unterschriften zu ihrer Petition vor Sitzungsbeginn an die Erste Stadträtin Andrea Schülner (Andere Liste/Die Grünen), der zuständigen Dezernentin für den Vertrag mit der Musikschule. Zweieinhalb Stunden später wurde der Tagesordnungspunkt schließlich nach einer längeren Haushaltsdebatte aufgerufen. Andrea Schülner ließ zunächst noch einmal die Historie des Vertrags zwischen der Stadt und der Musikschule Revue passieren. Der Vertrag besteht seit 1992 und sei letztmals 1994 modifiziert worden. Er verlängert sich jeweils um drei Jahre, wenn er nicht bis ein Jahr vor dem Vertragsablauf gekündigt wird. Dies wäre im November der Fall gewesen. Der Vertrag werde gekündigt, um einen Verhandlungsspielraum zu schaffen. „Damit wir eine gute Ausgangsvoraussetzung haben, um ins Gespräch zu kommen“, argumentierte Schülner. Man benötige offene Verhältnisse, damit Stadt und Musikschule ausreichend Zeit zur Erstellung eines tragfähigen Konzepts haben.

Die schwierige Haushaltslage stelle die Kommunalpoltiker vor „herausfordernde Entscheidungen“, sagte Travis Brößler (CDU). Beschlossen wurde schließlich ein Änderungsantrag von Brößlers Fraktion, der zwar an der vorsorglichen Kündigung des Vertrages festhält, aber den Magistrat beauftragt, „zusammen mit der Musikschule Rödermark Konzepte zu entwickeln, die unter Berücksichtigung der Einsparziele den Erhalt der Einrichtung und des Angebots sichern“. Es soll unter anderem geprüft werden, welche Möglichkeiten für eine verstärkte Zusammenarbeit mit anderen Musikschulen im Kreis bestehen. Die CDU hofft beispielsweise, dass durch Kooperationen und gemeinsame Strukturen Kosten gespart werden können. Die Zusammenarbeit bei Verwaltungsaufgaben, gemeinsame Personalmodelle, die gemeinsame Nutzung von Instrumenten oder Räumlichkeiten sowie gemeinsame Veranstaltungen werden als Beispiele genannt. Dies könne bis zu einem Musikschulverbund mehrerer Kommunen gehen. Travis Brößler wies darauf hin, dass der Kreis Offenbach zehn eigenständige Musikschulen hat, während es im Landkreis Darmstadt-Dieburg eine Kreismusikschule gibt. „Dort werden Strukturen gebündelt und Verwaltungsaufgaben gemeinsam organisiert“, meinte Brößler. Ziel sei es, Möglichkeiten auszuloten und einen Prozess in Gang zu setzen, um der Musikschule eine langfristige Perspektive zu geben.

Die Zukunft der Musikschule beschäftige seit geraumer Zeit die städtischen Gremien, sagte Bürgermeister Jörg Rotter (CDU). Das vorgelegte Konzept der Musikschule sei etwas zu kurz gegriffen gewesen, es brauche weitere Gespräche, in die der neue Fachbereichsleiter eingebunden werde. „Es werden Gespräche stattfinden mit der Schulleitung, die werden nicht angenehm werden. Die Masse, die wir zu verteilen haben, wird nicht mehr, sondern weniger. Das geht uns aber in allen Bereichen so“, meinte der Bürgermeister. Rotter stellte klar, dass die Stadt die Musikschule erhalten will, man könne aber nicht weitermachen wie bisher.

Katja Kümmel (AL/Grüne) begrüßte es, dass nun noch einmal genauer geprüft wird, was alles getan werden kann, um die Zukunft der Musikschule zu sichern. „Wir wissen aber auch: Es wird nicht mehr Geld zu verteilen geben“, sagte Kümmel. In dem von der Musikschule vorgelegten Konzept seien bereits mögliche Kooperationen mit Egelsbach, Dietzenbach und Rodgau ausgelotet worden. Erste Gespräche hätten jedoch ergeben, dass eine Realisierung aus verschiedenen Gründen unrealistisch ist. „Wir finden es dennoch gut, dass noch einmal gemeinsam geschaut wird“, sagte Kümmel.

Hans Gensert (FDP) forderte erneut, dass sich die Musikschule externe Beratung sucht. „Alles, was die CDU jetzt hier beantragt. wurde doch zu 90 Prozent schon gemacht. Die Musikschule braucht jemand, der von außen drauf schaut“, forderte Gensert, dessen Fraktion sich bei dem einstimmigen Beschluss enthielt.

(Text: PS)