Hoffnung für eine nahezu ausgestorbene Art: Zuchterfolg bei den Socorrotauben im Zoo Frankfurt

Wenige Tage altes Socorrotauben-Küken. (Foto: Zoo Frankfurt)

Socorrotauben sind in ihrem ursprünglichen Lebensraum ausgestorben und werden zurzeit ausschließlich in Zoos und spezialisierten Zuchtstationen gehalten. Der Zoo Frankfurt koordiniert seit 1995 das Erhaltungszucht-Programm für die Art. Im August gab es bei den mitunter schwer zu züchtenden Tauben dort hochwillkommenen Nachwuchs.


Socorrotauben (Zenaida graysoni) sind sogenannte Inselendemiten, das heißt, sie kommen – besser gesagt, sie kamen – weltweit ausschließlich auf der im Ostpazifik gelegenen und zu Mexiko gehörenden Vulkaninsel Socorro vor. In den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts entdeckt und 1871 wissenschaftlich beschrieben, verschwand die Art innerhalb weniger Jahre, nachdem auf der ehemals unbewohnten Insel 1957 eine Station der mexikanischen Marine errichtet worden war. Als Expeditionen der kalifornischen Akademie der Wissenschaften in den 1980er Jahren keine wildlebenden Socorrotauben mehr nachweisen konnten, wurde das „Projekt Socorrotaube“ gestartet. Dieses besteht im Wesentlichen aus zwei Säulen: einem international angelegten Erhaltungszucht-Programm des europäischen Zooverbandes EAZA (Ex-situ Programm, EEP) sowie der Wiederherstellung der Lebensgrundlagen für die eleganten kupferfarbenen Tauben auf ihrer Heimatinsel.

„Dass jetzt ein Küken dieser in der Natur ausgestorbenen Taubenart im Frankfurter Zoo geschlüpft ist, ist ein großer Zuchterfolg, der nicht zuletzt dem großen Engagement des Zoo-Teams zu verdanken ist. Der Frankfurter Zoo koordiniert das EEP für die Socorrotaube seit vielen Jahren. Es ist daher umso schöner, dass wir mit der Nachzucht dieses Jahr ganz unmittelbar einen weiteren Beitrag zur Erhaltung dieser extrem seltenen Art leisten können“, sagte Ina Hartwig, Dezernentin für Kultur und Wissenschaft.

„Das Küken – ein Weibchen – ist am 10. August geschlüpft. Unser genetisch wichtiger Täuber ist bereits sieben Jahre alt und eigentlich schon in der postreproduktiven Phase. Ihn mit dem deutlich jüngeren Weibchen zur Zucht zu bringen, setzt viel Erfahrung beim Tierpflegeteam mit den anspruchsvollen Tieren und ein genaues Beobachten der Individuen voraus. Damit es mit der Paarung klappt, haben wir unsere Haltung Stück für Stück an die Bedürfnisse unserer beiden Vögel angepasst“, sagte Simon Rohner, Kurator im Zoo Frankfurt und dort für die Vogelhaltung verantwortlich.

In EAZA-Zoos werden derzeit 153 Socorrotauben gehalten. Insgesamt sind weltweit nur 222 Tiere dieser Art in Zoos und Vogelparks gelistet. Aktuell arbeiten Europäische Zoos zusammen mit wissenschaftlichen Instituten und der Regierung in Mexiko sowie weiteren internationalen Partnern wie der Weltnaturschutz-Union (IUCN) und der Zoological Society of London (ZSL) daran, den Lebensraum der Tauben auf Socorro wiederherzustellen.

Durch eine Kooperation mit der für die Insel verantwortlichen mexikanischen Marine konnten bereits einige Maßnahmen umgesetzt beziehungsweise angegangen werden. So gibt es zum Beispiel ein Projekt mit dem Ziel, die in der Vergangenheit von Bewohnerinnen und Bewohnern der Militärbasis mitgebrachten und dann verwilderten Katzen von der Insel zu entfernen. Bei den ebenfalls verwilderten Schafen, die zu negativen Veränderungen des Lebensraums der Socorrotaube geführt hatten, ist dies bereits gelungen. Damit wurde eine Grundvoraussetzung für die geplante Wiederansiedlung der Tauben auf Socorro erfüllt.

Seit vielen Jahren wird daran gearbeitet, junge und zuchtfähige Tauben aus europäischen Zoos nach Mexiko zu bringen, um auch dort wieder eine sich reproduzierende Population aufzubauen. Solche internationalen Transfers unterliegen jedoch diversen Hürden, wie etwa Regelungen zum Schutz vor Tierseuchen, und sind daher hoch komplex und langwierig in Planung und Umsetzung. Dennoch ist es dem Projekt vor einigen Jahren gelungen, einige Socorrotauben nach 40 Jahren erstmals wieder in einen Zoo auf dem mexikanischen Festland zurückzubringen.

(Text: PM Zoo Frankfurt)