In einem umfassenden Konzept für ihre 21 kommunalen Friedhöfe hat die Landeshauptstadt Wiesbaden erstmals untersuchen lassen, welche Bedeutung diese Flächen derzeit für Wiesbaden haben und welche sie in Zukunft haben können. Ziel ist es, die Friedhöfe bedarfsgerecht, wirtschaftlich, ökologisch und planerisch weiterzuentwickeln.
Die Landeshauptstadt reagiert damit auch auf veränderte Bestattungswünsche ihrer Bürgerinnen und Bürger. Sie berücksichtig zugleich die größer werdende Bedeutung von Friedhöfen für das Stadtklima und als Erholungsort. Das Konzept, das Bürgermeisterin Christiane Hinninger mit dem beauftragten Planungsbüro vorgestellt hat, sieht den Erhalt aller Friedhöfe vor.
Bürgermeisterin Christiane Hinninger sagt: „Friedhöfe sind wichtige Erinnerungsorte für Angehörige. Friedhöfe sind aber auch grüne Rückzugsorte mitten in unserer Stadt – sie bieten Raum für Erholung, für Artenvielfalt und leisten einen wichtigen Beitrag zur Klimaanpassung. Wir wollen die Friedhöfe besser in vorhandene städtische Grünzüge einbinden und ihre ökologischen Funktionen beispielsweise durch naturnahe Pflege, durch Blühwiesen und klimaangepasste Pflanzen weiterentwickeln. Gleichzeitig müssen die Friedhofsgebühren, mit denen Pflege, Gebäude und Ausstattung finanziert werden, dauerhaft bezahlbar bleiben.“
Gabriele Wolter, Leiterin des Grünflächenamtes, betont: „Weil sich die Bestattungskultur wandelt, steigt der wirtschaftliche Druck auf die Friedhöfe. Wir wollen sie so weiterentwickeln, dass wir ihre ökologischen Qualitäten und ihre Funktion als Aufenthaltsort stärken und zugleich den Trauernden den Raum und die Ruhe lassen, die sie brauchen.“
Aufgrund der demografischen Entwicklung wird die Anzahl der Bestattungen bis 2040 leicht steigen. Allerdings wird der Anteil an (flächensparenden) Urnenbestattungen, die sich in Wiesbaden bereits auf einem hohen Niveau (rund 80 Prozent) befinden, weiter zunehmen. In der Folge wird der Bedarf an Bestattungsfläche weiter sinken. Viele Angehörige wünschen sich zudem Grabstätten, die wenig oder keine eigene Pflege erfordern.
Da kleinere Grabstätten weniger Platz benötigen, lassen sich Räume neu ordnen. Nach Ablauf von Ruhefristen entstehen beispielsweise zusammenhängende Grünflächen. Diese können als naturnahe Wiesen oder ruhige Aufenthaltsbereiche gestaltet werden: ein Gewinn für Tiere, Pflanzen und Menschen. Die Planung benennt konkrete Ansätze, um die Aufenthaltsqualität weiter zu verbessern, wie zum Beispiel die Pflege und Instandhaltung der Gebäude und Grünflächen. Der vorhandene Baumbestand und die unversiegelten Böden leisten zudem einen wichtigen Beitrag zum Stadtklima.
Der Entwicklungsplan hat auch den Zustand der Trauerhallen untersucht. Je nach Standort werden Sanierungen, Anpassungen oder alternative Nutzungen empfohlen. Denkbar sind kulturelle Veranstaltungen wie Lesungen oder Konzerte – sofern dies mit dem Charakter des jeweiligen Friedhofs vereinbar ist. Wie Gebäude zukünftig genutzt werden können, wird für jeden Standort einzeln entschieden.
Die Bevölkerung wurde bereits in die Planung einbezogen: 2025 konnten Interessierte online sowie über digitale Abstimmungsgeräte auf fünf Friedhöfen und im Bürgerbüro ihre Vorstellungen einbringen. Die Rückmeldungen sind in das Konzept eingeflossen. Sie zeigen: Die Wiesbadenerinnen und Wiesbadener besuchen Friedhöfe nicht nur zur Grabpflege und zur Trauerarbeit, sondern auch zunehmend zur Erholung. Viele von Ihnen schätzen den parkartigen Charakter dieser Orte und können sich vorstellen, die Friedhöfe künftig noch stärker für kulturelle und bildende Angebote zu öffnen.
Die Friedhofsentwicklungsplanung ist noch nicht beschlossen. Die Ergebnisse werden nun den Ortsbeiräten in gesonderten Informationsveranstaltungen vorgestellt, anschließend geht sie in die Gremien. Das Konzept dient als fachliche und strategische Grundlage für die weitere Entwicklung: Die einzelnen Maßnahmen oder Gebührenänderungen werden in separaten Entscheidungen nach Dringlichkeit geordnet den politischen Gremien vorgelegt.
Der Friedhofsentwicklungsplan kann abgerufen werden unter www.friedhoefe-wiesbaden.de.
(Text: PM Landeshauptstadt Wiesbaden)

