300 Zuschauer begleiten die Amtseinführung des neuen Münsterer Bürgermeisters Marcus Milligan

Beim Amtseid: Marcus Milligan (r.) ist nun auch offiziell der neue Münsterer Bürgermeister. Links Parlamentschef Thomas Heinz, in der Mitte die Erste Beigeordnete Denise Hast. (Foto: jedö)

„Das wird nicht leicht für Dich!“ „Sie wissen noch nicht, was auf Sie zukommt!“ Wollte man das Bild verzerren, könnte man aus den acht Grußworten zur Einführung von Marcus Milligan ins Amt des Münsterer Bürgermeisters derlei bedenkenschwere Prognosen herauspicken. Wer aber das volle Bild von der Veranstaltung vor 300 Zuschauern in der Kulturhalle zeichnen will, muss auch die vielen Unterstützungsversprechen und positiv gestimmten Ausblicke auf den drei Tage später folgenden Start der Amtszeit erwähnen. Bis 2032 darf der 37-Jährige, der Ende 2025 aus der CDU ausgetreten war und sich am 30. August als parteiloser Bewerber in der Stichwahl knapp gegen den FDP-Kandidaten Jörg Schroeter durchgesetzt hatte, fortan die Geschicke der mehr als 14.000 Einwohner großen Gemeinde leiten. Dabei wolle er „ein Bürgermeister für alle Bürgerinnen und Bürger“ sein, ob aus Münster, Altheim oder Breitefeld.


„Es ist ein besonderer Moment für mich“, sagte Milligan nach den vielen ermutigenden Worten seiner Vorredner. Er habe „großen Respekt vor der Aufgabe“. Der gelernte Bankkaufmann, verheirateter Vater dreier Kinder und bis März auch Vorsitzender der Gemeindevertretung, wechselt als bisher ehrenamtlicher Kommunalpolitiker nun auf die hauptamtliche Verwaltungsseite. Er wolle trotz seiner inhaltlichen Vorkenntnisse deshalb in der Zusammenarbeit der Rathaus-Belegschaft „lernen“. Neben dem Führen der Münsterer Verwaltung muss Milligan auch mit den Mitgliedern des Gemeindevorstands und den fünf Fraktionen (sowie drei fraktionslosen Gemeindevertretern) des Ortsparlaments möglichst oft auf einen Nenner kommen. Oder mit ihnen zumindest dort gesittet unterschiedlicher Meinung sein, wo man in der Sache partout nicht zueinander finden kann.

Dass Milligan aufgrund seiner Parteilosigkeit per se erstmal keine Münsterer Fraktion im Rücken hat, war dann auch einer der Gründe für die eingangs dieses Artikels zitierte Aussage, die der langjährige Gemeindevertreter (und Ex-Bürgermeister-Kandidat der ALMA) Gerhard Bonifer-Dörr machte. Das zweite Zitat stammt von CDU-Vize-Landrat Lutz Köhler, der vor allem hervorhob, dass es als Verwaltungschef mit Feierabend, Freizeit und Privatleben nicht mehr allzu weit her sein wird. Was im Saal auch Vanessa Milligan, deren Familienname der gebürtige Marcus Agnes durch Heirat angenommen hatte, vernahm. Sie dürfte das freilich schon im vergangenen Jahr reiflich abgewogen haben.

Zuspruch erfuhr Marcus Milligan unter anderem von den evangelischen Geistlichen Joachim Fuchs (Münster) und Alida Euler (Altheim), Regina Schindler-Christe (für die katholische Pfarrei „St. Christophorus, Dieburger Land“, in der Anfang 2026 auch die Münsterer Pfarrgemeinde St. Michael aufgegangen ist), Bürgermeister-Kollege Sebastian Bubenzer (Alsbach-Hähnlein) und Micha Blitz vom Personalrat der Gemeinde-Bediensteten.
Erika Matheis, Vorsitzende des Musikvereins, sprach stellvertretend für die Ortsvereine und wünschte sich für deren Arbeit Milligans „zielgerichtete Unterstützung“. Die Erste Beigeordnete Denise Hast (CDU), die im ersten Wahlgang Anfang August deutlich hinter Milligan gelandet war und sogar die Stichwahl verpasst hatte, betonte: „Jetzt bin ich nicht mehr deine Gegnerin!“ Sie reichte ihm nicht nur im übertragenen Sinne die Hand zur gedeihlichen Zusammenarbeit, sondern umarmte ihn auch ganz unmittelbar und herzlich.

Noch einmal Gedenken an den verstorbenen Joachim Schledt

Das Herz dürfte dem ein oder anderen auch im Gedenken an den verstorbenen Amtsvorgänger Joachim Schledt aufgegangen sein, der auf den Tag genau sechs Jahre vor Milligan in seine erste Amtszeit eingeführt worden war. Ihm gedachten die Menschen im Saal noch einmal mit einer Schweigeminute. Zu ihr hatte Parlamentschef Thomas Heinz (CDU) aufgerufen, denn Milligans Ernennung und Vereidigung fand formal im Rahmen einer Sitzung der Gemeindevertretung statt. In ihr gab Heinz auch bekannt, dass gegen die Wahlen am 9. und 30. August weder Ein- noch Widersprüche oder anderweitige Stellungnahmen eingegangen seien, die womöglich die Gültigkeit des demokratischen Verfahrens infrage gestellt hätten.

(Text: jedö)