Stadt Frankfurt feiert Tag der Deutschen Einheit mit Sebastian Krumbiegel in der Paulskirche

Sebastian Krumbiegel gestaltete den Tag der Deutschen Einheit in der Paulskirche musikalisch. (Foto: Chris Christes)

Vom Zusammenwachsen und Zusammenhalten

Ein Musiker, ein Flügel und viele Lieder über Demokratie, Haltung und Verantwortung: Sebastian Krumbiegel hat die Feierstunde der Stadt Frankfurt zum Tag der Deutschen Einheit am Samstag, 3. Oktober, in der Paulskirche auf seine ganz eigene Weise geprägt. Der Sänger, bekannt von der Band „Die Prinzen“, verband seine Musik mit persönlichen Gedanken darüber, was eine Gesellschaft zusammenhält und was jeder Einzelne dazu beitragen kann.


Auch Oberbürgermeister Mike Josef, der die Gäste begrüßte, stellte den gesellschaftlichen Zusammenhalt in den Mittelpunkt seiner Rede. Er erinnerte an Willy Brandts berühmten Satz „Jetzt wächst zusammen, was zusammengehört“ und betonte dabei das Wort „wächst“. Denn auch mehr als drei Jahrzehnte nach der Wiedervereinigung bleibe gerade das Zusammenwachsen eine große Aufgabe. „Ein geeintes Land sind wir inzwischen. Aber einig? Davon kann inzwischen immer weniger die Rede sein“, sagte der Oberbürgermeister. „Traurige Tatsache ist, dass die beiden Teile Deutschlands analog zur Gesellschaft insgesamt seit einiger Zeit wieder auseinanderdriften. Es wächst nicht weiter zusammen, was zusammengehört, es entfernt sich vielmehr.“

Josef warnte aber davor, das Erreichte schlechtzureden und gesellschaftliche Debatten von Resignation bestimmen zu lassen. Stattdessen brauche es wieder mehr Vertrauen darin, dass Veränderungen möglich seien. „Wir alle brauchen wieder diesen Optimismus, dass man die Situation zum Besseren wenden kann. Das gilt für Ostdeutsche wie für Westdeutsche. Es gilt für unser ganzes Land.“

Lieder über Haltung und Verantwortung

Krumbiegel griff viele dieser Themen musikalisch auf, unter anderem mit seinen Liedern „Die Demokratie ist weiblich“, „Ich bin dafür“ und „Nicht nochmal“. Mit seinen Liedern richtete er den Blick nicht nur auf die Demokratie, die er als etwas Wertvolles und Verletzliches ansieht und um die sich die Menschen kümmern müssen, sondern auch darauf, wofür Menschen einstehen sollen, statt nur dagegen zu sein. Zudem erinnerte Krumbiegel an die deutsche Geschichte und stellte die Frage, welche Verantwortung daraus für das eigene Handeln heute erwächst.

„Ich bin 23 Jahre in der DDR aufgewachsen“, sagte der in Frankfurts Partnerstadt Leipzig geborene Musiker. Meinungsfreiheit und Kunstfreiheit habe es dort damals nicht gegeben. Er selbst habe als junger Mann immer vorsichtig sein müssen, was er sagt und singt. „Deshalb weiß ich unseren freiheitlichen, demokratischen Rechtsstaat sehr zu schätzen.“ Gleichzeitig wisse er aber auch, dass Demokratie kein Selbstläufer sei. „Umso wichtiger ist es, dass wir dafür geradestehen.“

Krumbiegel wies außerdem darauf hin, dass er ein großer Fan des Grundgesetzes sei. Artikel 1 des Grundgesetzes „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ sei der schönste Satz, den er kenne. „Denn dabei geht es um alle Menschen, egal welcher Herkunft“, sagte Krumbiegel. „Diesen Satz müssen wir alle leben.“

Neben seiner Musik engagiert sich Krumbiegel seit vielen Jahren gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit sowie für eine offene Gesellschaft. Für sein gesellschaftliches Engagement erhielt er den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland. Zudem gehört er dem Kuratorium des Europäischen Paulskirchenpreises für Demokratie an, den die Stadt Frankfurt im Mai dieses Jahres erstmals verliehen hat.

Oberbürgermeister Josef stellte ebenfalls heraus, dass es auf den Beitrag jedes Einzelnen ankomme: „Die Demokratie lebt davon, dass Menschen sich engagieren und in einem aktiven Aushandlungsprozess ihre eigenen Möglichkeiten und Wirksamkeit erfahren. Diese Selbstwirksamkeit schafft Vertrauen in staatliche Strukturen. Wir müssen also eine offene Debatte führen und zeigen, dass wir gemeinsam weiter an unserer Demokratie glauben.“

Trotz seines kritischen Blicks auf die aktuelle Stimmung im Land richtete Josef den Blick auch nach vorne. „Wir haben die Wende damals gemeistert und ich glaube, dass wir die Stimmung ändern und das Auseinanderdriften stoppen und wieder zu einem Zusammenwachsen kommen können“, sagte Josef. „Ich bin und bleibe nicht nur in der Frage der deutschen Einheit ein Optimist. Meiner festen Überzeugung nach können wir, kann die Demokratie die Probleme lösen.“

(Text: PM Stadt Frankfurt)