
Der Theaterclub „LACHMAL“ in Obertshausen wurde seinem Namen am vergangenen Wochenende wieder einmal mehr als gerecht: Bei der Aufführung des Dreiakters „Wo zur Hölle geht’s zum Himmel?“ von Andreas Wening blieb im Publikum kaum ein Auge trocken. Mit pointierten Dialogen, herrlich überzeichneten Figuren und jeder Menge Situationskomik sorgte das Ensemble für drei unterhaltsame Stunden. Dabei nahm das Stück nicht nur den Geschlechterkampf, sondern auch die Tücken der Bürokratie mit einem gehörigen Augenzwinkern aufs Korn.
Eigentlich wollte Malermeister Wilhelm Holme nur eine Amtsstube renovieren. Doch plötzlich findet er sich vor einem himmlischen Gericht wieder. Seine Gattin Luise hat ihn kurzerhand dorthin gezerrt und fordert ein Urteil, das ihn direkt in die Hölle schicken soll. Was folgt, ist ein turbulenter Schlagabtausch mit Vorwürfen, Gegenvorwürfen und reichlich Zündstoff für einen handfesten Ehestreit – diesmal allerdings unter himmlischer Aufsicht. Den Vorsitz führt Engel Philippus, der die Verhandlung in bestem bayerischem Dialekt leitet. Mit seiner Aussprache erinnert er ein wenig an den berühmten „Bayer im Himmel“. Doch auch die himmlische Obrigkeit hat ihre Grenzen: Das ewige Gezanke der Eheleute strapaziert die Geduld des Richters sichtlich. Ganz andere Interessen verfolgt derweil „Luzi“ mit feuerrotem Make-up. Aufmerksam verfolgt er das Geschehen und hofft darauf, ein neues Opfer für die Hölle zu gewinnen. Doch bevor Philippus sein Urteil verkünden kann, macht die Bürokratie dem Verfahren einen Strich durch die Rechnung. Eine absurde Verordnung verlangt die sofortige Einberufung eines Meetings: „Nach Vorgabe der vorgehenden Krisenmanagement-Durchführungsverwaltungsverordnung müssen wir ganz dringend ein Meeting einberufen. Also, die Sitzung ist vertagt. Bitte befinden Sie sich sofort in Sitzungssaal 66-661.“
Damit ist die himmlische Gerichtsverhandlung vorerst beendet. Während Richter, Beteiligte und Schaulustige abziehen, bleibt Wilhelm Holme allein zurück – mit der bangen Frage, was nun aus seiner Seele werden soll. Nach einem Szenenwechsel findet sich der Malermeister jedoch auf dem Boden wieder. Offenbar ist er bei seiner Arbeit von der Leiter gestürzt und war bewusstlos. Die Begegnung mit dem himmlischen Gericht scheint ihre Wirkung nicht verfehlt zu haben: Geläutert schwört Holme seiner Frau Besserung. Für „Luzi“ ist das natürlich eine herbe Enttäuschung. Auch in ferner Zukunft scheint ihr der Malermeister nicht mehr als Höllenkandidat zur Verfügung zu stehen. Doch Engel Philippus lässt sich die Gelegenheit zu einem letzten Seitenhieb nicht entgehen: Mit einem vielsagenden Blick ins Publikum deutet er an, dass dort durchaus noch einige vielversprechende Kandidaten für „Luzi“ sitzen könnten. Ein Schluss, der für herzhaftes Lachen sorgt.
Dass die Komödie beim Publikum so gut ankam, lag nicht zuletzt an der Spielfreude und dem eingespielten Zusammenspiel des gesamten Ensembles. Die Darsteller bewiesen einmal mehr ihr Gespür für Timing, Pointen und komödiantische Übertreibung. Auch Souffleur Andreas Fauerbach hatte an diesem Abend erfreulich wenig zu tun. Selbst kleine Abweichungen vom Skript blieben für das Publikum unbemerkt – ein deutliches Zeichen dafür, wie routiniert und professionell die Theatergruppe inzwischen auf der Bühne agiert. Auf der Bühne standen Michael Möser, Angelika Lorente-Pütz, Junilan Herbert, Beate Faulbach, Stephan Rauschkolb, Yvonne Halabarde, Ulrike Heng, Heiko Möser, Rudolf Cramer, Raissa Uhlig und Thomas Fischer. Für die passende Maske sorgte Alexandra Wißmann. Das Bühnenbild gestalteten Markus Geiger und Stephan Rauschkolb. Wer die himmlisch-höllische Komödie noch erleben möchte, hat dazu Gelegenheit: Die nächsten Aufführungen finden am Freitag und Samstag jeweils um 19.30 Uhr in der Mehrzweckhalle an der Waldstraße statt. Karten sind noch an der Abendkasse erhältlich. Wer einen vergnüglichen Theaterabend mit viel Witz, pointierten Dialogen und einem bestens aufgelegten Ensemble verbringen möchte, sollte sich diese Gelegenheit nicht entgehen lassen.
(Text: ah)
