Heusenstamm seine Kerb feiert rund um St. Cäcilia

(Foto: ah)

Drei Tage lang war rund um die Kirche St. Cäcilia in Heusenstamm wieder ordentlich etwas los. Was im ersten Moment vielleicht etwas ungewöhnlich klingt – dass vor einer Kirche „der Teufel los“ ist –, erwies sich erneut als treffende Beschreibung der Heusenstammer Kerb. Der Kirchplatz mitten in der Stadt wurde auch bei der zweiten Auflage als Kerbplatz bestens angenommen. Gleichzeitig herrschte auf der Frankfurter Straße reges Treiben, wo die Fahrgeschäfte ebenfalls zahlreiche Besucher anzogen.


Ganz pünktlich begann das Fest allerdings nicht. Der für den Bieranstich benötigte Fass kam mit rund einstündiger Verspätung. Die Kerbgäste nahmen es gelassen und warteten geduldig auf den offiziellen Startschuss. Den gab schließlich der stellvertretende Vorsitzende des Heimat- und Geschichtsvereins Heusenstamm, Michael Kern, mit seinem traditionellen Kerbspruch. In gereimter Form schlug er den Bogen zwischen der Geschichte der Stadt, aktuellen Themen und der Kirchweih. Dabei erinnerte Kern daran, dass die Kirche St. Cäcilia am 19. September 1756 geweiht wurde und somit in diesem Jahr ihr 270-jähriges Bestehen feiert. Mit ihrem barocken Glanz und ihrer gräflichen Pracht sei sie ein herausragendes Bauwerk der Stadt. Weniger erfreulich sei dagegen der Zustand des historischen Torbaus. Äußerlich noch ansehnlich, sei dieser im Inneren marode und könne nur noch eingeschränkt betreten werden. Die knappen städtischen Finanzen machten eine Sanierung schwierig. Auch den Zustand mancher Straßen nahm Kern augenzwinkernd aufs Korn. Ob Hoheberg oder Frankfurter Straße – Schlaglöcher und Baustellen sorgten bei Autofahrern nicht immer für Freude. Mit Blick auf den bevorstehenden Bieranstich gab er Bürgermeister Steffen Ball deshalb einen besonderen Rat mit auf den Weg: Beim Zuschlagen solle er gut aufpassen und vor allem nicht zu viel Kraft einsetzen – „Ein Loch im Fass ist genug“.

Doch bei aller Kritik stand für Kern vor allem eines im Mittelpunkt: die Tradition der Kerb und das gesellige Miteinander. Seit drei Jahren könne man in Heusenstamm schließlich sagen: „Kerb is coming home.“ Die Kirchweih sei an ihren früheren Standort zurückgekehrt und solle dort auch bleiben. Mit einem Hoch auf St. Cäcilia, den Torbau, die Stadt und alles, was Heusenstamm zu bieten hat, beendete Kern seinen launigen Kerbspruch. Beim anschließenden Bieranstich musste Bürgermeister Steffen Ball dann keineswegs auf die zuvor erteilten Ratschläge zurückgreifen. Zielsicher versenkte er den Zapfhahn mit wenigen Schlägen im Fass und eröffnete damit offiziell die Kerb. Der anschließende Applaus ging nahtlos in die Musik der „Prossecco Kelscher“ über, die mit ihren Liedern für beste Stimmung sorgten. Danach begeisterte Mimo die Kerbgäste mit seinem musikalischen Programm.

Am Samstagabend übernahmen die „Neuberger Buam“ das musikalische Kommando und sorgten für einen stimmungsvollen Ausklang. Auch abseits des Kerbplatzes gab es ein abwechslungsreiches Programm. Dazu gehörten ein Kindertheater im Haus der Musik sowie ein Konzert der Musikschule in der Kirche St. Cäcilia. Der Sonntag begann mit einem besonderen Höhepunkt: dem Festgottesdienst zum 270-jährigen Jubiläum der Kirche. Anschließend ging es direkt und ohne große Pause zum traditionellen Kerbfrühschoppen über. Für die musikalische Begleitung sorgte die Egerländer Formation des TSV-Blasorchesters. Am Nachmittag wurde es gemütlich. Bei Kaffee und Quetschekuchen konnten die Besucher das Kerbwochenende entspannt ausklingen lassen, bevor sich die Festtage langsam dem Ende zuneigten.

Das Kerbkomitee, bestehend aus der Fußballabteilung und dem Blasorchester des TSV Heusenstamm, der Disharmonie, dem Rugby Club und der Katholischen Jugend, konnte am Ende eine positive Bilanz ziehen. Auch die zweite Kerb auf dem Kirchplatz wurde von den Heusenstammern gut angenommen. Damit hat die traditionelle Kirchweih offenbar endgültig wieder ihren Platz mitten in der Stadt gefunden.

(Text: ah)