Heimwegtelefon in Offenbach: Begleitung in späten Stunden

Symbolbild Park bei Nacht (Foto: spectra auf Pixabay)

Die Tage sind merklich kürzer geworden und der Beginn des Herbstes wird vielerorts mit dem Oktoberfest gefeiert. „Ozapft is“, hieß es bereits im Frankfurter Stadion und vor wenigen Tagen auch in der bayerischen Hochburg. Der Gerstensaft fließt in Strömen und trotz des „Wohl bekomm´s“ bekommt die Stimmung nicht allen. Zumindest in München weiß man vom Grapschen, “Upskirting” oder schweren sexuellen Übergriffen. Dass Alkohol Hemmschwellen nicht nur senken, sondern niederreißen kann, ist allgemein bekannt. Weniger Aufmerksamkeit genießt, dass deshalb nicht nur große Feste wie das Oktoberfest für Frauen mindestens risikobehaftet sind.


In München kümmern sich seit 2003 drei Vereine im Rahmen der Aktion „Sichere Wiesn“ um Prävention, Aufklärung und Hilfe für Mädchen und Frauen. Neben einem „Safe Space“ machen sie unter anderem den Vorschlag, dass sich Frauen bereits vor dem Besuch einen sicheren Heimweg überlegen. „Neben der Täter-Opfer-Umkehr hat dies eine Umdeutung des öffentlichen Raumes zur Folge. Dieser ist nicht mehr uneingeschränkt sicher. Das bestätigen auch die Zahlen aus dem vergangenen Jahr für Offenbach – und darin finden die aktuellen Ereignisse wie jüngst am Marktplatz noch keinen Niederschlag“, erklärt die kommunale Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte Dr. Inga Halwachs. So verzeichnete die Polizei neben einem Anstieg in den Bereichen Exhibitionismus, digital im Internet verübter Taten und des sexuellen Missbrauchs eine Zunahme im Bereich Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung. Dazu zählen sexuelle Übergriffe, sexuelle Nötigung und Vergewaltigung. 70 Fälle wurden im vergangenen Jahr zur Anzeige gebracht. Zum Vergleich: 2023 waren es 66, 2024 sogar „nur“ 58 Fälle.

„Die Zahlen sind das eine“, so Halwachs weiter, „schließlich wissen wir, dass viele Delikte nicht angezeigt werden, dass aber andererseits das Bewusstsein, die sogenannte Awareness, gewachsen ist. Und auch das Unsicherheitsgefühl ist größer geworden. Viele Frauen vermeiden Wege, manche verzichten ganz darauf, abends nochmal aus dem Haus zu gehen. Damit geht nicht nur persönliche Freiheit verloren, es wird Raum ab- und aufgegeben. Damit Frauen auch weiterhin unbeschwert feiern gehen können, haben wir im vergangenen Jahr eine Partnerschaft mit dem Heimwegtelefon mit Sitz in Berlin begonnen. Dort begleiten Ehrenamtliche Anruferinnen bis diese sicher zuhause angekommen sind. Ich freue mich, dass die Begleitung jetzt bis 1 Uhr nachts verlängert wurde. Derzeit gilt das für die Monate September und Oktober, eine Ausdehnung der Zeiten insbesondere in der dunklen Jahreszeit wäre aber mehr als wünschenswert.“

Auch Stadträtin Helena Wolf begrüßt die Ausweitung dieses Angebots und ergänzt: „Das Heimwegtelefon richtet sich an alle Menschen, die sich nachts unwohl fühlen und eine Begleitung wünschen. Es ist ein einfaches Hilfsmittel, das aber eine große Wirkung erzielen kann, insbesondere wenn man oder frau allein unterwegs ist.“

Über das Heimwegtelefon hinaus verweist Halwachs auch auf die Möglichkeit, via WhatsApp oder anderen Messengern den Standort zu teilen sowie auf Apps wie Live360, die den jeweiligen Aufenthaltsort anzeigen. Dabei muss man allerdings immer eine Zeitverzögerung und Funklöcher in Kauf nehmen. Mehr Sicherheit und auch Abschreckung bietet ihrer Meinung nach die nette Stimme am Telefon.

Das Heimwegtelefon ist unter der Rufnummer 030 12074182 (deutschlandweit) erreichbar. Es gelten die Telefongebühren des jeweiligen Mobilfunkanbieters für einen Anruf in das deutsche Festnetz.

(Text: PM Stadt Offenbach)