150 Beschäftigte bei Aumovio in Babenhausen setzen starkes Zeichen

Bei strahlendem Sonnenschein machten 150 Beschäftigte bei Aumovio lautstark deutlich: Die Beschäftigten sind bereit, für ihre tariflichen Errungenschaften, eine sichere industrielle Zukunft und eine gerechte Verteilung der Lasten zu kämpfen.(Foto: IG Metall)

Aktive Mittagspause: Großer Unmut über Forderung nach fünf zusätzlichen Arbeitsstunden ohne Bezahlung

Rund 150 Kolleginnen und Kollegen haben sich heute bei Aumovio in Babenhausen an einer aktiven Mittagspause der IG Metall beteiligt. Bei strahlendem Sonnenschein machten sie lautstark deutlich: Die Beschäftigten sind bereit, für ihre tariflichen Errungenschaften, eine sichere industrielle Zukunft und eine gerechte Verteilung der Lasten zu kämpfen.


Großen Unmut lösten insbesondere die Äußerungen des Aumovio-Vorstandsvorsitzenden Philipp von Hirschheydt aus, der eine Verlängerung der Wochenarbeitszeit um fünf Stunden ohne entsprechende zusätzliche Bezahlung ins Gespräch gebracht hatte. Eine solche Forderung trifft bei den Beschäftigten auf entschiedenen Widerstand. Sie würde faktisch eine massive Abwertung ihrer Arbeit und einen tiefen Eingriff in erkämpfte tarifliche Rechte bedeuten.

Tom Kehrbaum, Geschäftsführer der IG Metall Darmstadt, stellte in seiner Ansprache klar: „Fünf Stunden länger arbeiten, ohne dafür auch nur einen Euro mehr zu bekommen – das ist kein Zukunftskonzept, sondern eine massive Umverteilung zulasten der Beschäftigten. Es kann nicht sein, dass diejenigen, die jeden Tag mit ihrer Arbeit, ihrem Wissen und ihrer Flexibilität den Erfolg des Unternehmens ermöglichen, nun allein für die schwierige Situation verantwortlich gemacht werden. Wenn das Management über Jahre strategische Entwicklungen verschlafen, notwendige Investitionen unterlassen oder falsche Entscheidungen getroffen hat, darf die Rechnung dafür nicht bei den Beschäftigten abgeladen werden.“

Auch der Betriebsratsvorsitzende Claus-Dieter Joost wandte sich an die Kolleginnen und Kollegen. Er betonte die Verantwortung der Unternehmensleitung und die zentrale Rolle der Belegschaft für die Zukunft des Standortes: „Unsere Kolleginnen und Kollegen sind nicht das Problem – sie sind ein entscheidender Teil der Lösung. Sie verfügen über die Erfahrung, das Wissen und die Ideen, die für die Zukunft unseres Standortes gebraucht werden. Wer das Unternehmen wirklich voranbringen will, muss die Beschäftigten und ihre Interessenvertretung beteiligen, statt ihnen immer neue Belastungen aufzubürden.“

Einen weiteren wichtigen Akzent setzte Hermann Jansen, ehemaliger Vorsitzender der Vertrauensleute und mittlerweile in Altersteilzeit. Er ordnete die Lage des Standortes in die größeren europäischen Zusammenhänge ein. Europa verfüge weiterhin über eine starke industrielle Basis, hervorragend ausgebildete Beschäftigte, große technologische Kompetenzen und leistungsfähige soziale und demokratische Institutionen. Diese Stärken müssten jedoch durch eine aktive europäische Industriepolitik gesichert und weiterentwickelt werden.

Jansen machte deutlich: Die Transformation der Automobilindustrie darf nicht dem kurzfristigen Renditedenken einzelner Unternehmen und den Marktkräften allein überlassen bleiben. Europa braucht eine gemeinsame Strategie für Investitionen, Infrastruktur, Energie, Innovation und Beschäftigung. Wer industrielle Wertschöpfung erhalten will, muss Zukunftstechnologien fördern und zugleich gute Arbeit, Tarifbindung und Mitbestimmung stärken.

Damit war die aktive Mittagspause nicht nur kämpferisch, sondern auch ausgesprochen informativ. Die Beiträge verbanden die konkrete Auseinandersetzung bei Aumovio mit den grundsätzlichen Fragen nach der Zukunft der Automobilindustrie und einer sozial verantwortlichen europäischen Industriepolitik.

Die rund 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmer ließen keinen Zweifel daran, dass sie bereit sind, die 35-Stunden-Woche und ihre tariflichen Rechte zu verteidigen. Auch mit Blick auf die kommende Tarifrunde wurde deutlich: Die Beschäftigten werden sich einmischen und sichtbar für gute Arbeit, faire Einkommen und soziale Sicherheit eintreten.
Arbeitszeitverlängerungen ohne Lohnausgleich, der Abbau tariflicher Standards und einseitige Opfer der Beschäftigten sind keine Antwort auf die industrielle Transformation. Wer Veränderungen verlangt, muss für Gerechtigkeit sorgen. Sozialabbau wird es mit der IG Metall nicht widerspruchslos geben.

Die heutige Aktion sendete deshalb eine unübersehbare Botschaft an die Unternehmensleitung und die gesamte Arbeitgeberseite: Wir lassen uns unsere 35-Stunden-Woche nicht nehmen. Zukunft entsteht durch Investitionen, Innovationen und Beteiligung – nicht durch unbezahlte Mehrarbeit und Sozialabbau.

Bei dem bundesweiten Aktionstag der IG Metall demonstrierten insgesamt über 175.000 Beschäftigte aus der Automobil- und Zulieferbranche und Entwicklungsdienstleistern. Die IG Metall Darmstadt wird den Betriebsrat, die Vertrauensleute und die gesamte Belegschaft weiterhin mit aller Kraft unterstützen. Der heutige Tag hat eindrucksvoll gezeigt: Die Beschäftigten bei Aumovio stehen zusammen – informiert, selbstbewusst, solidarisch und kampfbereit.

(Text: PM IG Metall)