Unsichtbare Behinderungen sichtbar machen
Der 20. Oktober, der Tag der Menschen mit nicht sichtbaren Behinderungen, macht auf die Bedürfnisse von Menschen aufmerksam, deren Beeinträchtigungen nicht auf den ersten Blick erkennbar sind. Der Aktionstag wirbt bundesweit für mehr Achtsamkeit, Verständnis und barrierefreie Angebote im öffentlichen Leben.
Die Landeshauptstadt Wiesbaden setzt sich gemeinsam mit den Interessenvertretungen von Menschen mit Behinderungen dafür ein, diese Barrieren abzubauen. Menschen mit Autismus, chronischen Erkrankungen, Hörbeeinträchtigungen sowie kognitiven oder psychischen Beeinträchtigungen und Menschen mit besonderer sensorischer Empfindlichkeit erleben im Alltag häufig Barrieren, die für andere kaum wahrnehmbar sind. Lärm, grelles Licht, Hektik und eine Vielzahl gleichzeitiger Sinneseindrücke können alltägliche Aktivitäten zur Herausforderung machen. Auch kommunikative Barrieren erschweren die Teilhabe, etwa wenn Informationen nicht in Gebärdensprache oder Einfacher Sprache verfügbar sind. Betroffene verzichten deshalb oft auf Freizeitangebote oder nehmen nur eingeschränkt am gesellschaftlichen Leben teil.
Mit der Stillen Stunde schafft die Landeshauptstadt Wiesbaden konkrete Möglichkeiten, Barrieren abzubauen und gesellschaftliche Teilhabe zu stärken. Zu festgelegten Zeiten werden Reize reduziert und Rahmenbedingungen geschaffen, die Menschen mit unterschiedlichen Wahrnehmungs- und Unterstützungsbedürfnissen den Zugang zum öffentlichen Leben erleichtern. Was für manche eine kleine Veränderung bedeutet, kann für andere den entscheidenden Unterschied machen. Das Angebot wächst weiter; neue Partner der Stillen Stunde sind die Telekom Filiale in der Fußgängerzone sowie Decathlon im Äppelallee-Center.
Daniela Hill, Mitglied des Expertenrats der Landeshauptstadt Wiesbaden, betont die Bedeutung des Aktionstags: „Der 20. Oktober ist wichtig, um zu zeigen, dass es uns gibt, dass wir da sind – auch wenn man unsere Behinderung nicht sieht. Jeder Mensch kann davon betroffen sein. Die Stille Stunde ist für uns eine große Erleichterung, denn sie ermöglicht durch Reizarmut und Verständnis die Teilhabe am öffentlichen Leben.“
Nicht sichtbare Behinderungen sind Teil unserer Gesellschaft. Betroffene müssen ihre Bedürfnisse jedoch häufig erklären und um Verständnis werben. Eine inklusive Umgebung sollte deshalb nicht voraussetzen, dass Menschen ihre Beeinträchtigung offenlegen müssen. Vielmehr braucht es von Anfang an Rahmenbedingungen, die unterschiedliche Wahrnehmungen und Bedürfnisse berücksichtigen.
Barbara Knobloch, Vorsitzende des Arbeitskreises Inklusion und Barrierefreiheit, unterstreicht: „Barrieren abzubauen bedeutet, die Bedürfnisse der Menschen ernst zu nehmen – unabhängig davon, ob eine Behinderung sichtbar ist. Auch der Einsatz von Gebärdensprache und Einfacher Sprache ist eine wichtige Forderung von uns, um Menschen Teilhabe zu ermöglichen.“
Hintergrund: Der Tag der Menschen mit nicht sichtbaren Behinderungen am 20. Oktober wurde vom Verein gemeinsam zusammen e. V. ins Leben gerufen und wird 2026 zum dritten Mal bundesweit begangen. Ziel ist es, das öffentliche Bewusstsein für Menschen mit nicht sichtbaren Beeinträchtigungen und ihre Lebensrealitäten zu stärken. Der Aktionstag macht deutlich, dass Barrierefreiheit über bauliche, mobile und taktile Aspekte hinausgeht und auch sensorische sowie kommunikative Barrieren berücksichtigen muss.
Weitere Informationen sowie eine Liste der teilnehmenden Geschäfte der Stillen Stunde findet man unter www.wiesbaden.de/stille-stunde.
Kontakt für Rückfragen: Kommunale Inklusionsbeauftragte der Landeshauptstadt Wiesbaden, Andrea Hausy, inklusionsbeauftragte@wiesbaden.de.
(Text: PM Landeshauptstadt Wiesbaden)


