
Nachdem die Münsterer Kerb 2025 mit dem Umzug auf den Abtenauer Platz und weitere Innovationen einen großen Umbruch vollzogen und den Zuspruch enorm gesteigert hatte, geizte die Traditionsveranstaltung an diesem Wochenende abermals nicht mit Neuerungen. Erstmals in der Münsterer Kerbgeschichte gehörten dem Kerbjahrgang auch drei Kerbmädels an. Zudem präsentierte sich am Sonntagnachmittag der neue Kerbredner und Nachfolger von Edgar Kreher: Im proppenvollen Zelt gab Martin „Uli“ Leiherer sofort Vollgas. Der Kerbvadder von 2010 schonte unter anderem den künftigen, anwesenden Bürgermeister Marcus Milligan nicht und gönnte sich für die von Maximilian Hotz gereimten Beobachtungen des Lokalgeschehens eine satte Dreiviertelstunde.
In der spielte, wie hätte es anders sein können, die Münsterer Bürgermeister-Wahl eine zentrale Rolle. Unterm Strich recht bekamen alle sechs Kandidatinnen und Kandidaten ihr Fett recht moderat weg. Beim FDP-Bewerber Jörg Schroeter erinnerte Leiherer beispielsweise daran, dass der „Altheim als das schönere Münster“ bezeichnet habe. Sieger Milligan wiederum habe während des Wahlkampfs immer den Donnerstags-Stammtisch des neuen Kerbredners gegrüßt, „nach der Wahl ist wieder Ruh“. Mit einer „Stiefelchen“-Spende könne der angehende Verwaltungschef diesen Höflichkeits-Fauxpas freilich wieder gutmachen.
Dass Leiherer die Aufgabe vom feierlich verabschiedeten „Hadschi“ Kreher übernehmen würde, hatte sich intern bereits vor einigen Monaten herauskristallisiert. Leiherer sei „en klaore Kerl“, sagte am Sonntag Kerbvereins-Vorsitzender Ferdinand Ries, als gerade der Kerbumzug mit 28 Nummern anmarschiert war und der Auftritt des Musikvereins sowie der strömende Regen viele Besucher direkt ins Zelt führten. Der neue Kerbredner verriet wenige Minuten vor seinem Debüt, dass er auf Familienfeiern öfters humorvolle Vorträge halte und das Reden vor Publikum auch als Referent in Arbeitsschutz-Seminares seines Brötchengebers Merck gewohnt sei. „Am Anfang bin ich immer nervös, dann legt sich das aber“, sagte er und machte im Spülzelt letzte Trockenübungen.
Und sonst? Freute sich der Kerbverein erneut über gelungene Veranstaltungen. Für die Live-Musik am Freitagabend habe man fast 400 Tickets verkauft, resümierte Ries. Die Stimmung bei der Proklamation des aktuellen Kerbjahrgangs am Samstagabend sei „super“ gewesen und die Predigt von Kevin Bell im Kerbgottesdienst am Sonntagvormittag habe ihn berührt wie keine zuvor. Im Rahmen des Ereignisses in St. Michael übergab Werner Ellermann, dessen jüngstes und ausverkauftes Buch die Münsterer Kerbgeschichte akribisch aufbereitet, 2.000 Euro Verkaufserlös für Sanierungsarbeiten im katholischen Gotteshaus.
Organisatorisch bewährte sich aus Ries‘ Sicht am Wochenende nicht nur die zusätzliche Bierinsel auf dem Platz, sondern auch die Verlegung des Getränkestands im Zelt in den hinteren Bereich. Im Vorjahr hatten sich direkt vor der Bühne Schlangen gebildet. Alle Hände voll zu tun hatten die Helfer des Kerbvereins auch diesmal: „Das Winzerfest haben wir nicht gemerkt“, konstatierte Ries. Anders als im Vorjahr war das Groß-Umstädter Megaevent diesmal terminlich mit der „Minsdrer“ Kerb zusammengefallen.
(Text: jedö)

