
Die „Alltagshelden“-Workshops des Vereins Tuğçe Albayrak e.V. werden ab 2026 als dauerhaftes Angebot in den Offenbacher Methodenkoffer integriert. Ein erfolgreicher Pilotversuch, der von der städtischen Lenkungsgruppe Prävention initiiert wurde, ging dieser Entscheidung voraus.
Die tragische Geschichte von Tuğçe Albayrak erregte 2014 weltweit Aufsehen: Die junge Lehramtsstudentin setzte sich auf dem Parkplatz eines Offenbacher Schnellrestaurants mutig für Jugendliche ein und wurde dabei tödlich verletzt. Ihr Vermächtnis lebt in den „Alltagshelden“-Workshops weiter. Die vom Verein Tuğçe Albayrak e.V. an drei Schulen durchgeführten Pilot-Workshops wurden durch den „Offenbacher Methodenkoffer“ finanziert. Angesichts der positiven Resonanz bei den jungen Teilnehmenden und den Lehrkräften werden sie nun dauerhaft in das Angebot des Methodenkoffers aufgenommen.
Die vierstündigen Workshops werden von Theaterpädagogen des Vereins Tuğçe Albayrak e.V. umgesetzt. „Im Zentrum steht die Frage, wie junge Menschen in schwierigen Situationen besonnen, empathisch und verantwortungsvoll handeln können – ohne Gewalt und ohne sich selbst in Gefahr zu bringen“, erklärt Doğuş Albayrak, Vorsitzender des Vereins und Bruder von Tuğçe Albayrak. „Dabei geht es um Aufmerksamkeit, Kommunikation, Gruppendynamiken und die Fähigkeit, Konflikte frühzeitig zu deeskalieren.“
Oft teilt Doğuş Albayrak die Geschichte seiner Schwester persönlich. Die Workshops bauen auf dieser Erzählung auf und gliedern sich in mehrere, interaktive Phasen: Zunächst wird die Originalszene gemeinsam mit den Jugendlichen nachgestellt, sowie aktiv deeskalierende Handlungselemente erprobt und eingebaut. Anschließend entwickeln die Theaterpädagogen mit den Teilnehmenden eigene, alltagsnahe Szenarien, die Zivilcourage und mutige Interventionen erfordern. Dabei werden sowohl „Worst-Case“- als auch „Best-Case“-Varianten durchgespielt. „Wir erleben immer wieder, dass das Thema in Offenbach für die Schülerinnen und Schüler besonders greifbar ist. Dadurch entsteht eine intensive Reflexion, von der die gemeinsame Arbeit spürbar profitiert“, so Albayrak weiter.
„Diese tief bewegende Geschichte einer jungen Frau, erzählt von ihrem Bruder – das berührt die Teilnehmenden. Sie öffnen sich den Theaterpädagogen, lassen sich auf die Rollenspiele ein und entwickeln gemeinsam alternative Konfliktlösungen, die auch später im Schulalltag aufgegriffen werden können“, betont Zehra Ergi, Koordinatorin und Projektleitung des Offenbacher Methodenkoffers zur Gewaltprävention beim Jugendamt. Sie begleitete die Pilotphase an der Mauerfeldschule, der Käthe-Kollwitz-Schule und der Albert-Schweitzer-Schule. Der Methodenkoffer konnte bereits dieses Jahr von den Schulen zur Finanzierung beantragt werden.
„Als Herr Albayrak die Alltagshelden-Workshops in der Lenkungsgruppe Prävention, dem zentralen Präventionsgremium der Stadt Offenbach, organisiert vom Ordnungsamt, vorstellte, war das Interesse aller Anwesenden sofort geweckt“, erinnert sich Erik Geisler, Amtsgerichtspräsident und Vorsitzender des Förderverein Sicheres Offenbach e. V. „Das besondere Format mit dem theaterpädagogischen Ansatz, die positive Resonanz aus der Pilotphase, vor allem aber auch der enge Bezug zu Offenbach und die damit verbundene Authentizität, die Herr Albayrak ausstrahlt, machen die Workshops so besonders. Es freut mich, dass sie den Offenbacher Methodenkoffer um ein weiteres wertvolles Angebot ergänzen.“
Für Doğuş Albayrak schließt sich damit ein Kreis: „Unsere Erfahrungen an den Offenbacher Schulen waren durchweg positiv. Dass die Tat an meiner Schwester damals in Offenbach geschah, verleiht der Arbeit für mich persönlich eine tiefe Bedeutung. Umso wichtiger ist es mir, heute genau hier mit jungen Menschen über Zivilcourage und Selbstschutz zu sprechen.“ Seinen Dank richtet Albayrak dabei auch an das Jugendamt und den Förderverein Sicheres Offenbach für die Zusammenarbeit und die Finanzierungsmöglichkeit der Workshops an den Schulen.
Über den Förderverein Sicheres Offenbach (FVSOF e.V.)
Der FVSOF e.V. engagiert sich seit seiner Gründung 2002 für die Erhöhung der Sicherheit in Offenbach und unterstützt Projekte und Initiativen, die zur Kriminalprävention und Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements beitragen. Durch die Finanzierung weiterer Präventionsprojekte neben dem Methodenkoffer, wie den nahezu flächendeckend an Offenbacher Schulen stattfindenden Kompetenztrainings des People‘s Theaters, konnten zusätzlich mehr als 16.000 Schülerinnen und Schüler erreicht werden.
(Text: PM Stadt Offenbach)
