Verein „Heimat Geschichte & Kultur in Dudenhofen“ lud zum Tag des offenen Archivs

Im Obergeschoss der Alten Schule am Bürgerhaus konnten die Besucher in die Vergangenheit eintauchen. Zahlreiche Aufnahmen zeigten, wie sich das Werk im Laufe der Jahrzehnte verändert hat. (Foto: ah)

Wie sah das Gelände des heutigen Rodgauer Kalksandsteinwerks vor seiner industriellen Nutzung aus? Wie schnell wurde die Fabrik errichtet, und was wurde dort ursprünglich produziert? Antworten auf diese und viele weitere Fragen gab es beim Tag des offenen Archivs des Vereins „Heimat Geschichte & Kultur in Dudenhofen“.


Im Mittelpunkt standen diesmal die Geschichte des Kalksandsteinwerks und die Entwicklung des Geländes anhand historischer Fotos und Dokumente. Im Obergeschoss der Alten Schule am Bürgerhaus konnten die Besucher in die Vergangenheit eintauchen. Zahlreiche Aufnahmen zeigten, wie sich das Werk im Laufe der Jahrzehnte verändert hat. Viele der ausgestellten Bilder und Unterlagen stellte Barbara Deichmann zur Verfügung, deren Elternhaus in der Nähe des Werks stand. Ergänzend liefen Filme, die weitere Einblicke in die Geschichte des Standorts ermöglichten. „Wir haben immer ein Motto für den Tag des offenen Archivs“, erklärte Matthias Blickle vom Verein. Diese thematische Ausrichtung habe sich als Publikumsmagnet bewährt. Das Interesse sei groß, auch bei Menschen, die selbst im Werk gearbeitet hätten oder persönliche Erinnerungen mit dem Gelände verbänden.

Besonders spannend war der Blick auf die Anfänge: Eine Genehmigungsurkunde belegt, dass die Bebauung des mitten im Wald gelegenen Geländes am 6. Januar 1954 erlaubt wurde. Bereits im Februar begannen die Baumfällarbeiten, Mitte März standen die ersten Gerüste. Noch im selben Jahr nahm die Produktion Fahrt auf. „Das ging alles sehr schnell“, betont Blickle angesichts des rasanten Aufbaus – gerade im Vergleich zu heutigen Genehmigungsverfahren. Auch die Herstellung der Baustoffe wurde anschaulich erklärt. Der vor Ort gewonnene Sand bildet die Grundlage für die Produktion. Seine kantigen Körner eignen sich besonders gut, um daraus feste Baustoffe herzustellen. Später kam mit Porit, einem Markennamen für Porenbeton, ein weiteres Produkt hinzu. Dafür werden Sand und Kalk verarbeitet, in Formen gebracht, getrocknet und anschließend in Öfen gehärtet. Neben den gesicherten Fakten boten die historischen Aufnahmen reichlich Stoff für Gespräche. Ein Besucher erinnerte sich beispielsweise an die frühere Müllkippe von Dudenhofen, die sich in der Nähe des späteren Werksgeländes befand. Solche persönlichen Erinnerungen ergänzen die Dokumente und eröffnen neue Perspektiven auf die Ortsgeschichte. Dass dabei immer wieder bisher unbekannte Details ans Licht kommen, ist für die Archivarbeit besonders wertvoll.

Auch alte Konfirmations- und Kommunionsbilder sowie Klassenfotos ziehen regelmäßig die Aufmerksamkeit auf sich. Besucher erkennen Personen wieder, ergänzen fehlende Namen und erzählen Geschichten zu den Aufnahmen. „Wenn ich ein Bild habe, wo ich nicht mehr weiß, wer drauf ist, kann ich auch genauso gut wegschmeißen“, brachte Blickle die Bedeutung solcher Hinweise auf den Punkt. Wer zwischen den historischen Entdeckungen eine Pause brauchte, konnte bei Kaffee und selbst gebackenem Kuchen verweilen. So wurde der Tag des offenen Archivs nicht nur zu einer Reise in die Vergangenheit, sondern auch zu einem lebendigen Treffpunkt für Menschen, die sich für die Geschichte Dudenhofens interessieren. Und für den Verein steht fest: Ein konkretes Thema weckt Neugier – und bringt Geschichte ins Gespräch.

Die nächste Veranstaltung des Vereins ist die kabarettistische Lesung mit Susanne Hasenstab und Emil Emaille mit den „Barber Singphoniker“ im Vorprogramm am 31.Oktober im Bürgerhaus.

(Text: ah)